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Nolde-Ausstellung in Bern: Farben, Fabelwesen und dunkle Schatten

Groteskes, Phantastisches und Exotisches, dies sind Berührungspunkte im Werk zweier Künstler, die eine merkwürdige Freundschaft verband: Emil Nolde und Paul Klee. Das Berner Zentrum Paul Klee widmet Nolde nun eine eine ganze Ausstellung.
Ein anderer Blick auf Emil Nolde. Nicht seine archaischen Nordseelandschaften sind in Bern zu sehen, sondern seine Ausflüge in das Reich der Phantasie, des Grotesken und Exotischen. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)
Nolde liess sich auf seinen Reisen auch von der indigenen Bevölkerung inspirieren. Er begriff ihre Werke durchaus als Kunst, doch die Menschen selber blieben für ihn als zivilisierten Europäer «Wilde». (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)
«Begegnung», 1904, Oel auf grober Leinwand. Das Zentrum Paul stellt Bilder des Deutschen Malers Emil Nolde aus. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)
«Trio», 1929, Oel auf Leinwand. Traum- und Spukgestalten geistern immer wieder durch Emil Noldes Werk. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)
«Selbstbildnis» (1917) , Oel auf Leinwand. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)
«Tolles Weib», 1912, Ole auf Leinawand. Das Reich des Phantastischen erlebte Nolde als Befreiung von Konventionen. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)
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Nolde-Ausstellung in Bern: Farben, Fabelwesen und dunkle Schatten

(sda)

«Wir werden die Noldes kühl empfangen», nahmen sich Paul und Lilly Klee vor, als sich der Norddeutsche Expressionist Emil Nolde (1876-1956) und seine Gattin Ada zu einem Besuch ankündigten.

Für ihre Zurückhaltung hatten die Klees gute Gründe. Nolde war ein bekennender Nationalsozialist und Klee vor den Nazis aus Deutschland in die Schweiz geflüchtet.

Doch die kühle Zurückhaltung gegenüber dem Besuch wich offenbar einer angeregten Konversation, sobald sich das Gespräch der Kunst zuwandte. Dies zumindest notierte eine Hausangestellte der Klees später in ihr Tagebuch.

Wahlverwandte

Nolde und Klee sind zwei aussergewöhnliche und sehr eigenständige Künstlerpersönlichkeiten, wie Ausstellungskuratorin Fabienne Eggelhöfer in einem Beitrag des Ausstellungskatalogs schreibt.

Die Beziehung zwischen Nolde und Klee war laut Eggelhöfer stets von gegenseitigem Respekt geprägt, auch wenn sie sich wegen der unterschiedlichen politischen Einstellungen gegenüber dem Nationalsozialismus abkühlte.

Nolde erkannte in Klee einen Seelenverwandten, und umgekehrt spürte Klee eine künstlerische Nähe zu Nolde. Beide hatten früh begonnen, sich von der akademischen Tradition der Malerei zu lösen und eine neue Bildsprache gesucht.

Für Nolde war die Farbe zentrales Element seines Schaffens. Für Klee hingegen war es der Punkt, der sich in Bewegung setzt und damit eine Linie bildet, wie Eggelhöfer weiter schreibt. Wie ein roter Faden zieht sich bei beiden Künstlern das Groteske, Fantastische und Exotische durch ihr Werk.

Befreiung im Reich der Fantasie

Bilder mit fantastischen Wesen erachtete Nolde als befreiend, da sie ohne jegliches Vorbild entstanden. Bereits um 1900 entstanden Noldes Berg-Grotesken, die ihm etwas Geld einbrachten. Er zeichnete bekannte Schweizer Berge wie das Finsteraarhorn oder das Dreigestirn mit Eiger, Mönch und Jungfrau und verlieh ihnen mystische Gesichter.

Nolde sollte zeitlebens noch viele Spukgestalten, Geister und Fabelwesen malen. Neben dem Mythischen und Übersinnlichen taucht auch das Religiöse in immenser Farbkraft immer wieder in Noldes Werk auf.

Aus dem archaischen Innersten seines Wesens schuf Nolde auch Landschaftsbilder seiner Heimat an der Nordsee. In richtigen Farborgien zelebriert er die gewaltige Urkraft der Elemente.

Bei den «Wilden»

Die unberührte, ursprüngliche Natur als Gegensatz zum dekadenten Europa suchte Nolde auch auf Reisen, zum Beispiel in die Südsee. Dort lebte er bei indigenen Völkern, die er jedoch als «Wilde» verstand und damit die gängigen Vorurteile seiner Zeit bestätigte.

Nolde begriff zwar die Kolonialisierung als Bedrohung für die Naturvölker, zugleich waren diese Menschen aber auch nicht mehr als ein Motiv für ihn.

Deutschtümelei

Nolde war überzeugt, dass ein Künstler in seiner eigenen Kultur verwurzelt bleiben müsse. Er versuchte, der «deutschen Kunst ihr (...) verlorenes Deutschtum wiederzugeben in neugeborener Formprägung und Vollfarbigkeit».

Nolde verstand sich, trotz dänischem Pass, als «urdeutscher Künstler» und verknüpfte diese Selbststilisierung zunehmend mit nationalsozialistischer Gesinnung. Er war ein Anhänger Hitlers und Mitglied der NSDAP.

Starrsinn und Selbstmitleid

Anfangs von der Nazi-Elite noch anerkannt, wurde Noldes expressionistisches Werk bald einmal als «entartet» verfemt. Ein Schicksal, das er mit Klee teilte.

Nolde blieb trotz allem seinem Irrglauben verhaftet. Nach Ende des zweiten Weltkriegs schönte er seine Biografie in wesentlichen Passagen und stellte sich einzig als Opfer des Regimes dar, wie das Zentrum Paul Klee in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

«Noldes Antisemitismus und sein blinder Glaube an den Nationalsozialismus sind von der Kunstgeschichte lange verschwiegen worden. Es ist unsere Verantwortung, das klar zu benennen. Aus einer heutigen Perspektive können wir seine faszinierende Kunst und sein menschliches und politisches Versagen gleichzeitig sehen», betonte Museumsdirektorin Nina Zimmer.

Die Ausstellung im Berner Klee-Zentrum dauert bis Anfang März 2019.

www.zpk.org

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