Toter bei Corona-Impfstoff-Studie von AstraZeneca in Brasilien

Während der Studie zu einem Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca in Brasilien ist ein Proband gestorben. Das bestätigte die brasilianische Überwachungsbehörde für Gesundheit, Anvisa, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Die Todesursache war zunächst unklar. Die Zeitung «Estado de S. Paulo» berichtete am Donnerstag, der Teilnehmer an der Studie habe keine Vorerkrankungen gehabt.

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ARCHIV - Das Firmenlogo des Pharmakonzerns AstraZeneca über dem Eingang des Unternehmens. Während der Studie zu einem Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca in Brasilien ist ein Proband gestorben. Foto: Alastair Grant/AP/dpa

ARCHIV - Das Firmenlogo des Pharmakonzerns AstraZeneca über dem Eingang des Unternehmens. Während der Studie zu einem Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca in Brasilien ist ein Proband gestorben. Foto: Alastair Grant/AP/dpa

Keystone/AP/Alastair Grant
(sda/dpa)

Den Impfstoff hatte der britisch-schwedische Konzern in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt. Nach eigenen Angaben war die Anvisa bereits am Montag über den Todesfall informiert worden. Die Empfehlung laute, die Tests fortzusetzen. Der Fall werde derzeit geprüft, Daten über Freiwillige müssten vertraulich behandelt werden. Die Mikrobiologin Natália Pasternak warnte bei dem Sender «TV Globo» vor voreiligen Schlüssen. «Menschen, die an klinischen Studien teilnehmen, können aus vielen verschiedenen Gründen sterben. Es hat vielleicht absolut nichts mit einem Impfstoff zu tun», sagte die Wissenschaftlerin.

Die Anvisa hat fast ein halbes Dutzend Tests dieser Art erlaubt. Tausende Freiwillige aus dem Gesundheitssektor und anderen Bereichen, in denen man dem Coronavirus verstärkt ausgesetzt ist und die sich noch nicht infiziert haben, haben in Brasilien in den vergangenen Wochen eine Impfung bekommen. In dem mit rund 210 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas breitet sich das Virus immer noch aus, zugleich verfügt Brasilien über hervorragende Forschungseinrichtungen.

Bei dem Toten handelt es sich dem Fernsehsender CNN Brasil zufolge um einen 28 Jahre alten Mann aus Rio, der wegen Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sei. Laut dem Sender «TV Globo» war er Arzt, arbeitete in zwei Krankenhäusern und einer mobilen Klinik für Corona-Patienten im Kampf gegen das Virus. Die Zeitung «O Globo» berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, der betreffende Freiwillige habe nicht den Impfstoff, sondern ein Placebo bekommen. Offiziell äusserten sich dazu zunächst weder das Labor noch die Testzentren oder die Anvisa.

AstraZeneca wollte einen Einzelfall in einer laufenden Studie auch auf dpa-Anfrage zunächst nicht konkret kommentieren, verwies aber darauf, dass alle erforderlichen Überprüfungsverfahren eingehalten worden seien. In einer Erklärung des Instituto D'Or (Idor), das die Studie in Rio de Janeiro und Salvador koordiniert, hiess es: «Die rigorose Analyse der bisher gesammelten Daten hat keine Zweifel an der Sicherheit der Studie aufkommen lassen, und ihre Fortführung wird empfohlen.» Auf Nachfrage der dpa antwortete das Idor, dass die Studie bisher nicht unterbrochen worden sei.

AstraZeneca hatte die klinische Studie für seinen vielversprechenden Corona-Impfstoff im September vorübergehend gestoppt - offenbar nicht zum ersten Mal. Das Vakzin AZD1222 zählte bis dahin zu den aussichtsreichen Kandidaten unter den potenziellen Corona-Impfstoffen. Sollte sich ein Zusammenhang des Todes des Freiwilligen mit dem Impfstoff herausstellen, wäre dies ein schwerer Schlag für das Projekt.

Der Impfstoff wird derzeit von der europäischen Arzneimittel-Behörde EMA in einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren geprüft. Bei diesem Verfahren werden Daten aus der klinischen Prüfung fortlaufend eingereicht und bewertet. Mit AstraZeneca hat die EU bereits einen Rahmenvertrag über die Lieferung von Impfdosen geschlossen. Laut dem Bundesgesundheitsministerium entfallen 54 Millionen Impfstoffdosen auf Deutschland. Das würde nach Angaben von Ressortchef Jens Spahn zunächst für rund 27 Millionen Menschen hierzulande reichen.