Tag der Verschwundenen: UN warnen vor Vergessen wegen Corona-Pandemie

Wegen der Corona-Krise geraten aus Sicht von UN-Experten Verschwundene auf der ganzen Welt in Vergessenheit.

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ARCHIV - Bei einem Protest in der mexikanischen Hauptstadt zeigt ein Mann das Bild seines 2009 verschwundenen Sohnes. Foto: Jair Cabrera Torres/dpa

ARCHIV - Bei einem Protest in der mexikanischen Hauptstadt zeigt ein Mann das Bild seines 2009 verschwundenen Sohnes. Foto: Jair Cabrera Torres/dpa

Keystone/dpa/Jair Cabrera Torres
(sda/dpa)

Staaten müssten dringend weiter nach ihnen suchen und zusätzliches Verschwindenlassen verhindern, erklärten Mitglieder des UN-Ausschusses gegen das Verschwindenlassen in einer Mitteilung vom Samstag, dem Vortag des Internationalen Tags der Verschwundenen.

Sie seien besorgt über Vorwürfe von Verschwindenlassen im Kontext der Pandemie - besonders, da auch Suchen und Ermittlungen wegen Anti-Corona-Massnahmen unterbrochen würden. Durch Covid-19 seien auch neue Szenarien des Verschwindenlassens in Form obligatorischer Quarantänen entstanden, bei denen Familien über das Schicksal ihrer Angehörigen nicht Bescheid wüssten.

Speziell in Lateinamerika erschwert die Pandemie nach Angaben des Roten Kreuzes die Suche von Familien Verschwundener nach ihren Angehörigen. Grund seien Ausgangsbeschränkungen sowie häufig eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Familien.

Zum Tag der Verschwundenen warfen in einer gemeinsamen Mitteilung auch Human Rights Watch und elf weitere Menschenrechtsorganisationen der Regierung und den Sicherheitskräften von Bangladesch vor, seit 2009 mindestens 572 Menschen verschwinden gelassen zu haben. Die Aufenthaltsorte vieler von ihnen seien noch immer unbekannt.

Vor knapp zehn Jahren trat die UN-Konvention gegen Verschwindenlassen in Kraft, seit 2011 erinnern Menschenrechtsorganisation jedes Jahr am 30. August an das Schicksal der Opfer und ihrer Angehörigen. Unter Verschwindenlassen wird dem Übereinkommen zufolge Freiheitsentzug durch den Staat oder mit dessen Duldung in Verbindung mit einer Verheimlichung des Schicksals der verschwundenen Person verstanden.

Allein in Diktaturen Lateinamerikas wurden in den 1970er und 1980er Jahren bis zu 90 000 Menschen Opfer solcher staatlichen Willkür, Tausende Fälle sind bis heute nicht aufgeklärt. Hinter dem Verschwinden von noch mehr Menschen werden heutzutage in Lateinamerika kriminelle Organisationen vermutet, manchmal mit Beteiligung der Sicherheitskräfte. In Mexiko gelten derzeit mehr als 73 000 Menschen als verschwunden, in Brasilien werden jedes Jahr etwa 80 000 Personen als verschwunden gemeldet.