Gewerkschaftsbund fordert bis zu zwei Prozent mehr Lohn

Der SGB fordert für die Lohnrunde 2020/2021 Lohnerhöhungen von bis zu 100 Franken pro Monat oder bis zu zwei Prozent in Branchen und Betrieben, wo dies wirtschaftlich möglich ist. Angesichts der mangelnden Lohnentwicklung in den letzten Jahren sei dies dringend nötig.

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Daniel Lampart, SGB-Chefökonom erklärt vor den Medien in Bern das wirtschaftliche Umfeld, in dem der Gewerkschaftsbund seine Forderungen für die Lohnrunde 2020/2021 stellt.

Daniel Lampart, SGB-Chefökonom erklärt vor den Medien in Bern das wirtschaftliche Umfeld, in dem der Gewerkschaftsbund seine Forderungen für die Lohnrunde 2020/2021 stellt.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER
(sda)

In den letzten Jahren hätten die Löhne trotz gutem Wirtschaftsgang stagniert. Im Jahr 2019 habe es nach zwei schlechten Jahren erstmals wieder einen Reallohnanstieg gegeben, und zwar von rund 0,5 Prozent, sagte der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), Daniel Lampart, am Montag vor den Medien in Bern.

«Angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 5,9 Prozent - von 2017 bis 2019 - ist das ungenügend. Auch für 2020 belaufen sich die Nominallohnerhöhungen auf weniger als 1 Prozent.» Besonders unbefriedigend sei die Lohnentwicklung bei langjährigen, älteren Mitarbeitenden gewesen. Ihre Reallöhne seien vielerorts gesunken - namentlich im Detailhandel und in Teilen der Industrie.

Die Schweizer Wirtschaft habe bereits vor der Corona-Krise ein Kaufkraftproblem gehabt, sagte Lampart. Die schwachen Lohnerhöhungen seien durch die steigenden Pensionskassenbeiträge und Krankenkassenprämien mehr als weggefressen worden. Dieses Kaufkraftproblem habe sich in den letzten Monaten akzentuiert.

Niedrigverdienende besonders betroffen

Hauptbetroffene der Krise seien Berufstätige mit tieferen Löhnen - im Gastgewerbe oder in der Eventbranche. Bei Kurzarbeit erhielten viele nur 80 Prozent ihres bereits tiefen Lohnes. Bei Arbeitslosigkeit seien es sogar nur 70 bis 80 Prozent. «Lohnerhöhungen sind deshalb für die angeschlagene Binnenkonjunktur besonders wichtig.»

Konkret fordern die Verbände des SGB Lohnerhöhungen von bis zu 100 Franken pro Monat oder bis zu 2 Prozent in denjenigen Branchen und Betrieben, wo dies wirtschaftlich möglich ist. Auch in den Krisenbranchen mit Kurzarbeit sollten die Arbeitgeber den vollen 13. Monatslohn bezahlen. Und wo aktuell noch Kurzarbeit beansprucht wird, fordert der SGB die Firmen auf, die Löhne der Geringverdienenden auf 100 Prozent aufzustocken, wie das bereits verschiedene Firmen tun.

Schon seit der Finanzkrise wehrten sich die Arbeitgeber mit dem Krisenargument gegen adäquate Lohnerhöhungen, kritisiert der SGB in einer Mitteilung. Wie bereits damals gezeigt, sei die reale wirtschaftliche Lage besser. «Das globale Krisenargument zieht nicht. In den Branchen mit gutem Geschäftsgang braucht es substanzielle Verbesserungen.»

Soziale Gerechtigkeit und Solidarität

Die Corona-Krise sei für alle ein Schock gewesen. Seit der Öffnung der Wirtschaft gehe es aber wieder aufwärts, sagte Lampart. «Was in der Berichterstattung oft etwas vergessen geht: Es gibt Wirtschaftszweige, in denen es gut bis sehr gut läuft.»

Die Krise betreffe nicht alle Branchen, sagte auch SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard. Es gebe viele Wirtschaftszweige, in denen es gut bis sehr gut laufe. Deshalb sei es richtig, auch in Zeiten der Corona-Krise Lohnerhöhungen zu fordern.

«Denn wenn Unternehmen, welche Dividenden auszahlen, auch die Löhne erhöhen würden, wäre dies nicht nur ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit. Es wäre auch ein Zeichen der Solidarität von Branchen, in denen es gut läuft, mit jenen, in denen es nicht so gut läuft.»