Andermatt-Investor Sawiris ist jetzt Urner Ehrenbürger – die Wahl erfolgte mit Nebengeräuschen

Nicht alle Landräte stehen hinter dem Ehrenbürgerrecht – auch wenn unbestritten ist, dass Sawiris grosse Leistungen erbracht hat.

Florian Arnold
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Samih Sawiris ist Ehrenbürger von Uri.

Samih Sawiris ist Ehrenbürger von Uri.

Christian Beutler / Keystone

Nun ist es gewiss: Der ägyptische Investor wird Ehrenbürger von Uri – und dies als erster Nicht-Schweizer. Damit verbunden ist aber keine Schweizer Staatsbürgerschaft für ihn. «Samih Sawiris hat mit seinen Investitionen Ausserordentliches geleistet», sagte Andreas Bilger, Präsident der Justizkommission. Der Investor habe sich auch für kulturelle und sportliche Anlässe engagiert, und seine Verbundenheit zu Uri bewiesen. «Sein Handeln erfolgt nicht nur aus wirtschaftlichen Interessen.»

Allerdings war der Rückhalt für die Erteilung des Ehrenbürgerrechts nicht überragend. Zum Schluss sprachen sich 30 Landräte dafür aus, 14 stimmten dagegen, 6 enthielten sich. Nicht zuletzt dazu beigetragen hatte wohl Sawiris Aussage kürzlich in einem Interview zu den Bundesmassnahmen: «Es gehen Milliarden von Franken verloren für ein paar hundert weniger Tote.»

«Weder pendent doch dringlich»

Zu Beginn der Session hatte Adriano Prandi (SP, Altdorf) verlangt, das Traktandum erst gar nicht zu behandeln. «Das ist definitiv nicht der richtige Zeitpunkt für ein solches Geschäft», sagte er und argumentierte, der Bund habe verlangt, dass man sich in der aktuellen Lage auf das Wesentliche konzentrieren soll. Und die spezielle Session sei vor allem zum Abbau von Pendenzen einberufen worden. «Dieses Geschäft ist weder pendent noch dringend.»

Für einmal hielt es die SVP- mit der SP/Grüne-Fraktion. «Es ist störend, wie das ablief: Im letzten Moment wurde das Geschäft auf die Liste gesetzt», sagte Christian Schuler (SVP, Erstfeld). Und Hansueli Gisler (SVP, Bürglen) doppelte nach: «Als ich das erste Mal von diesem Vorhaben gehört habe, fehlten mir die Worte.» Und damit stehe er in der Bevölkerung nicht alleine da, wie er in den vergangenen Wochen bemerkt habe. Sawiris habe wohl viel geleistet. «Aber er hat auch vieles an Gegenleistung erhalten.» Er unterstrich dies mit Beispielen wie besonderen Verfahrens- und Bewilligungsgeschwindigkeiten, von denen andere Bürger nur träumen könnten. Der Investor habe billiges Bauland erhalten und müsse keine Grundstückgewinnsteuer verrichten. Es seien zudem NRP- und Kantonsgelder geflossen. Gisler hätte eine andere Form der Würdigung bevorzugt.

Céline Huber (CVP, Altdorf) betonte, Sawiris habe Uri einen immensen Aufbruch gebracht. Das Projekt habe gar eine internationale Ausstrahlung. «Sein Werk hat viele Unternehmer beflügelt und in ihnen Innovationsgeist geweckt.»

«Er sieht Lösungen, wo wir keine mehr sehen»

So sah dies auch die FDP-Fraktion. Franz-Xaver Simmen (FDP, Altdorf), der als ehemaliger CEO von Andermatt Swiss Alps hautnah mit dem Investor zusammengearbeitet hatte, schwärmte: «Sawiris sieht Lösungen, wo wir keine mehr sehen.» Das habe man etwa bei den Skigebietsverbindungen oder der Konzerthalle im Hotel Radisson Blu gesehen. «Er wird weitere tolle Ideen haben, wie Uri weiter gebracht werden kann.» Simmen hofft gar, dass sich Sawiris aufgrund des Ehrenbürgerrechts einst in Uri niederlassen wird.

Wie wichtig das Geschäft der Regierung war, zeigte auch, dass sich vier Mitglieder zu Wort meldeten. Allen voran Justizdirektorin Heidi Z’graggen, die Bernhard Russi zitierte: Sawiris habe zwar ein grosses Portemonnaie, sein Herz sei aber grösser. Sie erklärte zudem, der Regierungsrat habe das Ehrenbürgerrecht für Sawiris schon im Herbst beraten. Nach den Lockerungen sei es legitim, dieses Geschäft zu behandeln. In Zeiten der Krise brauche es auch Zeichen der Zuversicht und des Aufbruchs, und dafür stehe Sawiris. Urban Camenzind erinnerte an 700 geschaffene Arbeitsplätze, 1,1 Milliarden Investitionssumme und 4 Millionen an Steuergeld, die nun pro Jahr fliessen würden. «Die Zukunftsperspektiven sind wesentlich schöner als noch vor 10 Jahren», so Camenzind. Bildungsdirektor Beat Jörg unterstrich Sawiris’ Engagement für Kultur und Sport. Und für Roger Nager gebührt Sawiris der Dank des Kantons Uri für das neu gewonnene Selbstvertrauen.