Ankeraktionär schützt Zuger Logistiker Ceva vor Übernahme

Die Logistikbranche ist im Umbruch und der Konsolidierungsdruck nimmt zu. In diesem rauen Umfeld erhöhte die französische Reederei CMA CGM ihren Anteil an Ceva mit Sitz in Baar auf gut 33 Prozent und muss nun den Ceva-Aktionären ein Pflichtangebot vorlegen.

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Der Schweizer Frachtkonzern Ceva soll ein eigenständiges Unternehmen bleiben. Schutz vor einer Übernahme bietet der französische Reeder und Hauptaktionär CMA CGM, der ein Pflichtangebot unterbreitet. (Bild: KEYSTONE/EPA/JEROME FAVRE)

Der Schweizer Frachtkonzern Ceva soll ein eigenständiges Unternehmen bleiben. Schutz vor einer Übernahme bietet der französische Reeder und Hauptaktionär CMA CGM, der ein Pflichtangebot unterbreitet. (Bild: KEYSTONE/EPA/JEROME FAVRE)

(sda/awp)

Die Franzosen haben ihren Einfluss erhöht und unterbreiteten den Ceva-Aktionären am Montag ein Pflichtangebot. Das Unternehmen soll aber nicht komplett übernommen werden, sondern eine eigenständige Firma bleiben.

Ceva ist am Logistikmarkt als mittelgrosser Player ein attraktives Übernahmeziel. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte der dänische DSV-Konzern mit einer an die Aktionäre gerichteten Kaufofferte versucht, sich Ceva unter den Nagel zu reissen. Die Dänen wären bereit gewesen, 27,75 Franken je Ceva-Aktie zu bezahlen.

Doch die Offerte stiess auf wenig Gegenliebe. Ceva sah sich mit diesem Angebot klar unterbewertet und sicherte sich die Rückendeckung seines Ankeraktionärs. Die beiden Firmen gingen daraufhin eine vertiefte Partnerschaft ein.

«Wäre der DSV-Konzern mit seinem Angebot zum Zug gekommen, hätte er Ceva integriert, die Firma wäre verschwunden», sagte Ceva-Verwaltungsratspräsident Rolf Watter am Montag im Interview mit AWP. Inzwischen ist das Interesse der Dänen auf den Konkurrenten Panalpina umgeschwenkt, für den sie Mitte Januar ebenfalls ein Kaufangebot vorgelegt haben.

Pflichtangebot für Ceva-Aktionäre

Die französische Reederei erhöhte derweil ihren Anteil an Ceva auf gut 33 Prozent und muss nun den Ceva-Aktionären ein Pflichtangebot vorlegen. Denn laut Schweizerischem Aktienrecht muss bei der Übernahme von mehr als einem Drittel der Stimmen einer kotierten Gesellschaft allen Aktionären ein öffentliches Kaufangebot unterbreitet werden.

Wie bereits bekannt war und am heutigen Montag im Angebotsprospekt bekräftigt wurde, bieten die Franzosen 30 Franken pro Ceva-Aktie. Auf diesem Niveau bewegte sich der Ceva-Kurs an der Börse seit Wochen und am Berichtstag rückt die Aktie bis am Mittag rückt um 0,5 Prozent auf exakt 30 Franken vor. Damit ist der Frachtkonzern mit 1,66 Milliarden Schweizer Franken bewertet.

Schutz vor Übernahme

Der französische Reeder möchte Ceva aber gar nicht komplett übernehmen. Vielmehr geht es der Führung von CMA CGM darum, dass Ceva nicht erneut Ziel eines unfreundlichen Übernahmeversuchs wird. Ceva soll an der Schweizer Börse kotiert bleiben, was die Firma im Angebotsprospekt nochmals bekräftigte.

Folgerichtig empfiehlt der Verwaltungsrat von Ceva seinen Aktionären die Ablehnung des Angebots. Schliesslich sei auch diese Offerte unterbewertet, heisst es. Eine umfassende Überprüfung und die mit externen Beratern für den Zeitraum bis 2023 erarbeiteten Geschäftspläne ergäben im Mittel eine Bewertung von 40 Franken pro Ceva-Aktie.

Wer seine Ceva-Papiere dennoch CMA CGM andienen will, kann dies vom 12. Februar bis zum 12. März 2019 tun. Rolf Watter geht davon aus, dass davon einige Aktionäre Gebrauch machen werden. «Letztlich erwarten wir, dass der Anteil von CMA CGM aufgrund des Pflichtangebots auf etwa 50 bis 60 Prozent steigen wird.» Es handle sich um eine «faire Ausstiegsmöglichkeit» für die Aktionäre.

Baarer Ceva lehnt Kaufangebot ab

Der Verwaltungsrat von Ceva Logistics sagt Nein zu einem Übernahme-Angebot. Wer dieses unterbreitet hat, ist nicht bekannt.
Maurizio Minetti