Polizei toleriert mehrere hundert Demonstranten in Basel

Mehrere hundert Personen haben in der Basler Innenstadt am Freitag an einer 1.-Mai-Kundgebung teilgenommen. Die unbewilligte Demonstration wurde von der Polizei «aus Gründen der Verhältnismässigkeit» toleriert.

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In der Basler Innenstadt nahmen am Freitag trotz Versammlungsverbot rund 400 Demonstranten an einer unbewilligten 1- Mai-Kundgebung teil
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In der Basler Innenstadt demonstrierten am Freitag trotz Coronavirus-Massnahmen mehrere hundert Personen.

In der Basler Innenstadt nahmen am Freitag trotz Versammlungsverbot rund 400 Demonstranten an einer unbewilligten 1- Mai-Kundgebung teil

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
(sda)

Der Kundgebung schlossen sich nach 14 Uhr an der Klybeckstrasse im Kleinbasel nach und nach in kleineren Gruppen gegen geschätzt 400 Personen an. Der Demonstrationszug, der sich gegen 14.30 Uhr über die Mittlere Brücke in die Innenstadt in Bewegung setzte, verlief friedlich. Viele Teilnehmende trugen Schutzmasken und hielten Abstand zu den Mitmarschierenden.

Zur Kundgebung aufgerufen hatte ein revolutionäres 1. Mai-Bündnis Basel. Die Teilnehmenden wurden im Aufruf aufgefordert, Schutzmasken zu tragen und den nötigen Abstand zueinander einzuhalten, was allerdings nicht immer eingehalten wurde.

Die Polizei war mit Ausnahme von wenigen Uniformierten, die den Verkehr regelten, nicht sichtbar präsent. Die Polizei habe «aus Gründen der Verhältnismässigkeit» darauf verzichtet, die Kundgebung aufzulösen, sagte ein Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements JSD auf Anfrage. Man habe eine Eskalationen und die Aufsplitterung der Kundgebung in kleine Gruppen vermeiden wollen.

45 Teilnehmende von der Polizei verzeigt

Die Polizei kontrollierte am Rand des Demonstrationszugs 45 Personen, teilte das JSD am Freitagnachmittag in einer Medienmitteilung mit. Sie seien unter anderem wegen Verstosses gegen die Covid-19-Verordnung verzeigt worden.

Basler Politiker aus dem rechten und bürgerlichen Spektrum gaben per Twitter und in Medienmitteilungen ihrem Unmut über die Kundgebung Ausdruck. Die Basler SVP zeigte sich empört, dass die Demonstration trotz des schweizweit geltenden Versammlungsverbots von den Behörden nicht aufgelöst worden sei. Und der Basler CVP-Präsident Balz Herter forderte per Twitter Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) auf, einzugreifen.

Die Teilnehmer stimmten auf ihrem Marsch Sprechchöre an und führten Transparente mit sich. Auf diesen war unter anderem «Lang lebe der 1. Mai» oder «Die Krise war schon vorher da» zu lesen. Der Umzug führte über den Claraplatz über die Mittleren Brücke bis in die Grossbasler Innenstadt. Die Demonstranten begaben sich daraufhin über die Wettsteinbrücke zum Wettsteinplatz, wo sich die Kundgebung gegen 15.30 Uhr auflöste.