Die Schweizer Kultur steht vor dem Abgrund: Wo sind die Wutredner?

Der deutsche Jazz-Trompeter Till Brönner macht es vor: In einer flammenden Rede attackiert er Politik und Kulturschaffenden, die viel zu leise sind.

Stefan Künzli
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KUL

Dem deutschen Trompeter Till Brönner ist der Kragen geplatzt. Auf seinem Youtube-Kanal greift er nicht nur die Politik an, die die Kultur im Stich lässt, sondern auch die Künstler und Künstlerinnen, die nicht aufstehen und für ihre Existenz als Künstler kämpfen.

Was für Deutschland gilt, gilt auch für die Schweiz. Doch wo sind die Schweizer Wutredner? Wo sind die Künstler und Künstlerinnen, die für ihre Rechte einstehen und den Politikerinnen und Politikern die Leviten lesen?

Hier die wichtigsten Auszüge aus Till Brönners Rede: «Ich bin ziemlich sauer. Seit Monaten schaue ich mir an, wie die Kultur durch Corona lahmgelegt wird. Aber auch, wie auffällig verhalten und übervorsichtig sich Bühnenkünstler auch nach acht Monaten noch verhalten, obwohl ihre Existenz gerade fundamental auf dem Spiel steht. Ich halte diese Zurückhaltung aus unseren Reihen geradezu für fatal, weil sie ein völlig falsches Bild unserer dramatischen Lage zeichnet, in der sich unser Berufszweig gerade befindet. Hier geht es nicht um Selbstverwirklicher, die in ihrer Eitelkeit verletzt sind. Es geht um uns alle. Und es geht um Geld. Viel Geld».

Wir sind zu leise. Wer ist es, der der Politik im Nacken sitzt? Es geht um Gerechtigkeit und um viele viele Menschen. Wir sind keine Minderheit. Kultur ist kein Luxus, Kultur ist ein Menschenrecht und spült erst noch viel Geld in die Kassen des Staates. Es heisst jetzt aufwachen».