Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Von Bolsonaro geplantes Militärputsch-Gedenken doch rechtmässig

Brasiliens rechtsnationalistischer Präsident Jair Bolsonaro darf am Sonntag doch die Gedenkfeierlichkeiten zum 55. Jahrestag des Militärputsches abhalten. Ein Berufungsgericht gab am Samstag einem Widerspruch gegen eine Gerichtsentscheidung vom Vortag statt.
Der rechtsnationalistische Präsident Brasiliens Jair Bolsonaro, selbst einst Fallschirmjäger und Hauptmann, darf seiner Liebe zum Militär nun auch gerichtlich autorisiert freien Lauf lassen und den Militärputsch von 1964 feiern. (Bild: KEYSTONE/AP/ERALDO PERES)

Der rechtsnationalistische Präsident Brasiliens Jair Bolsonaro, selbst einst Fallschirmjäger und Hauptmann, darf seiner Liebe zum Militär nun auch gerichtlich autorisiert freien Lauf lassen und den Militärputsch von 1964 feiern. (Bild: KEYSTONE/AP/ERALDO PERES)

(sda/afp/dpa)

In der Entscheidung, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag, folgte Richterin Maria do Carmo Carmoso der Argumentation, dass ein demokratischer Rechtsstaat auf «einem Pluralismus der Vorstellungen» basiere.

Die Berufungsrichterin stellte überdies fest, dass es in der Botschaft des Verteidigungsministers, die an dem Jahrestag in Brasiliens Kasernen verlesen werden soll, «keinerlei Verletzung der Erinnerung und der Wahrheit» gebe «noch einen Affront gegen den demokratischen Staat» oder gegen die Menschenrechte.

Parlament hat Mitspracherecht

Zunächst hatte Richterin Ivani Silva da Luz geurteilt, die Feiern seien nicht mit dem in der Verfassung von 1988 verankerten «Prozess des demokratischen Wiederaufbaus» vereinbar. Zudem müssten Gedenktage vom Parlament abgesegnet werden.

Bolsonaro hatte am Montag die Streitkräfte angewiesen, des Sturzes von Präsident João Goulart durch das Militär im Jahr 1964 zu gedenken. Dafür hatte er viel Kritik geerntet. Der Präsident ist selbst ein ehemaliger Offizier und hat in der Vergangenheit immer wieder seine Sympathie für die Militärdiktatur bekundet, die dem Putsch folgte. Rund die Hälfte seiner Minister sind Militärs.

Menschenrechtsgruppen kritisierten den Wortlaut des Tagesbefehls für Sonntag, der die Verbrechen der Militärdiktatur nicht erwähnt. «Die Streitkräfte beteiligen sich an der Geschichte unseres Volkes, immer im Einklang mit dessen legitimen Wünschen», heisst es in dem Text. «Der 31. März 1964 fand während des Kalten Krieges statt. Die Streitkräfte erhörten den Ruf der grossen Mehrheit des Volkes und nahmen sich der Stabilisierung der Lage an.»

Getötet, verschleppt und gefoltert

Mehrere Einheiten der Streitkräfte hatten in dieser Woche bereits des Jahrestages gedacht. Dagegen gab es zahlreiche Proteste. Für Sonntag waren in mehreren grossen Städten wie Rio de Janeiro und São Paulo Demonstrationen geplant. Unter dem Motto «Nie wieder Diktatur» soll an die Opfer der Militärdiktatur erinnert werden.

Die 21 Jahre dauernde Militärdiktatur war von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen geprägt. Nach Angaben einer Wahrheitskommission wurden in der Zeit rund 440 Menschen aus politischen Gründen getötet, hunderte weitere Regierungsgegner wurden inhaftiert und gefoltert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.