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Treffen in Nordkorea: Der Präsident des Südens will Atomstreit-Verhandlungen ankurbeln

Beim ersten Besuch eines südkoreanischen Präsidenten in Pjöngjang seit elf Jahren geht es darum, die stockenden Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea wieder in Gang zu bringen. Diktator Kim Jong Un organisierte am Dienstag einen grandiosen Empfang für den seltenen Gast.
Südkoreas Präsident Moon Jae-in (rechts) und der nordkoreanische Führer Kim Jong Un verlassen das Grand Theatre von Pjöngjang. (Bild: Pyongyang Press Corps Pool via AP)

Südkoreas Präsident Moon Jae-in (rechts) und der nordkoreanische Führer Kim Jong Un verlassen das Grand Theatre von Pjöngjang. (Bild: Pyongyang Press Corps Pool via AP)

Kim und seine Frau begrüssten Moon Jae In und dessen Gattin am Dienstag persönlich am Flugzeug, als beide die Rolltreppe herabstiegen. Nordkoreas Machthaber umarmte den südkoreanischen Präsidenten dreimal herzlich.

Beide äusserten gleich zu Beginn ihren Wunsch nach konkreten Resultaten des Gipfels: "Wir haben lange gebraucht, um so weit zu kommen. Unsere Völker wollen, dass wir rasch grössere Ergebnisse erreichen", sagte Kim.

Moon entgegnete unter Hinweis auf ihre ersten beiden Begegnungen im Grenzort Panmunjom im April und Mai: "Der Frühling von Panmunjom hat uns zum Herbst in Pjöngjang geführt. Es ist Zeit, die Ergebnisse einzufahren."

Die beiden Staatsoberhäupter des geteilten Koreas fahren im offenen Wagen durch das geschmückte Pjöngjang (Bild: Pyongyang Press Corps Pool via AP)

Die beiden Staatsoberhäupter des geteilten Koreas fahren im offenen Wagen durch das geschmückte Pjöngjang (Bild: Pyongyang Press Corps Pool via AP)

Zehntausende säumen die Strassen

Hunderte von Nordkoreanern - ausgestattet mit Plastikblumen, nordkoreanischen Nationalfahnen und Wiedervereinigungsflaggen - bejubelten die Begegnung am Flughafen, während eine Militärkapelle schmissige Marschmusik spielte. Auf dem Weg vom Flughafen waren dann Zehntausende Menschen mobilisiert worden, um die Strassen für den Konvoi mit Moon und Kim zu säumen.

Frauen in farbenfrohen traditionellen Gewändern, Männer in den für Nordkorea typischen dunklen Anzügen und Kinder mit Papier- und Plastikblumen sowie Fähnchen jubelten der Fahrzeugkolonne zu, die von einer Motorradstaffel angeführt wurde. Kim und Moon fuhren einen Teil des Weges stehend in einem offenen Mercedes und winkten den Massen zu.

Die Ehefrauen der Leader im heiteren Gespräch. Rechts die First Lady von Südkorea, Kim Jung-sook, links die nordkoreanische First Lady, Ri Sol-ju. (Bild: EPA/PYONGYANG PRESS CORPS / POOL)

Die Ehefrauen der Leader im heiteren Gespräch. Rechts die First Lady von Südkorea, Kim Jung-sook, links die nordkoreanische First Lady, Ri Sol-ju. (Bild: EPA/PYONGYANG PRESS CORPS / POOL)

Sieben bis acht Treffen geplant

Während des dreitägigen Gipfels wollen Kim und Moon mindestens sieben oder achtmal zusammentreffen. Am Dienstagnachmittag Ortszeit begann im Hauptquartier der Arbeiterpartei die erste Runde der formellen Gipfelgespräche, die am Mittwoch fortgesetzt werden.

Ob am Ende eine gemeinsame Erklärung oder andere Vereinbarungen stehen, war nach südkoreanischen Angaben offen. "Es müssen noch mehr Gespräche geführt werden", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Präsidialamtes.

Im Mittelpunkt des Gipfels stehen der Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms sowie eine dauerhafte Friedenslösung zwischen beiden Seiten, die sich seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 völkerrechtlich noch im Kriegszustand befinden. Moon hoffe, dass sein Besuch zu einer Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Nordkorea und den USA führen könne, sagte der südkoreanische Sprecher.

Moon Jae-in und Kim Jong Un an der Willkommenszeremonie am Sunan International Airport in Pjöngjang. (Bild: Pyongyang Press Corps Pool via AP)

Moon Jae-in und Kim Jong Un an der Willkommenszeremonie am Sunan International Airport in Pjöngjang. (Bild: Pyongyang Press Corps Pool via AP)

Keine konkreten Zusagen

Kim hatte bei seinen zwei Treffen mit Moon im April im Grenzort Panmunjom sowie mit US-Präsident Donald Trump im Juni in Singapur seine Bereitschaft zur "Denuklearisierung" erklärt. Doch gab es bisher keine konkreten Zusagen, wie und bis wann atomar abgerüstet werden und welche Gegenleistungen Nordkorea erhalten soll.

Die Gespräche zwischen den USA und Nordkorea sind festgefahren. Im August sagte Trump eine geplante Reise von US-Aussenminister Mike Pompeo nach Pjöngjang kurzfristig ab, weil es nicht genug Fortschritte gegeben habe.

Vor dem Gipfel in Pjöngjang telefonierte Südkoreas Aussenministerin Kang Kyung Wha mit Pompeo. Beide Seiten hätten bekräftigt, wie wichtig es sei, den Druck aufrechtzuerhalten, bis das gemeinsame Ziel "einer endgültigen, komplett nachweisbaren Denuklearisierung" erreicht sei, sagte eine US-Sprecherin.

Ein Erfolg des Gipfels könnte den Weg für ein zweites Treffen zwischen Trump und Kim ebnen. Moon trifft den US-Präsidenten noch diesen Monat am Rande der Uno-Vollversammlung in New York.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Moons Delegation ist 200 Mitglieder gross. Unter ihnen sind südkoreanische Wirtschaftsführer, darunter von Unternehmen wie Samsung, Hyundai und LG. Sie wollen potenzielle Kooperationsprojekte ausloten, die aber erst nach Wegfall der internationalen Sanktionen gegen den isolierten stalinistischen Staat möglich wären.

In der Delegation sind auch Stars der koreanischen Popmusik, die bei einem Konzert auftreten sollten. Auch sind andere Persönlichkeiten der südkoreanischen Gesellschaft wie der berühmte frühere Fussballer und Bundesligaspieler Bum-Kun Cha mitgereist.

(sda/dpa)

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