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Sturm auf US-Botschaft im Irak: Trump macht Iran verantwortlich

Der monatelange Konflikt zwischen den USA und dem Iran schaukelt sich nun im Krisenland Irak gefährlich hoch: Nach einem US-Luftangriff auf pro-iranische Milizen im Irak stürmten am Dienstag tausende Demonstranten das massiv gesicherte US-Botschaftsgelände in Bagdad.

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(sda/afp/dpa)

Mehrere Hundert Demonstranten attackierten die US-Botschaft. Sie zündeten amerikanische Flaggen an und zertrümmerten Fensterscheiben, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur DPA berichteten.

Das Aussenministerium in Washington erklärte, den Demonstranten sei es nicht gelungen, in die Botschaft einzudringen. Das Personal sei in Sicherheit, die Botschaft werde nicht evakuiert. Botschafter Matt Tueller kehre aus dem Urlaub zurück nach Bagdad, hiess es.

US-Präsident Donald Trump machte den Iran für die Ausschreitungen an der Botschaft verantwortlich und drohte Teheran mit Konsequenzen. «Jetzt orchestriert der Iran einen Angriff auf die US-Botschaft im Irak», twitterte Trump. Dafür würden die Iraner «voll zur Verantwortung» gezogen, erklärte er weiter. Das irakische Militär müsse die Botschaft schützen, forderte er.

Demonstranten klettern Mauern hoch

Die pro-iranischen Demonstranten in Bagdad hatten am Dienstag zunächst an einem Trauerzug für die Getöteten der US-Luftangriffe vom Wochenende teilgenommen. Anschliessend gelang es ihnen, ungehindert alle Kontrollposten zur streng gesicherten Grünen Zone, in der sich die US-Botschaft befindet, zu passieren und erstmals seit Jahren zu der US-Vertretung vorzudringen.

Sie riefen «Tod Amerika», forderten den Abzug der US-Truppen im Irak, warfen Steine, verbrannten US-Flaggen und rissen Überwachungskameras aus den Wänden. Als die Demonstranten weiter gewaltsam vorrückten, umstellten irakische Sicherheitskräfte das Gebäude.

In der besonders gesicherten sogenannten «Grünen Zone» im Stadtzentrum von Bagdad befinden sich zahlreiche Ministerien und Botschaften.
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Die Demonstranten verbrennen vor der US-Botschaft in Bagdad US-Flaggen. Zudem zertrümmerten sie Fenster und rissen Überwachungskameras aus den Wänden.
An Silvester eskalierte in Bagdad bei der US-Botschaft die Situation.
Die Demonstranten griffen die US-Botschaft in Bagdad an.
Demonstranten kletterten Mauern zur US-Botschaft hoch.
Die Demonstranten setzten Infrastruktur in Brand.

In der besonders gesicherten sogenannten «Grünen Zone» im Stadtzentrum von Bagdad befinden sich zahlreiche Ministerien und Botschaften.

Dann durchbrachen tausende teils uniformierte Kämpfer und Anhänger der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Miliz die Aussenwand des Botschaftsgeländes, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. US-Sicherheitskräfte auf dem Gelände feuerten zunächst Schüsse ab, dann Tränengas und Blendgranaten. Nach Angaben der Hasched-al-Schaabi-Miliz wurden mindestens 20 Menschen verletzt.

Mahdi ruft zum Rückzug auf

Iraks noch amtierender Regierungschef Adel Abdel Mahdi rief die Demonstranten auf, sich umgehend von der Botschaft zurückzuziehen. Die Sicherheitskräfte würden jedem Angriff auf ausländische Botschaften hart begegnen, hiess es in einer Mitteilung des Regierungsbüros am Dienstag.

Die irakische Regierung habe die US-Luftangriffe vom Sonntag bereits aufs Schärfste verurteilt, sagte Abdel Mahdi weiter. Er hatte im November aufgrund anhaltender Proteste seinen Rücktritt bekanntgegeben, führt die Amtsgeschäfte aber noch weiter.

Augenzeugen berichteten, dass am Abend immer wieder amerikanische Helikopter über die Botschaft flogen. Ein Sprecher der von den USA geführten Militärkoalition im Irak veröffentlichte auf Twitter Videos eines Kampfhelikopters vom Typ «Apache», der Signalraketen über der Botschaft abfeuerte.

US-Verteidigungsminister Mark Esper erklärte unterdessen, es würden zusätzliche Truppen an die Botschaft entsandt und Massnahmen ergriffen, um die Sicherheit der US-Bürger zu gewährleisten. Er machte keine Angaben dazu, wie viele Soldaten und welches Gerät als Verstärkung geschickt werden sollten.

Hintergrund: Tödliche US-Angriffe

Hintergrund für den Angriff ist die Wut über die tödlichen US-Luftangriffe vom Wochenende gegen drei Stützpunkte der vom Iran unterstützten Schiiten-Miliz Kataib Hisbollah, bei denen 25 paramilitärische Kämpfer getötet und 50 verletzt wurden.

Die vom Iran unterstützte schiitische Miliz, die Teil der schiitischen Volksmobilisierungseinheiten im Irak ist, kündigte Vergeltung für die Angriffe an. «Das Blut der Märtyrer und der Verwundeten wird nicht vergeblich sein und unsere Antwort gegen die US-Kräfte im Irak wird scharf sein», sagte der stellvertretende Anführer, Abu Mahdi al-Mohandis unmittelbar nach den Angriffen gegen die Miliz.

Die irakische Regierung hat die Angriffe verurteilt und will nun ihre Zusammenarbeit mit der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition überdenken.

US-Vergeltung für Raketenangriff

Die USA ihrerseits haben mit den Angriffen auf den Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen US-Militärstützpunkt im Irak reagiert. Die US-Vergeltungsangriffe richteten sich gegen Stellungen radikaler Hisbollah-Brigaden im Irak.

Die USA machen die Miliz für den Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt im Nordirak verantwortlich, bei dem neben dem US-Zivilbeschäftigten vier US-Soldaten sowie zwei irakische Sicherheitskräfte verletzt wurden. Dabei waren waren mehr als 30 Raketen abgefeuert worden.

Die Reaktion der USA stiess auf scharfe Kritik in Bagdad, Teheran und Moskau. Der Irak ist gleichermassen von den USA und dem mächtigen Nachbarstaat Iran abhängig. Die vom Iran unterstützten Schiiten-Milizen trugen wesentlich zum Sieg über die Extremisten-Miliz IS im Irak bei und gehören inzwischen teils zum regulären Militär des Landes.

Grösste US-Botschaft weltweit

Die US-Botschaft in Bagdad ist nach US-Angaben die grösste Botschaft der Vereinigten Staaten weltweit. Sie war im Januar 2009 offiziell eröffnet worden. Der Botschaftskomplex ist mit 42 Hektar in etwa so gross wie Vatikanstadt.

Nach Angaben des Iran-Sondergesandten im US-Aussenministerium, Brian Hook, hat es in den vergangenen zwei Monaten elf Angriffe gegen amerikanische Truppen oder US-Bürger im Irak gegeben.

Bereits im Mai hatte das Aussenministerium aufgrund der angespannten Sicherheitslage im Irak Teile des Personals in der Botschaft in Bagdad und dem Konsulat in Erbil zeitweise abgezogen. Im September waren zwei Raketen in der Nähe des Botschaftsgeländes in Bagdad eingeschlagen.