Neue BAG-Chefin äussert sich beunruhigt über Corona-Lage

Anne Lévy, die neue Chefin des Bundesamts für Gesundheit (BAG), äussert sich beunruhigt über die aktuelle Coronavirus-Lage. Zuletzt meldete das BAG 1487 Neuansteckungen innerhalb von 24 Stunden. Es hat seine Präventionskampagne erneuert.

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Die neue BAG-Direktorin Anne Lévy äussert sich vor den Medien besorgt über die epidemiologische Lage. Im Hintergrund das neu gestaltete Kampagnen-Plakat.

Die neue BAG-Direktorin Anne Lévy äussert sich vor den Medien besorgt über die epidemiologische Lage. Im Hintergrund das neu gestaltete Kampagnen-Plakat.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX
(sda)

«Die Zahlen steigen stark, schnell und schweizweit», sagte Lévy am Freitag in Bern vor den Medien. Es war ihr erster öffentlicher Auftritt. «Das Team ist sehr erschöpft», sagte sie. Da sei es gut, dass sie mit neuem Elan das Amt der Direktorin übernehmen könne. «Eine Direktorin ist immer auch eine Troubleshooterin.»

Dem BAG wurden bis Freitagmorgen 1487 neue Corona-Infektionen und drei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet. Neu ins Spital eingewiesen wurden 23 an Covid-19 erkrankte Personen. Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie 60'368 laborbestätigte Fälle in der Schweiz und in Liechtenstein.

Der Freitag war der dritte Tag in Folge mit über tausend Fällen. Am Mittwoch hatte das BAG 1077 neue Fälle gemeldet und am Donnerstag 1172. Ähnlich hoch waren die täglichen Fallzahlen letztmals Ende März und Anfang April. Bisher wurden 1'470'894 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt. Die Positivitätsrate der letzten zwei Wochen liegt bei 6,5 Prozent.

Berset: «Lage im Griff, aber ernst»

Mit einer neuen Kampagne will der Bund den Menschen im Land den Ernst der Lage zurück ins Bewusstsein bringen. Das Plakat der Kampagne «So schützen wir uns» wurde überarbeitet und ist neu orange. «Wichtiger denn je: Anstieg der Infektionszahlen stoppen», heisst es darauf.

«Die Lage ist im Griff, aber ernst», twitterte Gesundheitsminister Alain Berset. Die Ausbreitung des Virus beschleunige sich. Er rief die Menschen in der Schweiz auf, die Abstands- und Hygieneregeln konsequent umzusetzen. «Sie sind wichtiger denn je.»

Das BAG gab am Freitag einen Ausbau seiner Krisenorganisation bekannt. Neu im Team ist Christine Kopp, stellvertretende Chefin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Kopp arbeitet neu in einem 50-Prozent-Pensum für den Bund. Daneben führt sie ihr SRK-Amt fort.

«Wir sind gut aufgestellt, um auch die kommenden schwierigen Monate zu meistern», sagte die neue BAG-Chefin Lévy und machte klar, dass die Pandemie «noch länger dauern» könne. Die Krisenorganisation sei darauf vorbereitet. «Wir haben die Krise bisher gut in den Griff gekriegt.» Die Arbeit sei hervorragend gewesen.

Aussagen der vergangenen Tage, wonach die Schweiz über zu wenig Testkapazität verfüge, widersprach Lévy. «Wir haben genügend Tests und sind dauernd mit den Produzenten in Kontakt. Es wird auch bald neue Schnelltests geben», kündigte sie an.

«Rückkehr aus Ferien macht uns Sorgen»

Am Freitag hat das BAG seine Liste der Risikoländer erneut angepasst. Aufgenommen hat es erstmals auch Gebiete in Deutschland. Zehn Tage in Quarantäne muss, wer aus Berlin oder Hamburg in die Schweiz eingereist ist. In Italien wurden neben Ligurien noch drei Regionen auf die Liste gesetzt: Venetien, Sardinien und Kampanien.

In Österreich stehen neben Wien sowie Ober- und Niederösterreich neu auch das Burgenland und das Land Salzburg auf der Liste. Und auch Kanada steht neu auf der Quarantäne-Liste des BAG.

«Die Rückkehr der Schweizerinnen und Schweizer aus den Herbstferien macht uns Sorgen», sagte Amtschefin Lévy. Mit der Anpassung der Liste hoffe das BAG, importierte Fälle verhindern zu können.

Zur namentlich von Wirtschaftsverbänden kritisierten Dauer der Quarantäne sagten die BAG-Verantwortlichen, es sei aktuell keine Änderung angezeigt. Mehrere Fachleute hatten sich in den vergangenen Wochen für eine Verkürzung der Quarantäne auf sieben Tage eingesetzt.