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Uno-Gesandter fordert Schutz von Zivilisten im Kampf um Idlib

Vor der erwarteten Offensive auf die Rebellenhochburg Idlib in Syrien hat der Uno-Syriengesandte Staffan de Mistura zum Schutz der Zivilisten in der Region aufgerufen. In der Provinz befänden sich neben 10'000 Terroristen auch 2,9 Millionen Zivilisten.
Der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, befürchtet den Einsatz von chemischen Waffen bei einem möglichen Kampf um die Provinz Idlib. (Bild: Keystone/MARTIAL TREZZINI)

Der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, befürchtet den Einsatz von chemischen Waffen bei einem möglichen Kampf um die Provinz Idlib. (Bild: Keystone/MARTIAL TREZZINI)

(sda/reu/dpa)

Die Mitglieder der Terrororganisationen Al-Nusra und Al-Kaida müssten bekämpft und besiegt werden, aber nicht auf Kosten der Zivilisten, sagte der Uno-Diplomat am Donnerstag in Genf. De Mistura verlangte humanitäre Korridore unter Uno-Aufsicht, damit die Menschen vorübergehend in sicherere Gegenden gebracht werden könnten.

Als grösste Gefahr bezeichnete der Uno-Diplomat den Einsatz chemischer Kampfstoffe, die sowohl die Regierung als auch Al-Nusra besässen. Er rief die Konfliktparteien sowie ihre internationalen Unterstützer auf, vor neuen Angriffen eine Lösung für die Zivilisten zu finden. «Warum so eine Eile, warum nicht mehr Zeit für Diskussionen lassen?», fragte de Mistura.

1,4 Millionen Vertriebene

Die Nordprovinz Idlib ist das letzte grosse Gebiet in der Hand von Rebellen des seit 2011 andauernden Syrienkrieges. Unter den 2,9 Millionen Menschen dort wurden nach Angaben de Misturas 1,4 Millionen schon einmal vertrieben. Die Provinz liegt an der Grenze zur Türkei, die keinen neuen Zustrom von Flüchtlingen zulassen will.

Erste syrische Angriffe lassen darauf schliessen, dass ein Feldzug der syrischen Regierung mit russischer Hilfe gegen Idlib bevorsteht. Uno-Generalsekretär António Guterres hatte bereits am Mittwoch vom «wachsenden Risiko einer humanitären Katastrophe» gesprochen.

Russisches Seemanöver

Russland stockt derweil seine Seestreitkräfte im östlichen Mittelmeer auf. Bei einem grossen Seemanöver vom 1. bis 8. September würden 25 Kriegsschiffe und etwa 30 Flugzeuge eingesetzt, kündigte das Verteidigungsministerium in Moskau am Donnerstag an.

Kremlsprecher Dmitri Peskow zog offen eine Verbindung zur Lage in Idlib, die er kompliziert nannte. «Deshalb ist jede Erhöhung der Vorsichtsmassnahmen gerechtfertigt und begründet», sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hatte am Mittwoch gesagt, die «Eiterbeule» Idlib mit den Rebellen müsse beseitigt werden. Die Zeitung «Iswestija» schrieb vom «grössten Flottenverband seit dem Eingreifen Russlands in den Syrienkonflikt».

Der demonstrative russische Truppenaufbau soll auch die USA von angeblich drohenden Attacken auf Syrien abhalten. «Der Verstärkung von US-Truppen im Nahen Osten nach zu urteilen, sind neue Raketenangriffe auf Ziele in Syrien nicht ausgeschlossen», sagte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministeriums.

Zuletzt hatten die USA, Frankreich und Grossbritannien im April Marschflugkörper auf syrische Militäranlagen abgefeuert. Dies sollte die Vergeltung sein für einen Chemiewaffenangriff syrischer Truppen auf die Stadt Duma in der über Monate umkämpften Region Ost-Ghuta. Damaskus und Moskau streiten den Angriff ab.

Syrische Vorwürfe

Syriens Aussenminister Walid al-Muallim warf den drei Westmächten vor, einen Angriff zu planen, um den syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida zu retten. Es wiederhole sich jetzt dasselbe Szenario wie in Ost-Ghuta, sagte er in Moskau nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

«Sie tragen die Verantwortung für das gefährliche Ergebnis dieser Aggression», erklärte er. Lawrow wiederholte die seit einigen Tagen von russischen Vertretern vorgetragene Befürchtung, Rebellen könnten in Idlib mit westlicher Hilfe einen Chemiewaffenangriff verüben und der syrischen Seite die Schuld geben.

Der russische Minister warf den USA vor, nichts für den Wiederaufbau der Gebiete unter Regierungskontrolle zu tun, sondern nur für die Kurdengebiete östlich des Flusses Euphrat. So trügen die USA zur Spaltung Syriens bei.

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