Weniger Zulauf bei «Gelbwesten»-Protest - Massives Polizeiaufgebot

An den «Gelbwesten»-Protesten in Frankreich haben sich am Samstag landesweit nach offiziellen Angaben 33'500 Menschen beteiligt - deutlich weniger, als vor einer Woche. In Paris nahm die Polizei mindestens 148 Menschen fest.

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Erste Demonstrierende bereits vor Ort: «Gelbwesten» am Arc de Triomphe auf den Champs Elysees in Paris am Samstagmorgen. (Bild: KEYSTONE/EPA/ETIENNE LAURENT)
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«Gelbwesten»-Protest in Paris - als Marianne verkleidet. Die französische Nationalfigur (rechts) trägt die phrygische Mütze aus der Französischen Revolution und tritt mit unbedeckter Brust auf. (Bild: KEYSTONE/EPA/ETIENNE LAURENT)

Erste Demonstrierende bereits vor Ort: «Gelbwesten» am Arc de Triomphe auf den Champs Elysees in Paris am Samstagmorgen. (Bild: KEYSTONE/EPA/ETIENNE LAURENT)

(sda/dpa/afp/reu)

In der Hauptstadt fanden die Kundgebungen an verschiedenen Orten statt. Vor allem auf den Champs-Élysées kam es wieder zu Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, dabei wurde auch Tränengas eingesetzt.

Nach Angaben des Innenministeriums nahmen bis zum Nachmittag in Paris 2200 Menschen an den Protesten teil, bei denen unter anderem der Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron gefordert wurde. Die Demonstrationen wurden von massiven Sicherheitsmassnahmen begleitet. Allein in Paris waren 8000 Polizisten im Einsatz. Landesweit waren 69'000 Sicherheitskräfte im Dienst.

Es ist das fünfte Wochenende in Folge, an dem die «Gelbwesten» protestieren. Nach dem Terroranschlag von Strassburg am Dienstag hatte die französische Regierung an die «Gelbwesten» appelliert, an diesem Wochenende nicht zu demonstrieren.

Am Samstag vor einer Woche hatte die Zahl der Demonstranten in Paris bis zum Nachmittag bei rund 10'000 gelegen, im ganzen Land bei 77'000. Damals waren 598 Personen festgenommen worden, im ganzen Land etwa 2000.

Sit-ins und nackte Frauenbrüste

Vor der Oper Garnier in Paris organisierten «Gelbwesten» ein Sit-in. Dabei knieten sie auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf - eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern vor mehreren Tagen.

Auf den Champs-Élysées demonstrierten mehrere Frauen halb nackt als Marianne verkleidet und standen minutenlang stumm den Sicherheitskräften gegenüber. Marianne ist die Nationalfigur der französischen Republik. Auf Bildern wird sie gewöhnlich mit einer phrygischen Mütze bedeckt und mit nackten Brüsten gezeigt.

Während vor einer Woche Geschäfte und viele Sehenswürdigkeiten und Museen geschlossen wurden, blieben diesmal der Louvre und der Eiffelturm offen. Paris solle nicht den Eindruck einer «toten» Stadt erwecken, erklärte Polizeipräfekt Michel Delpuech.

Schlecht für die Wirtschaft

Nach Einschätzung der französischen Regierung haben die anhaltenden Strassenblockaden und Proteste spürbaren Einfluss auf das Wirtschaftswachstum des Landes. Die französische Nationalbank hat die Wachstumserwartungen für das laufende Quartal von 0,4 auf 0,2 Prozent halbiert.

Seit Beginn ihrer Protestbewegung Mitte November sind mehrere Menschen durch Unfälle an Strassenblockaden der «Gelbwesten» ums Leben gekommen. Am Freitag starb ein Autofahrer, als er mit seinem Auto in der belgischen Region Erquelinnes in einen Lastwagen fuhr, der aufgrund einer Strassensperre auf französischer Seite blockiert wurde.

Einen Tag zuvor war ein 23 Jahre alter «Gelbwesten»-Demonstrant im südfranzösischen Avignon von einem Lastwagen erfasst und getötet worden.

Ursprünglich richtete sich die Wut der «Gelbwesten» gegen geplante Steuererhöhungen auf Benzin und Diesel, hohe Lebenshaltungskosten und die Reformpolitik der Regierung Macrons. Um den Konflikt mit den «Gelbwesten» zu entschärfen, versprach der Präsident zu Wochenbeginn ein Paket mit Sofortmassnahmen im Sozialbereich, darunter eine Erhöhung des Mindestlohnes um monatlich 100 Euro. Die Massnahmen sollen bis zu zehn Milliarden Euro kosten.

Mittlerweile haben sich die Forderungen teilweise geändert. Viele der Demonstranten protestierten in Paris für mehr direkte Demokratie. Forderungen nach Einführung eines Bürgerreferendums wurden laut - und nach dem Rücktritt Macrons.