Video

Vorwahlen in den USA - Sanders siegt in New Hampshire: «Dieser Sieg ist der Anfang des Endes für Trump»

Knapper als erwartet hat der linke Senator Bernie Sanders am Dienstag die Vorwahlen in New Hampshire gewonnen. Auf Rang 2 und 3 folgen die Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigieg und Amy Klobuchar, die dem moderaten Lager der Demokraten zugerechnet werden.

Renzo Ruf aus Washington
Hören
Drucken
Teilen

Ein Sieg ist ein Sieg. Bernie Sanders hat am Dienstag den ersten Urnengang im amerikanischen Vorwahl-Zirkus gewonnen und in der Vorwahl (Primary) in New Hampshire am meisten Stimmen erzielt. Im Gegensatz zu 2016, als der Senator aus Vermont seine damalige Konkurrentin Hillary Clinton mit 60 Prozent der Stimmen klar distanzierte, handelte es sich dabei aber nicht um einen triumphalen Erfolg – oder gar eine vorzeitige Krönung. Gemäss vorläufigen Ergebnissen erzielte der 78-jährige Präsidentschaftskandidat gegen 26 Prozent der Stimmen oder nur etwa 2 Prozentpunkte mehr als Pete Buttigieg.

Dem ehemaligen Stadtpräsidenten von South Bend (Indiana) gelang es damit, an seinen Erfolg bei den Wahlversammlungen (Caucuses) in Iowa in der vergangenen Woche anzuknüpfen. Vor seinen Anhängern sagte der 38-jährige Buttigieg, er strebe einen Generationenwechsel in Washington an, weil die Probleme, mit denen sich Amerika konfrontiert sehe, nicht mit alten politischen Vorschlägen gelöst werden könnten. Die eigentliche Überraschung aber folgte auf Rang drei, mit etwas weniger als 20 Prozent der Stimmen: Amy Klobuchar, die 59-jährige Senatorin aus Minnesota, die dank einer starken Darbietung in der letzten TV-Debatte am Freitag und einem dichtgedrängten Wahlkampfprogramm am vergangenen Wochenende unentschlossene Wähler für sich einnahm. Ihren Anhängern sagte sie: «Ich werde für Sie kämpfen!»

Und dennoch freute sich Bernie über seinen «grossen Erfolg» in Manchester (New Hampshire) und schlug für einmal konziliante Töne an. Er kann sich das leisten, sprechen seine derzeit schärfsten Konkurrenten Buttigieg und Klobuchar doch den pragmatischen Flügel der Demokraten an, während sich Sanders' grösste Fans als Aktivisten bezeichnen. Und am linken Parteiflügel ist der Senator zunehmend allein auf weiter Flur. Nach einem enttäuschenden Abschneiden in Iowa gewann Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts am Dienstag nur etwas mehr als 9 Prozent der Stimmen. Zwar sagte Warren (70) in einer Ansprache, sie werde nun in Nevada und South Carolina, den nächsten Vorwahlstaaten, um Stimmen kämpfen. Aber der dynamischen Wahlkämpferin, die über einen gut organisierten Stab verfügt, scheint der Schnauf auszugehen.

Biden stürzt ab

Im moderaten Lager der Demokraten hingegen gibt es keine Anzeichen für eine massive Konsolidierung. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Klobuchar mit Buttigieg nichts anfangen kann und in ihm einen Emporkömmling sieht. Ein taktisches Bündnis zwischen den beiden Politikern, die ein ähnliches Programm vertreten, ist deshalb vorderhand ausgeschlossen. Auch gibt es keine Anzeichen dafür, dass Joe Biden, der ehemalige Vizepräsident, den Bettel hinwerfen wird. Am Dienstagabend sagte der 77-Jährige vor seinen Anhängern: «Es ist noch nicht vorbei», obwohl er mit gegen 9 Prozent der Stimmen erneut unter den Erwartungen geblieben war. Allein: Die Tatsache, dass Biden diese Worte nicht in New Hampshire sprach, sondern in Columbia (South Carolina), an einer «Launch Party» für die Urnenwahl in etwas mehr als zwei Wochen, spricht Bände. Biden weiss: Wenn er in South Carolina nicht gewinnt, dann kann er seinen Traum vom Weissen Haus begraben.

Der linksgerichtete US-Senator Bernie Sanders hat die Vorwahl in New Hampshire für sich entschieden.

Der linksgerichtete US-Senator Bernie Sanders hat die Vorwahl in New Hampshire für sich entschieden.

Bild: Pablo Martinez Monsivais / AP

Noch ein Wort zu den Republikanern, die am Dienstag ebenfalls ihren Präsidentschaftskandidaten kürten. Erwartungsgemäss gewann der Amtsinhaber Donald Trump, mit etwa 86 Prozent der Stimmen. Sein einziger innerparteilicher Konkurrent, der ehemalige Gouverneur Bill Weld aus Massachusetts, erzielte 9 Prozent der Stimmen. Zum Vergleich: Als sich der Demokrat Barack Obama im Jahr 2012 um eine zweite Amtszeit bemühte, gewann er bei der Vorwahl in New Hampshire 81 Prozent der Stimmen.