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Schädelfund verleiht frühen Vormenschen ein Gesicht

Forschende haben einen rund 3,8 Millionen Jahre alten Schädel eines frühen Vormenschen in Äthiopien entdeckt. Der Fund wirft Fragen zur Basis des Stammbaums der Hominini auf, aus dem auch der moderne Mensch hervorgegangen ist.
Der Schädel eines vor 3,8 Millionen Jahren lebenden Vormenschen (links) erlaubt erstmals, seine Gesichtszüge zu rekonstruieren (rechts). (Bild: Cleveland Museum of Natural History)

Der Schädel eines vor 3,8 Millionen Jahren lebenden Vormenschen (links) erlaubt erstmals, seine Gesichtszüge zu rekonstruieren (rechts). (Bild: Cleveland Museum of Natural History)

(sda)

Lange vor «Lucy», der 3,2 Millionen Jahre alten Australopithecus afarensis-Frau, gab es bereits andere Vormenschen, die eindeutig zum Stammbaum des heutigen Menschen gehören: Australopithecus anamensis lebte schon vor rund 4 Millionen Jahren. Allerdings blieb diese Hominini-Spezies lange rätselhaft, weil es nur Kieferknochen- und Zahnfunde aus der Zeit vor mehr als 3,5 Millionen Jahren gab.

Nun beschreiben Forschende in zwei Fachartikeln im Journal «Nature» den Fund eines 3,8 Millionen Jahre alten Schädels von Australopithecus anamensis. Und können diesen frühen Vormenschen erstmals ein Gesicht geben: Sein Kiefer ragte demnach deutlich hervor und die Schädeldecke hatte eine längliche und schmale Form, was auf ein kleines Gehirn schliessen lasse.

Vermutlich ein erwachsener Mann

Entdeckt wurde der Schädel 2016 im Woranso-Mille-Gebiet in Äthiopien, wie das Fachjournal in einer Mitteilung festhielt. Das Forschungsteam um Yohannes Haile-Selassie vom Cleveland Museum of Natural History in Ohio hat den Schädel seither datiert und detailliert untersucht. Vermutlich handelt es sich um einen erwachsenen Mann, den die Forschenden «MRD» nach seiner Objektnummer «MRD-VP-1/1» benannten.

Trotz seines unscheinbaren Namens bringt «MRD» die Basis des Stammbaums, aus dem auch der moderne Mensch hervorgegangen ist, gründlich durcheinander: Bisher hielt man A. anamensis für einen direkten Vorfahren der berühmten «Lucy». Man ging davon aus, dass A. anamensis direkt in A. afarensis überging. Die Schädelmerkmale stellen diese Annahme jedoch in Frage, weil sie eher auf eine Verwandtschaft mit anderen Hominini-Spezies hindeuten, berichten die Wissenschaftler.

Zudem konnten die Forschenden dank des neu entdeckten Schädels andere Fossilienfunde besser einordnen. Daraus ergab sich die Erkenntnis, dass die beiden besagten Australopithecus-Spezies offenbar mindestens 100'000 Jahre lang parallel existierten. Das spricht für zwei getrennte Evolutionslinien statt einer einzigen.

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