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Südkoreanischer Triumph bei den Oscars: Satire «Parasite» bester Film

Überraschung bei den Oscars: Die südkoreanische Satire «Parasite» gewinnt als erste nicht-englischsprachige Produktion den Preis für den besten Film. Bei den Schauspieler-Preisen triumphieren grosse Stars: Renée Zellweger, Joaquin Phoenix, Laura Dern und Brad Pitt.

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Joaquin Phoenix wurde als  bester Hauptdarsteller für seine Rolle als «Joker» ausgezeichnet.
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Joaquin Phoenix wurde als  bester Hauptdarsteller für seine Rolle als «Joker» ausgezeichnet.
Als beste Hauptdarstellerin wurde Renee Zellweger für «Judy» ausgezeichnet.
Als beste Hauptdarstellerin wurde Renee Zellweger für «Judy» ausgezeichnet.
Bong Joon Ho wurde als bester Direktor für den Film «Parasite» ausgezeichnet.
Han Jin Won (links) und Bong Joon Ho, Gewinner des Awards für den besten Film: «Parasite». Die südkoreanische Satire hat insgesamt vier Auszeichnungen gewonnen.
Laura Dern gewann den Oscar als beste Nebendarstellerin im Film «Marriage Story».
Den Oscar für den besten Nebendarsteller gewann Brad Pitt für seine Rolle im Quentin-Tarantino-Film «Once Upon a Time in Hollywood».
Laura Dern (links) und Renee Zellweger an den Oscars 2020.
Joaquin Phoenix, Renee Zellweger und Brad Pitt an den Oscars 2020.
Jane Fonda kündigt den Oscar für das beste Bild an, welcher an den Film «Parasite» geht.
Kwak Sin Ae (links) und Bong Joon Ho: Der Film «Parasite» gewinnt den Oscar für das beste Bild.
Bong Joon Ho (rechts) freut sich für die Auszeichnung des besten Bildes für den Film «Parasite».

Joaquin Phoenix wurde als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als «Joker» ausgezeichnet.

Bild: Chris Pizzello / AP
(sda/dpa)

Der Oscar für den besten Film geht zum ersten Mal nach Südkorea - und damit erstmals an eine nicht-englischsprachige Produktion. Insgesamt gab es in der Nacht zu Montag in Hollywood vier Auszeichnungen für die Satire «Parasite»: Filmemacher Bong Joon Ho gewann zusätzlich zur Königskategorie auch den Auslands-Oscar sowie die Preise für die beste Regie und das beste Original-Drehbuch.

Sein bitterböser Film, der bereits einen Golden Globe und die Goldene Palme von Cannes gewonnen hatte, erzählt die Geschichte einer armen Familie, die sich im Haus einer reichen Familie einnistet. Bong Joon Ho reagierte ungläubig auf seinen Triumph:

«Es fühlt sich immer noch sehr surreal an.».

«Ich denke, irgendetwas wird mich gleich am Kopf treffen und ich werde von diesem Traum aufwachen», witzelt Bong Joon Ho, dabei klopft er sich leicht mit einem seiner Oscars auf den Kopf. Der Filmemacher spricht in seiner Muttersprache, doch auf Englisch kommentiert er seinen sensationellen Oscar-Triumph noch mit dem Kraftausdruck «fucking crazy».

Bong Joon Ho, rechts, erhält den Oscar für «Bester Film».

Bong Joon Ho, rechts, erhält den Oscar für «Bester Film».

Bild: Chris Pizzello / AP

Das hochgehandelte Kriegsdrama «1917» erhielt drei Oscars, darunter den für die beste Kamera. Zwei Auszeichnungen gingen an den historischen Rennsportfilm «Le Mans 66: Gegen jede Chance». Als Verlierer ging das Mafia-Epos «The Irishman» aus der 92. Oscar-Gala hervor. Der hochkarätig besetzte Film von Altmeister Martin Scorsese war zehn Mal nominiert gewesen, gewann aber keinen einzigen Preis.

Die Schauspieler-Trophäen wurden diesmal durchweg von den Favoriten und damit von Hollywood-Topstars abgeräumt: Beste Hauptdarstellerin wurde Renée Zellweger für ihre Darstellung der Sängerin Judy Garland in dem biografischen Film «Judy». Den männlichen Hauptrollen-Oscar bekam Joaquin Phoenix für seine Rolle des späteren Batman-Gegenspielers «Joker»; das Drama wurde ausserdem für die beste Filmmusik ausgezeichnet.

Brad Pitt und Laura Dern gewannen die Auszeichnungen als beste Nebendarsteller und holten sich damit die ersten Schauspiel-Oscars ihrer Karriere. Dern wurde für ihre Rolle im Drama «Marriage Story» des Regisseurs Noah Baumbach ausgezeichnet, Pitt für das Quentin-Tarantino-Werk «Once Upon a Time in Hollywood». Der nostalgische Film über das Hollywood der 1960er Jahre erhielt ausserdem einen Oscar für das Produktionsdesign.

Scarlett Johansson, links, gratuliert Laura Dern.

Scarlett Johansson, links, gratuliert Laura Dern.

Bild: Chris Pizzello / AP

Rockstar Elton John und sein Liedtexter Bernie Taupin wurden für den besten Filmsong ausgezeichnet: «(I'm Gonna) Love Me Again» aus dem Biopic «Rocketman». Die beste Filmmusik lieferte nach Meinung der US-Filmakademie die Isländerin Hildur Gudnadóttir für «Joker» ab. Für einen bewegenden Moment während der Gala sorgte die 18-jährige US-Sängerin Billie Eilish, die den Beatles-Klassiker «Yesterday» für die seit der letzten Gala gestorbenen Grössen der Filmbranche wie Kirk Douglas und Doris Day sang. Auch des tödlich verunglückten Basketball-Superstars und Oscar-Gewinners Kobe Bryant wurde gedacht.

Die Trophäe für den besten Animationsfilm ging an den vierten «Toy Story»-Film «Alles hört auf kein Kommando» von Josh Cooley. Für das beste adaptierte Drehbuch wurde der Neuseeländer Taika Waititi mit seiner Nazi-Satire «Jojo Rabbit» geehrt. Den Oscar für das beste Kostümdesign erhielt Greta Gerwigs Romanverfilmung «Little Women». In der Sparte Make-up/Frisur wurde das Drama «Bombshell - Das Ende des Schweigens» ausgezeichnet.

In der Kategorie Dokumentation gewann der Film «American Factory». Die Doku erzählt von den Menschen in einer Fabrik im US-Bundesstaat Ohio. Es ist das erste Werk, das von der Produktionsfirma von Barack und Michelle Obama unterstützt wurde. Beide gratulierten den Filmemachern für ihre «bewegende Geschichte» per Twitter. Die einzige deutsche Oscar-Hoffnung - die vom SWR koproduzierte Dokumentation «The Cave» über ein unterirdisches Krankenhaus in Syrien - ging damit leer aus.

Sänger Elton John und sein Liedtexter Bernie Taupin erhielten den Oscar für den besten Filmsong: «(I'm Gonna) Love Me Again» aus dem Biopic «Rocketman». Der von Michelle und Barack Obama unterstützte Film «American Factory» gewann einen Oscar in der Kategorie Dokumentation.

Die Netflix-Produktion von Steven Bognar und Julia Reichert erzählt von den Menschen in einer Fabrik im US-Bundesstaat Ohio. Damit ging die einzige deutsche Hoffnung - die Dokumentation «The Cave» über ein unterirdisches Krankenhaus in Syrien - leer aus.