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Frau aus dem Mittelalter nutzte Ultramarin für wertvolle Schriften

Die sterblichen Überreste einer Frau aus dem Mittelalter weisen Spuren von Ultramarin auf, einem äusserst wertvollen Farbpigment. Die Studie mit Schweizer Beteiligung könnte helfen, die damalige Rolle von Frauen in der Buchproduktion zu beleuchten.
Der Zahnstein einer Frau aus dem Mittelalter verrät, dass sie mit dem wertvollen Farbpigment Ultramarin gearbeitet hat. (Bild: Christina Warinner)

Der Zahnstein einer Frau aus dem Mittelalter verrät, dass sie mit dem wertvollen Farbpigment Ultramarin gearbeitet hat. (Bild: Christina Warinner)

(sda)

Es war im Mittelalter so wertvoll wie Gold: Ultramarin erlaubte leuchtend blaue Farbgebungen in den kostbarsten Manuskripten. Nun hat ein internationales Forschungsteam um Christina Warinner, die unter anderem an der Universität Zürich forscht, das Pigment im Zahnstein einer Frau aus dem Mittelalter nachgewiesen. Damit liefert sie den ersten direkten Beweis, dass Frauen damals mit dem wertvollen Pigment arbeiteten.

Hergestellt wurde der Farbstoff mit einem aufwendigen Verfahren aus Lasuritkristallen, einem Bestandteil von Lapislazuli. Nur Schreibern und Illustratoren von herausragendem Können wurde das Pigment anvertraut, schreiben die Forschenden im Fachblatt «Science Advances».

Blaue Partikel im Zahnstein

Im Jahr 2014 entdeckten Forschende blaue Partikel im Zahnstein einer Frau aus dem Mittelalter, vermutlich eine Ordensfrau, deren sterbliche Überreste neben dem Kloster Dalheim bei Lichtenau (Deutschland) beerdigt waren und auf einen Zeitraum von 997 bis 1162 n. Chr. datiert werden konnten.

Das Team um Warinner nutzte Ultraschall in extrem reinem Wasser, um die Partikel aus dem Zahnstein zu lösen. Die Verteilung der Partikel liess darauf schliessen, dass sie nicht nur während eines einzigen Ereignisses in den Zahnbelag gelangten, sondern über einen längeren Zeitraum. Genauere Analysen der blauen Teilchen ergaben, dass es sich um Lapislazuli-Pigment handelte.

Bei der Frau könnte es sich somit um eine Schreiberin oder Illustratorin gehandelt haben, oder um eine Gehilfin, welche die Materialien vorbereitete. Dann aber sehr wahrscheinlich für eine andere Ordensfrau. Andere Gründe für die Einschlüsse im Zahnstein, wie, dass die Frau Lapislazuli aus medizinischen Gründen einnahm, liessen sich zwar nicht ganz ausschliessen, seien aber sehr unwahrscheinlich, schreiben die Wissenschaftler.

Wer waren die Buchproduzentinnen?

Mit ihrer Studie zeigen Warinner und ihre Kollegen auch beispielhaft, dass sich Analysen von Partikeln im Zahnstein möglicherweise eignen, um Schreiberinnen und Illustratorinnen zu identifizieren. Damit liesse sich die Rolle von Frauen in der Produktion kostbarer Schriften im Mittelalter beleuchten.

Die Identität der Menschen, welche die kostbaren Manuskripte handschriftlich kopierten und aufwendig illustrierten, ist in vielen Fällen ein Rätsel. Vor dem 15. Jahrhundert versahen die Verantwortlichen ihr Werk nämlich nur selten mit ihrem Namen. Selbst unter den Büchern in Nonnen-Klöstern tragen weniger als 15 Prozent weibliche Namen. Vor dem 12. Jahrhundert ist es weniger als ein Buch von hundert. Daher nahm man lange an, dass eher Mönche als Nonnen die Buchproduktion im Mittelalter übernahmen.

Mit neueren Forschungsergebnissen mehren sich jedoch die Hinweise, dass Ordensfrauen durchaus eine aktive Rolle in der Produktion wertvoller Bücher spielten, vor allem in Deutschland und Österreich. Aufgrund der begrenzten Zahl an Büchern, die die Zeit überdauert haben, sowie der bruchstückhaften Dokumentation von Nonnenklöstern, ist es jedoch schwierig, ein genaues Bild über die Rolle der Schreiberinnen und Illustratorinnen zu gewinnen. Analysen von Einschlüssen im Zahnstein könnten helfen, ein klareres Bild darüber zu gewinnen.

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