Gitarrengott Peter Green hat seinen Trip beendet

Der britische Gründer von Fleetwood Mac ist nach einem Leben zwischen Genie und Wahnsinn im Alter von 73 Jahren gestorben.

Stefan Künzli
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Gitarrengott Peter Green im Jahr 2001.

Gitarrengott Peter Green im Jahr 2001.

Mark Lennihan / AP

Vor 50 Jahren wurde eines der dunkelsten und traurigsten Kapitel der Rock- und Popgeschichte geschrieben. Nacheinander starben Jimi Hendrix (am 18. September), Janis Joplin (am 4. Oktober) und Jim Morrison (3. Juli 1971) an den Folgen ihres Drogenmissbrauchs. Aber noch andere bedeutende Musiker wurden damals Opfer der Drogen. Syd Barrett von Pink Floyd war der eine, Peter Green von Fleetwood Mac der andere. Beide mussten ihre Bands verlassen und beide führten in der Folge ein Leben zwischen Genie und Wahnsinn. Barrett ist 2006 gestorben, Peter Green jetzt, am 25. Juli im Alter von 73 Jahren.

Der Anti-Held unter den Gitarrenhelden

Peter Green ist am 29. Oktober 1946 als Peter Allen Greenbaum in Grossbritannien geboren. Schon mit 10 begann er Gitarre zu spielen und hatte mit 15 seine ersten Auftritte. Doch zunächst begann der sensible Jüngling eine Lehre als Schlachter. Seine grosse Chance kam, als er, noch keine 20, sein Idol Eric Clapton bei John Mayalls Bluesbreakers ersetzen durfte. Als Clapton die Band Cream gründete, wurde Green festes Mitglied der Bluesbreakers.

Sein Gitarrenspiel erschien zunächst wenig aufregend, weniger spektakulär als jenes von Virtuosen wie Hendrix oder Jeff Beck. Green spielte sogar noch langsamer als Mr. Slowhand Eric Clapton. Einen ersten Eindruck seines einzigartigen Stils lieferte er bei Mayall im Instrumental «Supernatural». Seine Kunst waren die feinsten dynamischen Nuancierungen und dezenten Schattierungen. Sein geschmackvolles Vibrato, das er scheinbar ewig nachklingen konnte und sein Gespür für den richtigen Ton im richtigen Moment. Peter Green war der Anti-Held unter den Gitarrenhelden und das Gegenteil vom selbstverliebten, eitlen Gitarrero.

Dazu kam ein unnachahmlicher, sofort identifizierbarer Ton, der darauf zurückzuführen ist, dass ein Tonabnehmer falsch eingesetzt wurde, was einen damals unbekannten, hohl klingenden Toneffekt erzeugte. «Peter Green ist der Einzige, bei dem ich kalten Schweiss bekomme. Er ist der Beste», sagte kein geringerer als B.B. King über den Gitarristen.

1967 gründete er mit Schlagzeuger Mick Fleetwood «Peter Green’s Fleetwood Mac», erreichte mit seinen Alben die obersten Chartsplätze und präsentierte sich mit Songs wie «Albatross», «Oh Well» und «Black Magic Woman» (dem späteren Welthit von Santana) auch als formidabler Songschreiber. In Grossbritannien wurde er inzwischen auf derselben Höhe wie Clapton und Beck gehandelt, doch verkraftet er den rasanten Aufstieg nicht. Der Medienrummel und die Mechanismen des Showbusiness verunsicherten den introvertierten, scheuen Musiker immer mehr. Sein wachsendes Unbehagen äusserte im Song "Man Of The World" in der Zeile «but I just wish that I’d never been born».

Peter Green mit Mitgliedern von Fleetwood Mac (John McVie; Stevie Nicks; Christine McVie; Mick Fleetwood und Lindsey Buckingham) 1998 bei der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame, in New York.

Peter Green mit Mitgliedern von Fleetwood Mac (John McVie; Stevie Nicks; Christine McVie; Mick Fleetwood und Lindsey Buckingham) 1998 bei der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame, in New York.

Adam Nadel / AP

Mit der zunehmenden Abkapselung ging ein wachsender Drogenkonsum einher. Vor allem LSD hatte es Green angetan. Als er alle Bandeinnahmen wohltätigen Organisationen spenden wollte, kam es zum Zerwürfnis in der Band. Green steigerte sich in einen religiösen Wahn. Im März 1970 wurde er von den berühmten Kommunarden Uschi Obermaier und Rainer Langhans in deren Landkommune bei Landshut eingeladen, wo er viel zu viel LSD geschluckt haben soll. Die Bandkollegen beteuerten, dass Green dort «ein anderer Mensch» geworden sei. Selbst Green erklärte später: "Ich machte einen Trip und kam nie mehr zurück".

Der Wahn hatte das Genie besiegt

Peter Green verliess die Band, schenkte seine Gitarre einem jungen, aufstrebenden Gitarristen namens Gary Moore, wurde Friedhofsgärtner und schloss sich einer Sekte an. Nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt kehrte er zwar zwischenzeitlich wieder auf die Bühne zurück, doch Green war nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Wahn hatte das Genie besiegt. Die Nebenwirkungen der Psychopharmaka machten ihm zu schaffen. Er hat Mühe, sich zu konzentrieren. «Das Schlimmste, was mir im Leben passiert ist, sind die Drogen», sagte Green einmal in einem Interview. Jetzt ist er gemäss seinen Familienangehörigen «friedlich eingeschlafen». Er hat seinen Trip endlich beendet.