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Schweizer Autorinnen am Klagenfurter Wettlesen nicht überragend

Am ersten Lesetag um den Bachmannpreis haben die Schweizerinnen Martina Clavadetscher und Anna Stern gemischte Kritiken für ihre Texte erhalten. Während Clavadetscher zumindest ein Kompliment für den «besten ersten Satz» erhielt, hinterliess Stern die Jury ratlos.
Die Schweizer Autorin Martina Clavadetscher hatte am Donnerstag in Klagenfurt gut lachen: Ihr Beitrag zum Wettlesen um den Bachmannpreis erhielt zwar keine überragenden, aber immerhin wohlwollende Kritiken. (Bild: Keystone/APA/APA/GERT EGGENBERGER)

Die Schweizer Autorin Martina Clavadetscher hatte am Donnerstag in Klagenfurt gut lachen: Ihr Beitrag zum Wettlesen um den Bachmannpreis erhielt zwar keine überragenden, aber immerhin wohlwollende Kritiken. (Bild: Keystone/APA/APA/GERT EGGENBERGER)

(sda)

Die Rorschacherin Anna Stern - bürgerlich Bischofberger - las einen Auszug aus ihrem demnächst erscheinenden Roman «Denn du bist wild wie die Wellen des Meeres». Darin liegt eine schwangere Frau nach einem Bergunfall in Schottland im Koma und verschiedene Besucher reden mal mehr, mal minder nebulös auf sie ein.

Es sei eine Rätselaufgabe, der er sich ungern stelle, urteilte Jurypräsident Hubert Winkels. Juror Klaus Kastberger zeigte sich sogar genervt, weil der Text mit Gewalt versuche, sein Mitgefühl zu erregen. Der Autorin wurde ein Phänomen zum Verhängnis, das man in Klagenfurt öfter beobachtet: Bei in sich nicht geschlossenen Romanauszügen fühlen sich die Juroren oft hängengelassen und reagieren negativ.

Auf etwas mehr Wohlwollen stiess Martina Clavadetschers «Schnittmuster». Kastberger verlieh dem Prosastück sogar seinen «Privatpreis für den besten ersten Satz»: «Das letzte Schnappen macht den Unterschied», lautet dieser. Die Geschichte beginnt mit dem Tod der 92-jährigen Luisa und endet mit ihrer Metamorphose zu einem Nachtfalter.

Thema ist die letzte Chance einer Frau, nach Jahrzehnten der schweigend ertragenen Demütigungen und Übergriffen, «endlich zum Schädling zu werden, der ich immer sein wollte». Der emanzipatorische Ansatz gefiel der Jury ausnehmend gut. Nur die reichhaltige Metaphorik rund um Spinnen, Schneiden und Entpuppen fand ein Juror etwas überfrachtet.

Der heitere Jugend-Sound gefiel besser

Für einen Preis empfohlen haben sich am Donnerstag eher leichte, luftige Texte: Vor allem «Flexen in Miami» des 29-jährigen Deutschen Joshua Gross stiess auf Begeisterung. Die Geschichte um eine Liebesbeziehung, die sich im Anschluss an ein Basketballspiel entwickelt, sei ein Text mit Groove und Flow, wurde gelobt. Die neue Jurorin Insa Wilke verlieh dem Autor sogar den Ritterschlag: «Wir haben es hier mit einem Text zu tun, den wir 2099 in den Schulbüchern lesen werden. Er erzählt von einer Zeit des Umbruches».

Annähernd ähnlich begeistert war die Jury am ersten Lesetag nur von «Lumumbaland» des deutschen Schauspielers, Regisseurs und Autors Stephan Lohse. Erzählt wird von einem weissen Schüler, der schwarz sein möchte und sich mit einem 1961 hingerichteten kongolesischen Revolutionär identifiziert. Der Text verbinde für die Länge eines Joints eine Coming-of-Age-Geschichte mit Kolonialgeschichte und emanzipatorischem Impetus, hiess es.

Die Lesungen um den Bachmannpreis gehen am Freitag weiter. Als erste wird dann die in Deutschland geborene Wahlschweizerin Corinna T. Sievers lesen. Bis am Samstagmittag werden insgesamt 14 Schreibende gelesen haben, acht aus Deutschland, drei aus der Schweiz, eine aus Österreich und je eine aus der Türkei und der Ukraine. Am Sonntagmittag werden der mit 25'000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis und fünf weitere Auszeichnungen vergeben.

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