Partners Group wächst weiter und verwaltet jetzt 80 Milliarden Euro

Partners Group hat die verwalteten Vermögen im ersten Halbjahr deutlich gesteigert. Auch die Kapitalzusagen von Kunden stiegen zum Vorjahr fast um 20 Prozent, lagen allerdings leicht unter den Markterwartungen.

Livio Brandenberg
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Front des Partners-Group-Hauptsitzes in Baar. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, 31. März 2010.

Front des Partners-Group-Hauptsitzes in Baar. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, 31. März 2010.

Die Meldungen gleichen sich, wenn Partners Group in letzter Zeit Einblick in ihre Geschäftszahlen gibt: Der auf Privatmarktanlagen spezialisierte Vermögensverwalter mit Sitz in Baar wächst – stetig und scheinbar ungebremst. Am Dienstag teilte Partners Group mit, man habe im ersten Semester dieses Jahres 7,4 Milliarden Euro an Neugeldern erhalten, und zwar aus den unterschiedlichsten Regionen und über sämtliche Anlageklassen hinweg. Diese Kapitalzusagen für Investitionsprogramme und Mandate liessen das gesamte verwaltete Vermögen zum 30. Juni 2019 auf knapp 80 Milliarden Euro ansteigen (siehe Grafik unten). Dies entspricht einem Nettowachstum von über 9 Prozent; Ende 2018 verwaltete der Baarer Finanzspezialist noch 72,8 Milliarden Euro.

Der Anstieg bei den Kapitalzusagen von Kunden fällt noch höher aus: verglichen mit dem ersten Halbjahr 2018 fast um 20 Prozent; damals flossen den Baarern 6,2 Milliarden Euro zu. Der aktuelle Neugeldzufluss wurde von Analysten als solide bewertet, die Zahl lag allerdings leicht unter den Erwartungen.

«Wir werden weiter einstellen»

Mit weltweit 20 Standorten und über 1300 Mitarbeitenden habe man heute «eines der umfassendsten Private-Equity-Netzwerke auf der Welt», sagte David Layton, Co-Chef von Partners Group, am Dienstag an einer Telefonkonferenz. Er hat per Jahresanfang von Christoph Rubeli die Funktion des Co-CEO an der Seite von André Frei übernommen. Private Equity steht für privates Beteiligungskapital. Die Beteiligung, die der Kapitalgeber an einem Unternehmen eingeht, wird dabei also nicht an Börsen gehandelt (wie etwa bei SMI-Aktien). Layton betonte auch, dass man bei den Investments «nicht einfach nehme, was auf dem Markt ist». Der CEO weiter: «Wir erwarten nicht, dass etwas zu uns kommt, sondern jeder neue Kunde und jede Investitionsmöglichkeit ist das Resultat davon, dass jemand in ein Flugzeug steigt und eine Beziehung aufbaut.»

Und es werden immer mehr Spezialisten, die für Partners Group herumfliegen und vor Ort Unternehmen und Bauprojekte besichtigen oder zumindest aus den Büros heraus analysieren: Nur schon seit Ende des letzten Jahres kamen über 120 Mitarbeitende dazu – eine Zunahme um 10 Prozent. Und: «Sie können erwarten, dass dies so weitergeht, wir werden weiter einstellen», sagte Layton am Dienstag. Der Co-CEO geht davon aus, dass Partners Group Ende des Jahres rund 1400 Personen beschäftigen wird; Ende 2020 sollen es bereits 1500 sein. Personal werde auf der ganzen Welt eingestellt, momentan vor allem in Denver, wo der nordamerikanische Hauptsitz aufgebaut wird, aber auch etwa in der philippinischen Hauptstadt Manila.

Für das Gesamtjahr bestätigt Partners Group den bisherigen Ausblick, man sehe im Vergleich vor allem zum ersten Quartal einen deutlich stabileren Gesamtmarkt anfangs der zweiten Jahreshälfte, «das gibt uns Zuversicht» , so Layton. Die detaillierten kompletten Halbjahreszahlen wird Partners Group am 10. September veröffentlichen. Im ersten Semester 2019 wurden sogenannte Tail-Down-Effekte aus reiferen Programmen sowie Kapitalabflüsse aus liquiden und semi-liquiden Programmen in Höhe von -1,7 Milliarden Euro verzeichnet. Bei Partners Group ist der Grossteil der Produkte darauf ausgelegt, dass Investoren zehn bis zwölf Jahre fest investiert bleiben. Wenn ein Privatmarktprogramm ausläuft, reduzieren sich die verwalteten Vermögen schrittweise, was als Tail-Down-Effekt bezeichnet wird.

Für das Jahr 2019 rechnet das Unternehmen weiterhin mit Tail-Down-Effekten von -6,5 Milliarden bis -7,5 Milliarden Euro und damit im zweiten Halbjahr mit deutlich mehr. Denn dann werde eine Reihe grösserer Investitionsprogramme das Ende ihrer Laufzeit erreichen, erklärte Layton. Investiert wurde im ersten Halbjahr für die Kunden eine Summe von 6,9 Milliarden US-Dollar. Kundengelder, die noch nicht investiert wurden («Dry Powder») würden innerhalb der nächsten zwei Jahren ihren Bestimmungszweck finden, sagte CEO Layton. Der Anteil Dry Powder am gesamten verwalteten Vermögen liege aktuell bei ungefähr 20 Prozent (hiesse: bei rund 16 Milliarden Euro). Man werde allerdings weiter wählerisch sein: So habe man 98 Prozent der im ersten Halbjahr gesichteten Gelegenheiten abgelehnt.

Übernahmen anderer Player ist kein Thema

Angesichts des starken Wachstums kam am Dienstag die Frage auf, ob man in Baar auch Übernahmen anderer Private-Equity-Gesellschaften in Betracht ziehe. Partners Group sei stets organisch gewachsen und man glaube, dass dies die bessere Strategie sei, so die Antwort.

Die Partners-Group-Aktie schloss am Dienstag bei knapp 789 Franken, gut 1,1 Prozent im Plus. Die Analysten der Bank Vontobel empfahlen beziehungsweise empfehlen den Titel zum Kauf.

Partners Group erwartet schwierigere Zeiten

Laut der Vermögensverwaltungsgesellschaft Partners Group werden Investitionen in ihrem Kerngeschäft, den nichtöffentlich handelbaren Finanzanlagen, anspruchsvoller.
Daniel Zulauf