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«Born to be wild» mit 30 km/h: Tourismus setzt auf Töffli-Touren

Nostalgie für die einen, Kult für die anderen: Töffli fahren ist wieder in. In der Ostschweiz macht sich die Tourismus-Branche den Trend zunutze und bietet neuerdings Gruppenfahrten mit den Zweitaktern an.
Besonders beliebt bei Töffli-Fans: Touren in ländlichen Gegenden. (Bild: ARCHIV KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Besonders beliebt bei Töffli-Fans: Touren in ländlichen Gegenden. (Bild: ARCHIV KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

(sda)

Hödi, Pfupf, Schnäpper, Hobel, Töffli, Mofa oder Moped: Egal, wie man diesen kultigen Zweirad-Motorfahrzeuge nennt, sie sind derzeit wieder schwer im Kommen. Und zwar nicht nur bei den Teenagern, sondern auch bei den Erwachsenen.

Ab diesem Sommer tuckern Gruppen mit Zweitaktern durch das Appenzellerland. «Bubieinfache Handhabung, viel Spass und ein Gefühl von grenzenloser Freiheit garantiert», verspricht der Anbieter, der die Touren in Kooperation mit Appenzellerland Tourismus AR lancierte.

Erinnerungen an die Jugend wecken

Mitte Juni fand die erste Töffli-Tour statt. Mit dabei war auch der Appenzeller Musiker Daniel Ziegler. «Leider kann er nicht bei allen Touren mit dabei sein», sagt Urs Berger, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus, auf Anfrage von Keystone-SDA. Ziegler sei nämlich ein begeisterter Töfflibueb. 2012 knatterte er zusammen mit dem Kabarettisten Simon Enzler für die SRF-Serie «Töfflibuebe» ins Tessin.

Die Touren werden für Gruppen von zwei bis 20 Personen angeboten und sollen bei den Erwachsenen Erinnerungen an die Jugend wecken. Berger ist sich bewusst, dass die Mofas als «Dreckschleudern» gelten. «Leider sind die Elektro Töffli noch nicht ausgereift», sagt er. Zur Kompensation des Co2-Ausstosses leistet der Veranstalter aber bei der gemeinnützigen Stiftung Myclimate einen Betrag zu einem klimafreundlichen Umgang.

Bislang wurden zwei bis drei Töffli-Touren durchs Appenzellerland gebucht. «Wir haben die Touren aber auch noch nicht gross beworben», sagt der Geschäftsführer. Biber backen und der Besuch beim Weissküfer sind bis jetzt die Topseller bei Gruppenanlässen.

Mit dem Töffli durchs Tal

Knapp eine Stunde von Zürich entfernt soll es bald eine weitere Töffli-Tour geben. Die Sportbahnen Atzmännig, bekannt für ihre Rodelbahn und den Seilpark, planen eine «Talhüpfete» mit dem Mofa durchs Goldingertal.

Mit dem Angebot können Gruppen mit dem Töffli die Gegend erkunden, unterwegs selber Fische fangen und zubereiten, eine Käserei besichtigen und zum Schluss in der Lodge oder einem der Holziglus im Atzmännig übernachten.

Landauf und landab werden Töffli-Touren angeboten, auch massgeschneidert: Etwa mit einem Schnäpper beladen mit Zelt, Schlafsack und einigen Konservendosen über den Gotthardpass in den Süden zu fahren. «Born to be wild mit 30 km/h», schreibt der Anbieter.

Polterausflug mit dem Schnäpper

Im Toggenburg hat das Revival der Töffli-Buebe und -Maitli schon vor Jahren Einzug gehalten: Vergangenen Samstag startete die 7. Auflage der 2Takt-Challenge in Ebnat-Kappel. Die Töffli-Rundfahrt lockte 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Die meisten kamen mit ihrem eigenen Schnäpper, sagt Willy Wermelinger, der Töffli vermietet und Touren anbietet.

Frauen und Männer hielten sich bei den Töffli-Touren etwa die Waage. Besonders beliebt seien Polterausflüge, Geburtstage oder Vereinsanlässe, die durch ländliche Gegenden führen.

Vorkenntnisse brauche es fast keine, sagt Wermelinger. Rund 80 Prozent der über 50-Jährigen hätten früher selber einmal ein Töffli gehabt. Auch seien die Zweitakter einfach zu Handhaben, das fanden auch die fünf Schwestern, die ihre Mofas bei der Zuger Firma gemietet haben. Alle fünf sind älter als 70.

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