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Südkorea wirft Nordkorea neue Waffentests vor

Nordkorea hat nach Erkenntnissen seines südlichen Nachbarn am Samstag erstmals seit 2017 mehrere Raketen abgefeuert. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Samstag meldete, feuerte Nordkorea mehrere Kurzstreckenraketen über das offene Meer ab.
TV-Bilder in Südkorea zeigen am Samstag Raketentests aus dem nördlichen Nachbarland. (Bild: KEYSTONE/AP/AHN YOUNG-JOON)

TV-Bilder in Südkorea zeigen am Samstag Raketentests aus dem nördlichen Nachbarland. (Bild: KEYSTONE/AP/AHN YOUNG-JOON)

(sda/afp/apa/reu/dpa)

Pjöngjang habe um 09.06 Uhr Ortszeit Raketen von der Ostküstenstadt Wonsan in östlicher Richtung abgefeuert, teilte der südkoreanische Generalstab mit. Die Projektile seien im Abstand von etwa 20 Minuten abgeschossen worden. Sie hätten dabei eine Strecke von 70 bis 200 Kilometer zurückgelegt und seien danach ins Meer gestürzt.

Gemeinsam mit US-Stellen würden nun Details der Vorfalls analysiert. Unklar war zunächst, um welchen Waffentyp es sich dabei handelte. Vermutet wurde, dass Raketen von einem Mehrfach-Raketenwerfer aus abgeschossen wurden. Zunächst war vom Start einer einzelnen Raketen die Rede gewesen. Der Norden hatte zuletzt im November 2017 eine interkontinentale ballistische Rakete abgefeuert.

Es seien keine ballistischen Raketen gewesen, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Militärvertreter. Tests mit ballistischen Raketen verschiedener Reichweiten sind Nordkorea ebenso verboten wie Atomwaffenversuche.

US-Regierung beobachtet Lage

Ballistische Raketen sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können. Neue Tests mit solchen Raketen durch Nordkorea könnten als Zeichen offener Herausforderung an US-Präsident Donald Trump gewertet werden.

Die US-Regierung nahm zunächst nicht inhaltlich Stellung dazu. Man habe die Aktionen Nordkoreas wahrgenommen, sagte die Sprecherin des Weissen Hauses, Sarah Sanders. Die Lage werde weiter beobachtet.

Präsident Donald Trump hofft derweil weiter auf eine Einigung im Streit um atomare Abrüstung: «Es wird einen Deal geben», schrieb Trump am Samstag auf Twitter.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un habe das grosse wirtschaftliche Potenzial Nordkoreas erkannt und er werde nichts tun, um dieses zu stören oder gar zu beenden. «Er weiss auch, dass ich bei ihm bin und er will nicht sein Versprechen an mich brechen», schrieb Trump weiter.

Das nordkoreanische Regime hatte die Wiederaufnahme von Atom- und Raketentests bereits im März angedroht, kurz nach dem Scheitern des zweiten Gipfels zwischen Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump in Vietnam. Beide Seiten konnten sich nicht einigen in der zentralen Frage der atomaren Abrüstung Nordkoreas. Pjöngjang verlangte die Aufhebung eines Grossteils der Sanktionen.

Die bilateralen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms hatten im Juni 2018 mit einem historischen Gipfeltreffen von Kim und Trump in Singapur begonnen, greifbare Ergebnisse brachten sie aber nicht.

Experte: Frust in Nordkorea wegen Verhandlungen

«Es scheint offensichtlich, dass Nordkorea wütend ist über den scheinbaren Mangel an Flexibilität in der Position der Trump-Administration zum Abbau von Sanktionen», sagte Harry Kazianis vom Institut Center for the National Interest.

Das kommunistische Nordkorea wird wegen seines Atom- und Raketenprogramms international mit Sanktionen belegt. Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Un und Donald Trump im Februar in Vietnam hat die Unsicherheit ob der Lage auf der koreanischen Halbinsel wieder zugenommen. Es gab mehrfach Berichte über neue Aktivitäten auf nordkoreanischen Testanlagen.

Mitte April vermeldeten nordkoreanische Staatsmedien den Test einer neuen «taktischen Lenkwaffe». Die Aktion wurde ebenfalls als Versuch gewertet, Druck auf die USA auszuüben nach den jüngst gescheiterten Verhandlungen.

Nordkorea steht wegen seiner Atomwaffen- und Raketentests in den vergangenen Jahren unter besonderer Beobachtung der internationalen Gemeinschaft. Im April 2018 verkündete die kommunistische Führung in Pjöngjang einen Stopp der Atombombenversuche und Tests von Interkontinentalraketen. Dadurch haben sich die Spannungen in der Region und auch im Verhältnis zu den USA zunächst deutlich verringert.

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