Regierungschef Tsipras ruft Neuwahl in Griechenland aus

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat vorgezogene Parlamentswahlen angekündigt. Grund dafür sei das schlechte Abschneiden seiner linken Regierungspartei Syriza bei der Europawahl, sagte er bei einer Pressekonferenz am Sonntagabend in Athen.

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Nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Europawahl, hat der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras vorgezogene Parlamentswahlen angekündigt. (Bild: KEYSTONE/AP/YORGOS KARAHALIS)

Nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Europawahl, hat der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras vorgezogene Parlamentswahlen angekündigt. (Bild: KEYSTONE/AP/YORGOS KARAHALIS)

(sda/dpa/afp)

Er werde nach den griechischen Kommunalwahlen am 2. Juni einen entsprechenden Antrag beim Präsidenten der Republik stellen, sagte Tsipras am Sonntagabend. Neuwahlen könnten dann bereits Ende Juni stattfinden. Planmässig hätte die Parlamentswahl in Griechenland erst im Oktober stattgefunden.

Syriza habe bei der Europawahl um das Vertrauen des griechischen Volkes für den eingeschlagenen Weg der Regierung geworben, sagte der Regierungschef am Abend im Staatsfernsehen. «Das Wahlergebnis entspricht nicht unseren Erwartungen - und ich würde so ein Ergebnis nie ignorieren.» Er habe nie den einfachen Weg gewählt und werde das auch jetzt nicht tun: Das Volk müsse die Antwort darauf geben, welchen Weg es gehen wolle.

Syriza lag bei der Europawahl nach vorläufigen amtlichen Hochrechnungen mit 23,9 Prozent der Stimmen rund 9 Prozentpunkte hinter der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia. Im Vergleich zur EU-Wahl 2014 büsste Syriza 2,7 Prozentpunkte ein.

Folge von Reformen

Analysten begründeten das schlechte Abschneiden mit den harten Sparmassnahmen und Reformen, die Tsipras in den vergangenen Jahren auf Druck der Gläubiger umgesetzt hat und die ihn im Volk unbeliebt gemacht haben. Viele Wähler nehmen ihm übel, dass er bei seiner Wahl zum Regierungschef 2015 versprochen hatte, Griechenland vom «Joch der Gläubiger» zu befreien - später aber Renten kürzte und Steuern erhöhte.

Zuvor hatte schon der konservative Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis Tsipras' Rücktritt und vorgezogene Wahlen gefordert: «Tsipras muss Verantwortung übernehmen. Zum Wohl des Landes muss er zurücktreten, und das Land muss schnell zu vorgezogenen Parlamentswahlen schreiten. Das ist die einzig saubere Lösung.» Die Nea Dimokratia erzielte laut vorläufiger Hochrechnung 33 Prozent der Stimmen - ein starkes Plus nach 22,7 Prozent im EU-Wahljahr 2014.

Nach der Nea Dimokratia und Syriza wurde bei der Europawahl in Griechenland die sozialistische Partei Kinal (Bewegung des Wandels) drittstärkste Kraft. Der Nachfolger der Partei Pasok erhielt 7,3 Prozent der Stimmen. 2014 hatte das vergleichbare Mitte-Links-Bündnis Elia 8 Prozent erzielt. Die kommunistische Partei KKE an vierter Stelle kam auf 5,8 Prozent (2014: 6,1 Prozent).

Niederlage für Rechtsextreme

Eine massive Niederlage musste die rechtsextremistische Partei Goldene Morgenröte einstecken. Mit 4,9 Prozent der Stimmen wurde ihr Ergebnis von 2014 fast halbiert (damals 9,4 Prozent).

Parallel zur Europawahl fanden in Griechenland Kommunalwahlen statt, bei denen ersten Teilergebnissen zufolge Kandidaten von Nea Demokratia vorne lagen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 56 Prozent.

Bei der Bürgermeisterwahl in Athen zog der Kandidat von Nea Demokratia, Costas Bakoyannis, als Favorit in die zweite Runde am 2. Juni ein. Dies galt auch für den konservativen Bürgermeisterkandidaten in Thessaloniki.