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Schwere Zusammenstösse in Hongkong bei China-kritischer Kundgebung

In Hongkong ist es ungeachtet der Warnungen der chinesischen Regierung am Samstag wieder zu schweren Zusammenstössen zwischen Polizei und pro-demokratischen Demonstranten gekommen. Angeblich wurde ein Polizist attackiert und verletzt.
Trotz eines Demonstrationsverbots und der Absage einer Grossdemonstration haben am Samstag tausende Menschen in Hongkong demonstriert. (Bild: KEYSTONE/EPA/JEON HEON-KYUN)

Trotz eines Demonstrationsverbots und der Absage einer Grossdemonstration haben am Samstag tausende Menschen in Hongkong demonstriert. (Bild: KEYSTONE/EPA/JEON HEON-KYUN)

(sda/reuters/afp/dpa)

Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, um Teilnehmer einer Kundgebung vor dem Hauptquartier der Volksbefreiungsarmee und dem Sitz der China-freundlichen Hongkonger Regierung zu vertreiben.

Einige der Demonstranten warfen Benzinbomben - sogenannte Molotowcocktails - oder Steine auf die Einsatzkräfte der Polizei. Insgesamt hatten sich wieder Tausende Einwohner der Sonderwirtschaftszone trotz Regen auf die Strassen begeben, um für Demokratie und gegen den wachsenden Einfluss der Regierung in China zu demonstrieren.

Die Auseinandersetzungen dauerten bis in den Abend. Demonstranten setzten Barrikaden in Brand. Am Victoria-Park gab ein Polizist aus seiner Dienstwaffe einen Warnschuss in die Luft ab, wie lokale Medien berichteten und auf einem Video zu hören war.

Blaues Färbemittel zur Stigmatisierung

Erstmals setzte die Polizei blau gefärbtes Wasser ein. Damit sollte offenkundig die Identifizierung der von den Wasserwerfern getroffenen Demonstranten erleichtert werden. Diese versuchten sich mit aufgespannten Regenschirmen vor dem Wasserstrahl und den Gasschwaden zu schützen.

Einige der Protestierenden brachen Steine aus dem Pflaster und bewarfen damit die Polizisten. Viele hatten sich schwarz angezogen und ihr Gesicht maskiert. «Es ist meine Pflicht, für Demokratie zu kämpfen», sagte der 22 Jahre alte Student Eric. «Vielleicht gewinnen wir, vielleicht verlieren wir. Aber wir kämpfen.»

Einsatzkräfte wurden von Hochstrassen mit Molotowcocktail beworfen, als sie - gefolgt von 20 Polizeiwagen - in den Admirals-Distrikt marschierten. Demonstranten versuchten mit Laser-Pointern die Polizisten zu blenden. Im Ausgeh-Viertel Wanchai setzte die Polizei Schlagstöcke gegen die Protestierenden ein. Diese hatten Strassenbarrikaden aufgebaut.

Ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters konnte zwei Festnahmen beobachten. In der Strasse Hennessy brannte vor einer Kirche ein grosses Feuer, das von Feuerwehrleuten bekämpft wurde. Die U-Bahn stellte auf einigen Streckenabschnitten ihren Betrieb ein.

Keine Personen mehr an der Spitze

Nachdem am Freitag zeitweise Bürgerrechtsaktivisten festgenommen worden waren, stellten sich am Samstag keine konkreten Personen an die Spitze der Proteste. Unter dem Slogan «Seid wie Wasser» waren die Protestierenden aufgerufen, flexibel zu sein und abwechselnd an verschiedenen Stellen der Stadt zu Kundgebungen zusammenzukommen.

Wenige Tage vor einem Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel steht der chinesische Staatschef Xi Jinping damit vor einem ungelösten Problem und einer Herausforderung seiner Durchsetzungsfähigkeit. Zudem stehen die Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung der Volksrepublik China am 1. Oktober an.

Erst am Donnerstag waren Truppen der Volksbefreiungsarmee im Gebiet Hongkong ausgetauscht worden. Sollte sich die Lage verschärfen, hätten die in Hongkong stationierten chinesischen Soldaten «keinen Anlass, untätig zuzuschauen», schrieb die staatliche Zeitung «China Daily» am Freitag. Die Anwesenheit des Militärs sei nicht rein symbolisch zu verstehen.

Gerücht um attackierten Polizisten

Die Hongkonger Polizei berichtete, eines ihrer Mitglieder sei am Freitagabend nach Dienstschluss von drei Unbekannten mit Messern angegriffen und verletzt worden. Die Meldung war die am meisten angeklickte Nachricht in der Internet-Netzwerk Waibo, eine Art chinesisches Twitter.

Seid drei Monaten protestieren Hongkonger gegen den wachsenden Einfluss der Regierung in Peking. Die ehemalige britische Kolonie hat besondere Freiheitsrechte, wie etwa Meinungsfreiheit. Diese sind aus Sicht der Demonstranten in Gefahr. Die chinesische Regierung wirft ausländischen Mächten, insbesondere Grossbritannien und den USA vor, die Proteste anzustacheln.

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