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Plastik-Recycling für 120'000 Haushalte zwischen Willisau und Olten

Ab dem ersten September wird in 30 Gemeinden zwischen Willisau und Olten Kunststoff gesammelt und wiederverwertet. Es ist das bislang grösste Projekt dieser Art.
Alexander von Däniken
Markus Tonner von der InnoRecycling AG (links) und Markus Gasser von der Gasser AG in Dagmersellen.Bild: Philipp Schmidli (22. August 2018)

Markus Tonner von der InnoRecycling AG (links) und Markus Gasser von der Gasser AG in Dagmersellen.Bild: Philipp Schmidli (22. August 2018)

Verbrennen oder wiederverwerten? Seit Jahren herrscht in der Schweiz Uneinigkeit, was den Umgang mit Kunststoffabfall betrifft. Da sind der Bund und die Zentralschweizer Umweltdirektoren. Sie tendieren zu verbrennen. Ihre Argumente: Moderne Kehrichtverbrennungsanlagen wie die Renergia in Perlen werden durch die aus Erdöl bestehenden Stoffe zusätzlich befeuert – und versorgen mit dieser Energie Haushalte und Industrien. Zudem sei die Trennung der verschiedenen Kunststoffe sehr aufwendig.

Unsinn, sagt Markus Tonner. Er ist Geschäftsführer der Innorecycling AG. Die Firma aus dem Kanton Thurgau hat sich auf das Wiederverwerten von Kunststoffen spezialisiert. Tonner macht eine andere Rechnung: Wird Kunststoff verbrennt, muss neuer importiert werden – gefertigt aus dem endlichen Rohstoff Öl. «Es ist doch wesentlich ökologischer, wenn der Kunststoff recycelt wird», sagt Tonner.

Recycling entspricht Kundenbedürfnis

Dieser Meinung sind auch zahlreiche Kunden der Gasser AG. Der Geschäftsführer des Entsorgungsbetriebs aus Dagmersellen, Markus Gasser, hat darum dieses Jahr mit anderen Entsorgern der Region gesprochen. «Es muss doch möglich sein, die Kunststoffe sauber wiederzuverwerten», sagte Gasser am Mittwoch anlässlich einer Orientierung in seinem Betrieb.

So kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen der Innorecycling AG und – neben der Gasser AG – mit folgenden Entsorgern: Amstein Robert AG aus Willisau, K. und M. Bucher Transporte aus Schötz, E. Flückiger AG aus Rothrist, Gloor Transport AG aus Zofingen, Hess Muldenservice AG aus Reiden, Rippstein Transport AG aus Trimbach und Turuvani AG aus Olten.

Die Entsorger decken das Gebiet zwischen Willisau und Olten ab, welches 120'000 Einwohner in rund 30 Gemeinden in den Kantonen Luzern, Aargau und Solothurn umfasst. Die Einwohner können Haushaltskunststoffe in speziellen Säcken sammeln, die es bei den Entsorgern oder im Internet (www.sammelsack.ch) gibt. Preis pro 60-Liter-Sack: 2.50 Franken. Die gefüllten Säcke können bei den Entsorgern abgegeben werden.

Bei der Gasser AG in Dagmersellen werden die Säcke gepresst und für den Transport nach Eschlikon zur Innorecycling AG vorbereitet. Vom Kanton Thurgau aus werden die Kunststoffe nach Vorarlberg oder Süddeutschland gefahren, wo Kunststoffsortieranlagen die einzelnen Plastiksorten wie PET oder PE mittels Lasertechnik trennen. Nach verschiedenen Prozessen entsteht ein Granulat. «Dieses wird vorwiegend zur Produktion von Kabelschutzrohren verwendet. Nicht verwertbare Kunststoffe liefern wir als Flocken an die Zementindustrie, wo Kohle ersetzt wird», so Markus Tonner.

Er räumt ein, dass die LKW-Fahrten ins nahe Ausland auch nicht gerade umweltfreundlich sind, «darum wird unser nächstes Projekt eine Sortieranlage in der Schweiz sein». Die Entsorger wiederum sind laut Markus Gasser froh, wenn sie die Kunststoffe reinen Gewissens entgegenehmen können.

Plastik statt Kohle

Die Initianten des Plastikrecyclings weisen darauf hin, dass mit den gesammelten Kunststoffen neuer Plastik und Kohle ersetzt werden kann, Stoffe, die oft um die halbe Welt bis in die Schweiz importiert würden. Es mache deswegen Sinn, den gesammelten Plastik zum Recyclen 200 Kilometer weit zu transportieren. Mittelfristiges Ziel sei es aber, das ganze Kunststoffrecycling in der Schweiz abzuwickeln.

Der sortenreine Kunststoff wird zu Regranulaten verarbeitet, die Mischkunststoffe zu Flocken. Mit den Regranulaten können etwa Paletten, Rohre, Transportverpackungen, Kisten, Profile, Folien oder Säcke hergestellt werden. Die Flocken dienen den Zementwerken als Brennstoff, er ersetzt dort die Kohle.

Kein Brennstoff

Haushaltskunststoffe seien zu schade, um in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt zu werden, teilten die Initianten des «Bring Plastic Back»-Sacks mit. Meist seien es qualitativ hochwertige Lebensmittelverpackungen, die nur kurz im Umlauf seien und gut für ein Recycling verwendet werden könnten.

Mit der Wiederverwertung der Kunststoffe könnten die CO2-Emissionen reduziert werden. Bei der Wiederverwendung von einem Kilogramm Recyclingkunststoff könne gleich viel CO2 gespart werden, wie ein Durchschnittsauto auf einer 25 Kilometer langen Fahrt produziere.

Nach Angaben der neun Unternehmen, die hinter dem Plastikrecycling stehen, wird in der Schweiz bedeutend weniger Kunststoff wiederverwendet als in der EU. Es gelte, aus dem Werkstoff Kunststoff neuen Rohstoff zu machen, statt diesen zu importieren.

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