Belarus

Viele Festnahmen bei Protest gegen Machthaber Lukaschenko in Belarus

Nach fast fünf Monaten mit Protesten in Belarus (Weissrussland) gegen Machthaber Alexander Lukaschenko hat die Anführerin Swetlana Tichanowskaja den Mut der Menschen gelobt. Der Protest sei trotz Festnahmen und Polizeigewalt inzwischen Teil des Alltags vieler Menschen geworden, sagte die 38-Jährige in ihrem Exil in der EU. «So wird es bis zum Sieg bleiben», meinte sie mit Blick auf den am Sonntag angesetzten «Marsch des Willens».

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Bürger von Minsk bilden in ihrem Wohnviertel einen Demonstrationszug gegen das Regime von Machthaber Alexander Lukaschenko. Foto: Uncredited/AP/dpa

Bürger von Minsk bilden in ihrem Wohnviertel einen Demonstrationszug gegen das Regime von Machthaber Alexander Lukaschenko. Foto: Uncredited/AP/dpa

Keystone/AP/Uncredited
(sda/dpa)

Viele Menschen versammelten sich trotz des Demonstrationsverbots zunächst in ihren Wohnvierteln und bildeten dann Demonstrationszüge, wie auf verschiedenen Kanälen des Nachrichtendienstes Telegram zu sehen war. Erneut gingen Uniformierte in Sturmhauben gewaltsam gegen die friedlichen Demonstranten vor. Das Menschenrechtszentrum Wesna listete zunächst die Namen von mehr als 70 Festgenommene auf.

Die Menschen forderten wie bei den vorherigen Sonntagsdemonstrationen den Rücktritt Lukaschenkos. Viele trugen die weiss-rot-weissen Fahnen der Opposition. Tichanowskaja, die nach der Präsidentenwahl am 9. August auf Druck Lukaschenkos in das benachbarte EU-Land Litauen ausgereist war, meinte, dass viel erreicht sei.

Es gebe EU-Sanktionen, und Lukaschenko werde vom Westen nicht mehr als Präsident anerkannt. Politisch Verfolgte könnten auf Hilfsprogramme der Demokratiebewegung zurückgreifen. Vor allem aber würden die Menschen gemeinsam für ihre Rechte einstehen und sich den Repressionen nicht mehr beugen. «Wir haben gelernt, stolz darauf zu sein, dass wir Belarussen sind», sagte sie. Jeder Sonntagsmarsch sei eine neue Mahnung, nicht aufzugeben.

Der 66-jährige Lukaschenko gilt als «letzter Diktator Europas». Er hatte sich nach der Wahl mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die Demokratiebewegung sieht Tichanowskaja als Siegerin. Sie erklärte sich bereit, das Land übergangsweise nach einem Rücktritt Lukaschenkos zu führen. Die Bewegung fordert auch ein Ende der Polizeigewalt und die Freilassung aller politischen Gefangenen. Bei den Protesten gab es bisher schon mehrere Tote, Hunderte Verletzte und rund 30 000 Festnahmen.