Mit neuen Massnahmen soll Lockdown verhindert werden

«Wir wollen alle, dass die Schweiz diese Krise gemeinsam meistert», sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga vor den Bundeshausmedien in Bern bei der Präsentation der neuen Massnahmen gegen das Coronavirus.

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Coronavirus: Ein neues rotes BAG-Plakat mit der Verhaltensregel «Treffen Sie so wenige Menschen wie möglich"wird auf dem Bundesplatz in Bern installiert.
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Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (l.) und Bundesrat Alain Berset (r.) kurz vor Beginn der Medienkonferenz des Bundesrates zur aktuellen Lage und Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (l.) und Bundesrat Alain Berset: Ein Lockdown soll mit den neuen Massnahmen verhindert werden.

Coronavirus: Ein neues rotes BAG-Plakat mit der Verhaltensregel «Treffen Sie so wenige Menschen wie möglich"wird auf dem Bundesplatz in Bern installiert.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER
(sda)

«Niemand möchte, dass in unseren Spitälern die Betten für Notfallpatienten fehlen, niemand will einen Lockdown. Tausende von Arbeitsplätzen sollen nicht Gefahr gebracht werden,» erklärte Sommaruga am Mittwoch. Deshalb habe der Bundesrat neue Massnahmen ergriffen, die ab Mitternacht gelten würden.

«Wenn wir weniger Kontakte haben, bringen wir die Zahl der Kontakte herunter und damit auch die Hospitalisierungen.» Die Folgen für die Beschäftigten müssten abgesichert werden: Mit der Kurzarbeit wie bisher - ausserdem werde der Bundesrat am Mittwoch Lösungen für Härtefälle beraten.

Die Situation sei für niemanden leicht. «Wir brauchen die Kontakte, wir brauchen den Ausgang. Wir möchten ins Kino, beim Fussballmatch mitfiebern. Wir brauchen die Nähe zu Familie und Bekannten.» Auch die Unsicherheit belaste.

Die Massnahmen seien vom Bundesrat gut geprüft worden, denn sie müssten von der Bevölkerung auch verstanden werden. «Wir haben nicht sieben Tage verloren», sagte Sommaruga auf die Frage eines Journalisten. «Die Kantone haben Massnahmen getroffen.» Es sei wichtig, dass in der «besonderen Lage» der Bund und die Kantone gemeinsam handelten.

Berset verteidigt strengere Corona-Massnahmen

Gesundheitsminister Alain Berset verteidigte die strengeren Corona-Massnahmen auf Bundesebene. «Die bisherigen Massnahmen genügen nicht, um die Epidemie einzugrenzen.»

Es brauche deshalb neue Regeln, sagte Berset. Die Kampagnenfarbe des Bundesamts für Gesundheit (BAG) habe auf Rot gewechselt. «Das ist kein Zufall.» Die Fallzahlen, die Zahl der Spitaleinweisungen und der Todesfälle müssten schnellstmöglich runterkommen.

Kosten für Wirtschaft tief halten

Die Massnahmen gegen das Coronavirus stehen nach Ansicht des Bundesrats nicht im Widerspruch zur Wirtschaft. «Wenn wir das Virus so stark wie möglich eindämmen, bleiben die Kosten für die Wirtschaft am tiefsten», sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin.

Gewisse Branchen würden unter den neu verhängten Massnahmen leiden, sagte Parmelin. Es stünden aber im Covid-19-Gesetz Instrumente zur Verfügung, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern.

Die Wirtschaft ist erleichtert, dass es zu keinem zweiten Lockdown kommt. «Massnahmen Ja, Schliessungen Nein», schreibt der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse in einer Stellungnahme. Die vom Bundesrat ergriffenen Massnahmen seien angesichts der hohen Fallzahlen und der stark steigenden Belastung der Gesundheitseinrichtungen unausweichlich. Sie seien aber im Vergleich zu einem Lockdown tragbar.

Auch vonseiten der Gewerkschaften wird die schärfere Gangart des Bundesrats begrüsst. Sorgen bereiten dem SGB jedoch der mit der zweiten Corona-Welle wachsende Druck auf die Wirtschaft und damit verbundene Entlassungen. Eine Entlassungswelle müsse mit flankierenden Massnahmen wie der Absicherung der Löhne und der Arbeitsplätze verhindert werden, lautet die Forderung des SGB.