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Neues Ungemach für Publibike: Die Postauto-Tochter rechnet auch falsch ab

Die mangelhaften Schlösser sind nicht das einzige technische Problem von Publibike. Viele Kunden beklagen sich über überhöhte Rechnungen. Auch erklingt zunehmend die Frage, weshalb ein staatlicher Anbieter überhaupt Velos vermietet.
Roger Braun
Die Velos von Publibike sind anfällig: Das Schloss liess sich zu leicht knacken. (KEYSTONE/BRANKO DE LANG)

Die Velos von Publibike sind anfällig: Das Schloss liess sich zu leicht knacken. (KEYSTONE/BRANKO DE LANG)

Der staatliche Veloverleiher Publibike geht durch schwierige Zeiten. In Bern musste die Postauto-Tochter die Velos ins Depot in Sicherheit bringen, nachdem Unbekannte Hunderte von Schlössern aufgebrochen hatten. In Zürich gehen die Diebe ebenfalls um, und auch in weiteren sechs Städten sind die Schlösser nicht diebstahlsicher.

Nun zeigt sich, dass Publibike weitere technische Probleme hat. Ein ehemaliger Callcenter-Mitarbeiter macht auf einer Onlineplattform seinem Ärger über die Vielzahl an Beschwerden unzufriedener Kunden Luft. Seinen Worten zufolge werden vielen Kunden eine überlange Mietdauer verrechnet, weil die Station nicht erkennt, dass das Velo ordnungsgemäss abgestellt wurde.

Schloss bleibt zu – verrechnet wird trotzdem

Publibike bestätigt die technischen Probleme. Bei 400000 Fahrten seit der Lancierung des neuen Vermietsystems vergangenen November seien beim Kundenservice rund 16000 Meldungen eingegangen, sagt Sprecherin Katharina Merkle. Dabei gehe es in mehr als der Hälfte der Beanstandungen um falsche Rechnungen. Merkle relativiert zwar, dass häufig die Schlösser nicht korrekt geschlossen worden seien, und deshalb die Mietdauer weiterlief. Sie sagt aber auch: «Es gibt auch viele Fälle, die tatsächlich auf ­einen technischen Fehler unseres Systems zurückzuführen sind.» Oft komme es beispielsweise vor, dass sich die Kunden mit ihrem Smartphone korrekt einloggten, sich das Schloss aber nicht öffnet. Verrechnet wird dem Kunden die Ausleihe aber trotzdem. Merkle gelobt Besserung, «bis Ende September werden wir auf allen Stationen ein Systemupdate durchführen, der das Problem behebt»

Angesichts der Querelen wird die Kritik aus der Politik am Engagement der Postauto-Tochter lauter. «Die technischen Schwierigkeiten verdeutlichen, dass ein Staatsbetrieb wie die Post beim Veloverleih nichts zu suchen hat», sagt beispielsweise der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Er verweist auf private Anbieter, die in den vergangenen Jahren entstanden sind und das geschäftliche Risiko selbst tragen. Für ihn geht die Post mit Publibike unnötige finanzielle Risiken ein und bedroht den fairen Wettbewerb. «In Bern zum Beispiel hatten die privaten Velovermieter von Beginn weg keine faire Chance», sagt er.

Konkurrenten fühlen sich an die Wand gedrückt

Einer der privaten Anbieter ist Smide, der ehemals zur Schweizerischen Mobiliar Versicherung gehörte. In Zürich bietet Smide 250 E-Bikes im Free-Floating-System an. Im Unterschied zum stationären Modell von Publibike können diese Velos an einem beliebigen Platz abgestellt werden; freie Velos können per App lokalisiert werden. Smide fühlt sich gegenüber der Postauto-Tochter diskriminiert. «Einige Städte protegieren Publibike und lassen so kaum Raum für die Entwicklung privater Angebote», sagt Smide-Geschäftsführer Raoul Stöckle. Bekannt ist, dass die Stadt Bern für die nächsten fünf Jahre zwei Millionen Franken für die Einführung des Angebots im Budget eingestellt hat. Doch für Stöckle ist das nur die Spitze des Eisbergs. Er sagt: «Viele Abstellplätze, die für Publibike geschaffen werden, befinden sich an den besten Lagen der Stadt, wo für andere Parkverbot gilt», sagt Stöckle.

Publibike häuft Verluste an

Schliesslich fühlt sich Stöckle auch durch die potente Mutter von Publibike benachteiligt, denn die Post greift ihrer Tochter seit Jahren finanziell unter die Arme. Der genaue Umfang ist unklar, denn der Betrieb gibt keine Geschäftszahlen bekannt. Aus dem Untersuchungsbericht zu den Subventionstricksereien der Postauto AG geht hervor, dass Publibike zwischen 2012 und 2015 rund 3,8 Millionen Franken Verlust geschrieben hat. Damals verfolgte das Unternehmen die Strategie, in möglichst vielen Städten mit kleinen Flotten präsent zu sein. Inzwischen hat Publibike das Netz deutlich gestrafft. Dafür gibt es in den einzelnen Städten viel mehr Stationen und entsprechend mehr Mietvelos. Wie sich diese Änderung geschäftlich ausgewirkt hat, sagt Publibike nicht. Spätestens in drei Jahren will das Unternehmen in Bern und Zürich schwarze Zahlen schreiben.

Stöckle hat Verständnis, dass sich die Städte vor vier Jahren für ein stationäres System entschieden haben. Heute sieht er jedoch dank der Verbreitung der Smartphones klare Vorteile für das Free-Floating-Modell. «Anstatt neue Modell zuzulassen, halten die Städte an ihrer überholter Strategie fest und binden Alternativen zurück.» Insbesondere würde Stöckle Smide gerne auch in Bern anbieten. Seit April wartet er auf eine Bewilligung für die Vermietung der E-Bikes, während die Berner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss keinen Hehl draus macht, dass sie Publibike eine Sonderstellung einräumt. Stöckle sagt: «Geht die Privilegierung des staatlichen Anbieters so weiter, muss man sich nicht wundern, wenn sich die privaten Anbieter zurück­ziehen.»

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