Freiburg schliesst Restaurants und Kulturbetriebe - Armee hilft

Der Kanton Freiburg zieht in Sachen Coronaschutzmassnahmen die Schraube an. Restaurants, Bars, Theater, Kinos, Museen, Freizeit- und Fitnesszentren sowie Schwimmbäder werden bis Ende November geschlossen.

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Die Freiburger Staatsratspräsidentin Anne-Claude Demierre wies erneut den Ernst der gesundheitlichen Lage im Kanton hin.

Die Freiburger Staatsratspräsidentin Anne-Claude Demierre wies erneut den Ernst der gesundheitlichen Lage im Kanton hin.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX
(sda)

Die Regelung gilt ab Mittwoch 23 Uhr, wie der Staatsrat am Dienstag am Sitz der Kantonspolizei in Granges-Paccot FR vor den Medien bekanntgab. Die Massnahmen seien unerlässlich, um das Fortschreiten der Pandemie einzudämmen.

Gottesdienste und Beerdigungen können nur noch mit maximal 30 Personen stattfinden, Priester nicht inbegriffen. Auch Kundgebungen dürfen nur noch mit maximal dieser Zahl von Personen über die Bühne gehen - sofern sie die Oberamtmänner (Regierungsstathalter) bewilligen.

Staatsratspräsidentin Anne-Claude Demierre sagte, ohne Gegenmassnahmen gerate der Kanton in eine sanitäre Katastrophe. Es gelte nun, alle nicht notwendigen Kontakte zu unterlassen. «Wir müssen eine Weile auf Apéros mit Freunden sowie Festessen verzichten», sagte Sicherheitsdirektor Maurice Ropraz. «Denn das sind die Anlässe, welche vor allem zu Ansteckungen führen.»

Die Schulen werden nicht geschlossen. Dort komme es zu relativ wenigen Ansteckungen, sagte Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen. Die Armee wird laut Ropraz im Kanton Freiburg ab Samstag mit 75 Angehörigen der Sanitätstruppen aushelfen.

Auch die Kantone Jura, Genf und Neuenburg haben öffentliche Einrichtungen und andere Infrastrukturen geschlossen. Vor zwei Wochen machte das Wallis den Anfang mit Einschränkungen der Restaurant-Öffnungszeiten und der Schliessung von Kulturstätten.

Spitalarzt appelliert an Bevölkerung

Bereits am Montag hatte ein Arzt der Freiburger Spitalgruppe HFR auf Youtube einen flammenden Appell an die Bevölkerung des Kantons gerichtet. Der Kanton stehe am Rand einer gesundheitlichen Katastrophe, sagte Nicolas Blondel, leitender Arzt für Allgemeine Innere Medizin des Freiburger Spitals.

Eben seien die Krankenwagen im Viertelstundentakt vorgefahren. Wenn das so weitergehe, gebe es am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag keinen Platz mehr in den öffentlichen Spitälern des Kantons. Es gelte nun, entschieden gegen die Verbreitung des Virus vorzugehen. Im Kanton fielen derzeit einer von zwei Tests positiv aus.

Am 30. Oktober hatte der Freiburger Staatsrat die Ausserordentliche Lage ausgerufen und die Armee um Hilfe ersucht. Seit dem 23. Oktober sind im Kanton Freiburg Versammlungen von mehr als zehn Personen im öffentlichen Raum verboten und für Gaststätten gilt Sperrstunde 23 Uhr.

Laut Arzt Blondel ist es vor allem bei den traditionellen herbstlichen Kilbi- oder Nachkilbiessen zu Covid-19-Ansteckungen gekommen. Laut dem neusten Situationsbericht des Bundesamts für Gesundheit weist der Kanton Freiburg derzeit 830 laborbestätigte Fälle auf 100'000 Einwohner auf. Das ist Platz vier hinter Wallis, Genf und Jura.