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Das Photoforum Pasquart zeigt Fotografie als Chemie und Geometrie

Das Photoforum Pasquart kombiniert fotografische Landschaften des Swiss Design Award Gewinners Lukas Hoffmann mit der fotochemischen Kunst von Matheline Marmy. Zu sehen ist die Doppelausstellung in Biel ab dem 7. Juli.
Der in Berlin lebende Fotograf Lukas Hoffmann zeigt in seinen Bildern die Schönheit und gleichzeitige Trostlosigkeit von Landschaft. (Bild: Pasquart/Lukas Hoffmann)

Der in Berlin lebende Fotograf Lukas Hoffmann zeigt in seinen Bildern die Schönheit und gleichzeitige Trostlosigkeit von Landschaft. (Bild: Pasquart/Lukas Hoffmann)

(sda)

Bröckelnder Putz, eine monumental zerfallende Mauer, Mörtelflecken, die wirken wie weisse Kontinente in einem Meer aus Schwarz: Mit diesem aus sechs Einzelbildern bestehenden Grossaufnahme einer Hauswand aus der Bronx hat Lukas Hoffmann vor wenigen Wochen den Swiss Design Award Fotografie gewonnen.

Die Jury lobte die «grosse formale, ästhetische und technische Präzision» von Hoffmanns Bildern, die das Publikum mit der Schön- und zugleich der Trostlosigkeit von Landschaft konfrontieren würden. Eine prägnante, fast physisch wirkende Arbeit, die in Biel einen ganzen Raum füllt und das Schaffen des in Zug aufgewachsenen und in Berlin lebenden Fotografen gut zusammenfasst.

Die Welt in Klammern

Hoffmann sucht nach den geometrischen Mustern in der Welt. Er geht von Vertikalen aus: Schatten, Gebäudekanten, Bäume, Mauerrisse. Dem klassischen Gliederungselement der Landschaft, dem Horizont, weicht er aus. Hoffmanns Bilder zeigen Flächen und sind selber welche. In Schwarzweiss leben sie von harten Kontrasten, die das Mittagslicht liefert. In Farbe nähern sie sich der abstrakten Malerei.

Was die Fotografien zeigen, ist zweitrangig, Hoffmann will Bild, nicht Motiv. Er arbeitet mit einer alten, grossformatigen Fachkamera und verbringt viel Zeit im Feld, so viel, dass er bisweilen gefragt wird, ob überhaupt erlaubt sei, was er da tue. Juristisch unbegründet und doch zu Recht: Hoffmann nimmt der Welt tatsächlich etwas: das Lokale. Vor Hoffmanns Linse wird ein Ort zur Form. Wo er liegt oder was sich dort befindet, ist nicht von Belang. Folgerichtig setzt ihn Hoffmann zwar in den Titel seiner Bilder, aber nur in Klammern: Die eingeklammerte, die gerahmte Welt, genau das ist Landschaft.

Wo Hoffmann seinen Blick auf die fast unbebaute Natur lenkt, lösen sich seine Bilder nicht in Flächen, sondern in Details auf. Das grossformatige Negativ lässt hier eine Präzision zu, die jedes Blatt eines Busches, jeden Stein im aufgerissenen Waldboden, jedes Unkraut an einer Böschung zeigt. Selbst fast ohne Korn, machen diese Fotos deutlich, wie körnig die Welt ist. Hier scheint sie wie das Gegenteil von Landschaft, die alles in ein ästhetisches Ganzes zusammenfasst. Hier ist sie partikular, atomar.

Die Ausstellung in Biel kombiniert Hoffmanns Arbeiten mit jenen von Matheline Marmy. Die Arbeiten der jungen Genferin sind in Rotterdam entstanden, wo die ausgebildete Fotografin gegenwärtig studiert. In Genf betreut Marmy auch das fortlaufende Plakatkunst-Projekt «Exhibitions on Paper».

Kontrolle durch Kontrollverlust

Danaé Panchaud, die Direktorin des Photoforums erkennt in den Werken Hoffmanns und Marmys Ähnlichkeiten, wo auf den ersten Blick fast nur Gegensätzliches zu sehen ist. Doch beide vereint ein cartesianisches Fieber. Hoffmanns handwerklicher Perfektionismus trifft auf den Versuch Marmys, die «Kontrolle über ihre Werke zu verlieren», wie sie selber sagt. Das tut sie jedoch nur, um sie umso totaler zu behalten.

In der Serie «Longue Durée» zum Beispiel, überlässt Marmy Cyanobakterien das Kommando. Wie eine fotografische Emulsion lassen sie auf dem Papier Muster und Formen zu Tage treten, die Marmy nicht einmal fixiert, so dass sich das Bild mit jedem neuen Lichteinfall verändert. Auch mit Metallen arbeitet Marmy, Kupfer zum Beispiel, das sie gezielt oxydieren oder, eingefasst in erhitztes Plastik, durch Säuren verätzen lässt.

Marmys Methode geht von den chemischen Prozessen im Fotolabor aus, die sie auf andere Materialien anwendet, als wolle sie die Fotografie ins Skulpturale erweitern. Ihr Labor ist keine Dunkelkammer. Sie kümmert sich nicht zuerst um die Geometrie des Ästhetischen, wie Hoffmann, sondern um ihre materielle Grundlagen. So wie Hoffmann zeigt, wie die Welt zum Bild, zeigt Marmy, wie das Bild zu Welt wird.

Verfasser: Martin Bieri, ch-intercultur

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