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1000 Stunden mehr Unterricht

Je nach Kanton verbringen Primarschüler mehr oder weniger Zeit im Klassenzimmer. Das beeinflusst ihre Leistung. Wie bei den Gymnasien befindet sich St.Gallen in der Spitzengruppe, Luzern ist Schlusslicht.
Yannick Nock
Ostschweizer Primarschüler erhalten mehr Unterricht. (Bild: Andrea Stalder)

Ostschweizer Primarschüler erhalten mehr Unterricht. (Bild: Andrea Stalder)

Sind Genfer Kinder intelligenter als Luzerner? Geht es nur nach der Unterrichtszeit, ist die Antwort «Ja». Der kürzlich veröffentlichte Bildungsbericht 2018 offenbart bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Kantonen. So sitzen Genfer Kinder bis zum Ende der Primarschulzeit über 1000 Stunden länger im Schulzimmer als Luzerner. Pro Jahr erhalten Genfer 928 Stunden Unterricht, es folgen die Tessiner mit 878 und die St. Galler mit 877,5 Stunden. Luzern ist mit 741 Stunden Schlusslicht.

Der Wohnort also bestimmt, wie viel Stoff sechs- bis elfjährige Kinder bekommen – und damit auch, wie gut ihre Ausbildung ist. «Natürlich beeinflusst die Unterrichtszeit die Leistung der Schüler», sagt Urs Moser, Bildungsforscher an der Universität Zürich. Das gelte zwar nicht für alle Fächer gleichermassen, doch gerade in Kerngebieten wie Mathematik seien mehr Lektionen nützlich. Die Kinder könnten – anders als beispielsweise beim Lesen – ihre Defizite nur selten ausserhalb der Schule nachholen.

Zwei Faktoren machen Unterschied aus

Eltern seien sich der kantonalen Differenzen oft nicht bewusst, sagt Moser. Sonst würden sie bei der Wahl des Wohnorts stärker darauf achten. Zwar gibt es Proteste wegen zu wenig Unterricht, allerdings erst, wenn an der bestehenden Lektionenzahl geschraubt wird. So wie zuletzt in Schaffhausen. Nachdem die Regierung 2016 angekündigt hatte, eineinhalb Stunden pro Woche zu kürzen, wehrten sich Eltern. Mit Erfolg. Kantone werden Sparmassnahmen künftig eher über grössere Klassen regeln als über weniger Unterricht, so Moser.

Der Schweizer Durchschnitt liegt in der Primarstufe bei 816 Stunden im Jahr. Die kantonalen Differenzen haben vor allem zwei Ursachen: Erstens dauert eine Schullektion nicht überall 45 Minuten, sondern in manchen Kantonen 50. Zweitens ist das Schuljahr nicht überall gleich lang. Die meisten Kinder gehen im Jahr 38 Wochen zur Schule. In St. Gallen, und Thurgau sind es 39, in Appenzell Ausserrhoden 40 Wochen. Verzweifeln sollten Eltern in Luzern, Bern oder im Aargau trotzdem nicht.

Die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung hat in einer Studie nachgewiesen, was zusätzlicher Unterricht nützt. Zwar steigert sich die Leistung der Kinder, jedoch nicht proportional. Das gilt selbst für Mathematik. Die Studienverfasser sehen den Grund in den gesteckten Erwartungen. Nur wenn die Lernziele nach oben korrigiert werden, würde zusätzlicher Unterricht eine deutlich bessere Leistung hervorbringen.

Schweiz nur im Mittelfeld

Die zweite Erkenntnis der Studie betrifft das Niveau innerhalb der Klasse: Das Leistungsgefälle wird durch zusätzlichen Unterricht grösser. Schwache Schüler holen ihr Defizit nicht auf, sondern verlieren weiter an Boden. Dabei heisst es meistens, zusätzlicher Unterricht komme besonders den schwächeren Schülern zugute.

Der Erfinder der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, weiss, welche Länder ihre Kinder besonders gut fördern. Auch er sagt, die Zahl der Stunden würde nur wenig aussagen. «In den Vereinigten Arabischen Emiraten sitzen die Kinder mehr als 60 Stunden pro Woche im Unterricht, und das Ergebnis ist miserabel.» Finnland würde hingegen mit der Hälfte der Lektionen viel bessere Resultate erzielen. «Es geht neben der Quantität auch um die Qualität.» Der Unterricht in der Schweiz sei gut, sagt der Deutsche. Was die Anzahl Stunden betrifft, liegt das Land allerdings im Durchschnitt.

Für Schleicher ein Fehler: «Die Schweiz sollte sich in allen Belangen an der internationalen Spitze orientieren, nicht am Mittelwert.»

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