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Heimliche Parlaments-Insiderin: Was die Doktorarbeit über Heidi Z'graggen verrät

Die Urner Regierungsrätin und Bundesratskandidatin gilt in Bern als Aussenseiterin,
doch ein Blick in ihre Doktorarbeit zeigt, dass sie das Parlament sehr gut kennt.
Lorenz Honegger
Heidi Z'graggen im Bundeshaus in Bern. (Bild: KEY)

Heidi Z'graggen im Bundeshaus in Bern. (Bild: KEY)

Es ist März 2008, Barack Obama kämpft um die Wahl ins Weisse Haus, als die 42-jährige Heidi Z’graggen ihren Doktortitel von der Universität Bern erhält. Die Politikwissenschafterin ist damals schon seit einigen Jahren Regierungsrätin im Kanton Uri, hat aber neben dem Amt Zeit gefunden, ihre Dissertation fertigzustellen.

Heute, knapp ein Jahrzehnt später, lohnt es sich, ihre 200-seitige Arbeit über die «Professionalisierung von Parlamenten» noch einmal zu lesen. Denn mittlerweile ist Z’graggen keine unbekannte Regierungsrätin aus einem Kleinkanton mehr. Sie ist eine von zwei offiziellen Kandidatinnen, die am kommenden Mittwoch für die Nachfolge von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard antreten.

Als Regierungsrätin ohne Bundeshauserfahrung hat Z’graggen neben der langjährigen Walliser Nationalrätin Viola Amherd keinen einfachen Stand. Sollte ihr am 5. Dezember ein Überraschungscoup gegen die Favoritin gelingen, dann wird es auch dank des Know-hows aus ihrer Forschungszeit sein: In ihrer Doktorarbeit erweist sich Z’graggen als profunde Kennerin des Schweizer Parlamentes und der «Mechanismen der Karriere­sicherung» von Politikern, wie sie in ihrer Arbeit schreibt. Z’graggen ist eine heimliche Parlaments­insiderin.

Bundesratswahl als «Krönung»


Ihre eigene Ambition auf einen Sitz in der Landesregierung lässt sich beim Lesen der Dissertation erahnen. «Die Wahl in den Bundesrat ist die Krönung einer Politikerkarriere in der Schweiz», schreibt Heidi Z’graggen in der Mitte ihrer Arbeit beinahe ein ­wenig euphorisch. In eher wissenschaftlichem Tonfall fügt sie an, dass es aufgrund der «geringen Verfügbarkeit der Bundesratssitze» naturgegeben nur ­relativ wenigen National- und Ständerätinnen und -räten gelinge, dieses Amt zu erreichen.

Z’graggen, das schimmert in ihrer Doktorarbeit auch durch, ist kein Fan von «Vollberufsparlamenten». Sie beschreibt kritisch, wie gross der Aufwand ist, den hauptberufliche Politiker betreiben müssen, um wiedergewählt zu werden, da ihnen sonst berufliche und finanzielle Einbussen drohen. Je länger ein Politiker im Amt ist, so Z’graggen, desto grösser der Druck, die Wahl wieder zu schaffen.

Für das «schwach professionalisierte» Schweizer «Halbberufsparlament» hingegen findet sie lobende Worte. «Die Kosten für das Parlament sind im internationalen Vergleich sehr tief.» Milizpolitikerinnen und Milizpolitiker gälten «der Gesellschaft gegenüber näher, offener und deshalb demokratischer». Dank der Nebenamtlichkeit der ­Parlamentsmandate bleibe der ­Kontakt zum Volk über die zivile Berufstätigkeit bestehen.

Diese Haltung macht Z’graggen im bürgerlichen Lager sympathisch. In Kombination mit ihrer wirtschaftsliberalen und leicht euroskeptischen Haltung verstärkt sich das Bild einer rechteren Alternative zu Kandidatin Amherd. Wie viele Stimmen Z’graggen aufgrund dieses Unterschieds bei der Positionierung tatsächlich machen wird, ist allerdings offen.

Hearings bei FDP, SP und BDP

Bis am kommenden Mittwoch müssen die Kandidatinnen Z’graggen und Amherd noch Anhörungen bei den Bundeshausfraktionen der SP, der FDP und der BDP durchlaufen. Bereits vorbei sind die Hearings bei der SVP, den Grünen und den Grünliberalen. Ein erster Achtungserfolg ­gelang Z’graggen bei der SVP, die sie mit 38 zu 10 Stimmen gegenüber Konkurrentin Viola Amherd vorzieht. Die Grünen und die Grünliberalen haben sich noch nicht festgelegt. Für eine Wahl bräuchte Heidi Z’graggen zahlreiche Stimmen aus weiteren Fraktionen. Bis zur allfälligen Krönung ihrer politischen Karriere ist es für sie noch ein weiter Weg.

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