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20 Tage Urlaub für frischgebackene Väter in St. Gallen

Wer bei der Stadt St. Gallen arbeitet und Vater wird, bekommt in Zukunft 20 Tage Urlaub. So grosszügig sind in der Schweiz nur einzelne Unternehmen und Städte. Auf Bundesebene ist eine Initiative hängig.
Die erste Zeit mit dem Neugeborenen ist laut den Initianten ein entscheidender Moment für einen Beziehungsaufbau zwischen Vater und Kind. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Die erste Zeit mit dem Neugeborenen ist laut den Initianten ein entscheidender Moment für einen Beziehungsaufbau zwischen Vater und Kind. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

(sda)

Das St. Galler Stadtparlament hat am Dienstagabend eine überparteiliche Motion mit dem Titel "20 Tage bezahlter Vaterschaftsurlaub" mit 39 gegen 20 Stimmen überwiesen. Damit nimmt St. Gallen eine Vorreiterrolle in der Ostschweiz ein. Bisher kennen nur Genf, Neuenburg, Lausanne und Biel einen Vaterschaftsurlaub von 20 bis 21 Tagen.

Der Stadtrat befürwortete die Motion und damit eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs. St. Gallen sehe sich als kinderfreundliche Stadt, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern wolle, schrieb der Stadtrat in der Antwort auf die Motion.

Heute haben Männer, die weniger als drei Jahre bei der Stadt arbeiten, fünf und alle andern zehn Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub. Gemäss einer Statistik von Travail.Suisse aus dem Jahr 2017 liegt die Stadt St.Gallen im Vergleich zu den analysierten grösseren Unternehmen und zur öffentlichen Hand mit der bestehenden Lösung im Mittelfeld. Bei den grossen Unternehmen gebe es zahlreiche Beispiele mit zehn, zum Teil auch mit bis zu 20 Tagen Vaterschaftsurlaub, schrieb der Stadtrat.

Gegen die Motion stimmten im St. Galler Stadtparlament vor allem Mitglieder von SVP und FDP. Eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs nur für städtische Angestellte sei ungerecht. Es brauche eine gesamtschweizerische Lösung.

Familiengründung als Risiko

Die SP Frauen der Stadt St. Gallen zeigten sich erfreut über den Entscheid, wie sie am Mittwoch mitteilten. Die Annahme der Motion sei ein weiterer wichtiger Schritt in eine moderne und offene Gesellschaft. Ein Vaterschaftsurlaub fördere eine faire Verteilung des Erwerbs- und Karriererisikos "Familiengründung" und stärke die beruflichen Perspektiven der Frauen.

Gemäss mehreren soziologischen Studien bedeutet die Ankunft des ersten Kindes für die meisten Paare in der Schweiz, dass die Frau zugleich Familien- und Erwerbsarbeit leistet. Die meisten Mütter reduzieren nach der Geburt das Arbeitspensum. Die grosse Mehrheit der Männer hingegen bleibt vollzeit-erwerbstätig - unabhängig von ihrer familiären Situation.

Volksinitiative hängig

Die eidgenössische Initiative "für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub - zum Nutzen der ganzen Familie" verlangt einen 20-tägigen Vaterschaftsurlaub. Dieser soll wie der 14-wöchige Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert werden. Die Initiative wurde im Juli 2017 eingereicht, der Bundesrat lehnt sie ab.

Heute habe ein frischgebackener Vater in der Schweiz nur gerade Anrecht auf einen bezahlten freien Tag. Das sei gleichviel wie bei einem Wohnungswechsel, schreibt die Vereinigung "Vaterschaftsurlaub jetzt!", zu der unter anderen Travail.Suisse, die Dachverbände männer.ch und Alliance F sowie Pro Familia gehören.

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