Nach dem Lockdown: Die Luft ist rein(er), aber nicht überall

Man kann es riechen, aber es lässt sich auch beweisen: Der verminderte Verkehr seit dem Lockdown Mitte März hat die NO2-Konzentration in der Luft gesenkt. Das Wetter hat mitgeholfen. Aber laut Empa ist die Auswirkung des Lockdowns auf die Luftqualität unbestreitbar.

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Seit dem 16. März (vorläufig) ein Bild mit Seltenheitswert: Abendverkehr auf der Nordumfahrung Zürich. Die leeren Strassen und der flugzeugfreie Luftraum der letzten dreieinhalb Wochen seit dem Lockdown führten zu besserer Luft, wie die Empa in einem komplizierten Verfahren beweist.

Seit dem 16. März (vorläufig) ein Bild mit Seltenheitswert: Abendverkehr auf der Nordumfahrung Zürich. Die leeren Strassen und der flugzeugfreie Luftraum der letzten dreieinhalb Wochen seit dem Lockdown führten zu besserer Luft, wie die Empa in einem komplizierten Verfahren beweist.

Keystone/MICHAEL BUHOLZER
(sda)

Eine einfache Milchmädchenrechnung nach dem Schema «weniger Treibstoffgase bedeuten bessere Luft» ist das freilich nicht, wie die Abteilung Luftfremdstoffe/Umwelttechnik der Empa am Mittwoch mitteilte. Die Analyse der Daten der 16 Messstationen des nationalen Beobachtungsnetzes sei äusserst komplex. Denn die Schadstoffbelastung hängt nicht nur von deren Ausstoss ab, sondern auch vom Wetter.

Und wegen der günstigen Wetterlage in den ersten drei Monaten mit milden Temperaturen und dank der Bise in der zweiten Märzhälfte war die Schadstoffbelastung im Vorjahresvergleich geringer. Um die Auswirkung des Lockdowns auf die Luftqualität dennoch nachzuweisen, verglichen die Empa-Experten in einem komplizierten Verfahren die gemessenen Daten mit denen, welche ohne die Massnahmen des Bunds gegen Covid-19 zu erwarten gewesen wären.

46 bis 57 Prozent weniger NO2

Die Bilanz hat die positive Auswirkung der Teil-Ausgangssperre bewiesen: An strassennahen Standorten sank die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) und Stickoxiden (Nx) um 46 bis 57 Prozent. Bestwerte wurden in Lugano-Università und am Berner Bollwerk gemessen.

Eine grosse Ausnahme registrierte die Messtation Beromünster, wo die Schadstoffe nach dem Lockdown sogar anstiegen. Aber auch Payerne zeigte schlechte Werte. Das liegt laut Empa daran, dass die Stickoxid-Konzentrationen in ländlichen Gebieten fast ausschliesslich den Wetterbedingungen geschuldet sind.

Diese sorgten auch für eine hohe Ozonbelastung - eine Verminderung der Luftqualität, welche nicht auf Auspuffgase zurückzuführen ist. Die O3-Grenzwerte seien aber nicht erreicht worden, beruhigt die Empa.

https://empa-interim.github.io/empa.interim/swiss_air_quality_and_covid_19.html