Uno rechnet mit mehr Flucht Richtung Europa

Die Zahl der Menschen auf der Flucht steigt weltweit weiter. Ende vergangenen Jahres war rund ein Prozent der Weltbevölkerung wegen Kriegen, Gewalt, Konflikten oder Angst vor Verfolgung aus ihrer Heimat vertrieben.

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Die Zahl der Flüchtlinge nimmt weiter stark zu.

Die Zahl der Flüchtlinge nimmt weiter stark zu.

KEYSTONE/DPA/BORIS ROESSLER
(sda/dpa)

Insgesamt waren 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Donnerstag in seinem Bericht zum Weltflüchtlingstag mitteilte. Das waren fast zehn Mal so viele Menschen wie die Schweiz Einwohner hat (8,6 Millionen). Die Coronakrise und damit verbundene Armut betroffener Bevölkerungen dürfte die Flucht Richtung Europa verstärken, sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi in Genf.

Die Zahl war ein neuer Rekord in der fast 70-jährigen Geschichte des UNHCR. Sie hat sich zwischen 2010 mit gut 40 Millionen und 2019 fast verdoppelt. Der neue Anstieg ist mit fast 9 Millionen oder gut 12 Prozent rasant. Das liegt aber auch daran, dass das UNHCR Venezolaner im Ausland erstmals in einer neuen Kategorie zählte.

Stellenverluste als Treiber

Grandi sieht vor allem die Arbeitsplatzverluste durch die Corona-Krise als Treiber weiterer Flucht und Migration: «Ich habe keinen Zweifel, dass die wachsende Armut und der Mangel an Lösungen sowie die Fortsetzung von Konflikten zu mehr Bevölkerungsbewegungen führen wird, in den Regionen und darüber hinaus, nach Europa etwa.»

Schuld am Mangel von Lösungen seien auch Länder, die eigene Interessen in Konfliktgebieten verfolgten und Konfliktlösungen behinderten. Während in den 90er Jahren im Durchschnitt jedes Jahr 1,5 Millionen Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehrten, waren es in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt weniger als 400 000 im Jahr.

Kritik am Weltsicherheitsrat

«Das ist ein Anzeichen für die Hartnäckigkeit von Konflikten, für neue Konflikte, und die Lähmung der internationalen Gemeinschaft», sagte Grandi. Dazu zähle der Weltsicherheitsrat, der nicht in der Lage sei, Konflikte zu lösen und Bedingungen zu schaffen, damit Flüchtlinge heimkehren könnten.

Das UNHCR könne sich nur um die humanitären Folgen von Konflikten kümmern und bei der Rückkehr von Flüchtlingen helfen, wenn die Bedingungen dafür geschaffen seien.

Die Corona-Krise habe aber auch internationale Solidarität gezeigt, sagte Grandi. Aufnahmeländer hätten Flüchtlinge grösstenteils in ihre Gesundheitsversorgung einbezogen. Spendenaufrufe seien erfolgreich gewesen. Das UNHCR habe von Unternehmen und Einzelpersonen in diesem Jahr schon 15 Prozent mehr Geld und Sachspenden erhalten als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr.