Konzert und Theater St. Gallen sind zurück

«Willkommen zurück» - Konzert und Theater Gallen trotzen dem Coronavirus: mit ungewöhnlichen Formaten und aktuellen Themen soll das Publikum wieder eingefangen werden. Die kommende Spielzeit steht ganz im Zeichen des Provisoriums.

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Rettungsanker in Coronazeiten: Ein Arbeiter in dem im Bau befindlichen Provisorium des Theater St. Gallens.
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Eine Musikerin des Sinfonieorchesters St. Gallen spielt sich im Theater St. Gallen für die «Parkspiele» ein. Theater und Sinfonieorchester starteten vergangenen Woche nach dem Coronavirus-Lockdown das Saisonfinale.

Rettungsanker in Coronazeiten: Ein Arbeiter in dem im Bau befindlichen Provisorium des Theater St. Gallens.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
(sda)

Während der zwei Jahre dauernden Sanierung des Theaters St. Gallen werden Musicals, Opern und einige Theaterstücke in einem Provisorium aufgeführt. Der Bau mit dem Namen «UM!BAU» wird gut 500 Zuschauern Platz bieten und kostet sechs Millionen Franken. Die 50 auf 26 Meter grosse Konstruktion entsteht derzeit aus 350 Kubikmetern Holz.

Die neue Spielstätte vor der Tonhalle sei nicht zu übersehen, sagte Werner Signer, Geschäftsführender Direktor von Konzert und Theater St. Gallen, am Dienstag vor den Medien. «Das Provisorium war für uns in der Coronazeit wie ein Rettungsanker.»

Tanzen wie Schachfiguren

Nach der Zwangspause beendet Konzert und Theater St. Gallen die laufende Spielzeit mit «Parkspielen». Während eines Monats werden im Stadtpark Schauspiele, Tanz, Musiktheater und Konzerte auf einer Freiluft-Arena aufgeführt. Ausserdem finden Lesungen in einem Container in der Altstadt statt.

Geprobt wird auf zwei Meter Abstand, beim Ensemble wird regelmässig Temperatur gemessen und die Bühnenarbeiter tragen Einweg-Handschuhe. Auf der Bühne hinter dem Theatergebäude sind Quadrate eingezeichnet. «Die Proben für das Tanzstück sind wie ein Schachspiel», sagte Kinsun Chan, Leiter der Tanzkompanie. Unter dem Titel «Pause + Play» choreografierte er eine Folge von Szenen. Nur Tänzerinnen und Tänzer, die auch in derselben Wohnung leben, dürfen sich auf der Bühne berühren.

Aufbruch und Umdenken

Die kommende Spielzeit habe einen Aufbruch-Charakter, der auch vom Publikum unterstützt werde, sagte Signer. Es seien 250'000 Franken an Spenden zusammengekommen. Viele Abonnenten hätten bei den wegen Corona entfallenen Vorstellungen auf ihr Geld oder auf die Umwandlung in einen neuen Termin verzichtet.

«Das Coronavirus schwebt aber immer noch stark über uns», erklärte Operndirektor Peter Heilker. Die nächste Spielzeit habe völlig neu geplant werden müssen. Es gibt auch Abstriche: auf Carl Maria von Webers Oper «Freischütz» in Kombination mit dem Schauspiel «The Black Rider» musste verzichtet werden. Die Abstandsregeln wären nicht einzuhalten, so Heilker.

Am 24. Oktober geht es mit der Premiere der Barockoper «Giulio Cesare in Egitto», die der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen war, im «UM!BAU» los. «Wir wollen mit einem positiven Zeichen das Publikum wieder einfangen», sagte Heilker. Viele Produktionen werden auf die Corona-Vorschriften angepasst, andere werden nachgeholt.

Auch in der Tonhalle werden die Solisten auf der Bühne mit Abstand agieren, die Zahl der Musiker und die Zuschauerplätze sind begrenzt. Falls im Musiktheater nicht mit grosser Besetzung gespielt werden darf, sind Übertragungen der Orchestermusik in das Provisorium möglich. Den Start in die Saison macht das Sinfonieorchester mit dem Sonderformat «Willkommen zurück!»

Das Schauspiel werde sich in der kommenden Spielzeit vermehrt auf die Lokremise konzentrieren, sagte Schauspieldirektor Jonas Knecht: «Die Zukunft wird viel Flexibilität und Umdenken verlangen.» Eine Carte blanche soll Raum bieten, auf die aktuelle Situation zu reagieren. In der Lokremise wird die ganze Spielzeit über eine Hörbox stehen, welche die Aufnahmen welches das Ensemble während des Lockdowns gemacht hat, versammelt.

www.theatersg.ch