Koch: «Problem noch längst nicht gelöst»

Die Kurve der Neuansteckungen flacht ab: Nach täglich über 1000 neuen Covid-19-Fällen in den letzten Wochen waren es am Dienstag noch 590. Für Entwarnung ist es laut Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu früh. Das Problem sei noch längst nicht gelöst.

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Zu früh für Entwarnung: Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit.

Zu früh für Entwarnung: Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX
(sda)

Die Situation scheine sich zu stabilisieren, eher zu verbessern, sagte Koch am Dienstag vor den Bundeshausmedien. Es gebe aber bereits eine beträchtliche Anzahl von Todesfällen, 412 Personen müssten immer noch auf den Intensivstationen beatmet werden. «Das Problem ist bei weitem nicht gelöst», sagte Koch. Es gelte, sich weiter an die Empfehlungen und Vorschriften zu halten.

Eine Prognose, wann die vom Bundesrat verhängten Massnahmen gelockert werden können, gab der Covid-19-Delegierte des BAG nicht ab. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind laut Koch neben den Neuansteckungen die Zahl der Hospitalisationen, die verfügbaren Betten auf den Intensivstationen oder die Daten des Sentinella-Meldesystems.

«Wir versuchen, aus all diesen Elementen eine Beurteilung zu machen», sagte Koch. Deshalb sei es auch nicht möglich, eine bestimmte Schwelle zu nennen, ab welcher Massnahmen gelockert werden können. Auch die Reihenfolge, in der Massnahmen aufgehoben werden, liess Koch offen.

Zusätzliche Erkenntnisse erhofft sich der BAG-Experte von den serologischen Tests, die Aufschluss über die Durchseuchung und damit über die Immunisierung der Bevölkerung geben sollen. Solche sind zwar noch nicht breit auf dem Markt verfügbar, doch führen derzeit verschiedenen Forschungsgruppen Testreihen durch. Laut Koch will das BAG eine Meldepflicht einführen.

Weniger neue Fälle

Die jüngsten Zahlen geben immerhin Anlass zur Hoffnung. Die Zahl der nachgewiesenen Covid-19-Infektionen ist innerhalb eines Tages um 590 auf 22'242 Fälle gestiegen. Gestern Montag waren es 552 neue Fälle gewesen. In den vergangenen beiden Wochen waren im Durchschnitt jeweils rund 1000 neue Infektionen gemeldet worden.

Bis am Dienstagmittag starben nach Angaben der Kantone 785 Menschen in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. Das sind 39 Todesopfer mehr als noch 24 Stunden zuvor, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA gestützt auf die offiziellen Zahlen der einzelnen Kantone ergab. Das Bundesamt für Gesundheit gab in seinem Situationsbericht die Zahl der Todesfälle für Dienstagmorgen mit 641 an.

Davon waren 62 Prozent Männer und 38 Prozent Frauen. Die Hälfte von ihnen war über 83 Jahre alt, und 98 Prozent litten mindestens an einer Vorerkrankung, vor allem Bluthochdruck (66 Prozent), Herz-Kreislauferkrankung (56 Prozent) und Diabetes (28 Prozent).

Immer noch viele neue Fälle

Obwohl die bestätigten Neuansteckungen von Donnerstag (+1036) bis Montag (+552) täglich leicht zurückgegangen waren, weise die Schweiz weiterhin eine der höchsten Inzidenzen in Europa auf, schreibt das BAG. Diese betrug am Dienstag 259 Fälle pro 100'000 Einwohner. Die Zahl basiert auf Informationen von Laboratorien und Ärztinnen und Ärzten.

Gemäss BAG wurden bisher 167'429 Tests durchgeführt. 15 Prozent davon seien positiv ausgefallen. 47 Prozent der positiv getesteten waren Männer, 53 Prozent Frauen. Bei Personen ab 60 Jahren waren Männer dagegen häufiger betroffen als Frauen.

Auch die Mehrzahl der über 2000 hospitalisierten Personen waren Männer (61 Prozent). Sie litten am häufigsten unter Fieber (68 Prozent), Husten (65 Prozent) und Atembeschwerden (40 Prozent). 87 Prozent der Menschen, die im Spital behandelt werden mussten, hatten Vorerkrankungen. Weiterhin am meisten Covid-19-Fälle pro 100'000 Einwohner gibt es in den Kantonen Tessin, Genf, Waadt und Basel-Stadt.