Pralinen-Verpacker wird zum Hightech-Joystick für die Raumfahrt

Üblicherweise verpacken Delta-Roboter beispielsweise Pralinen. Nun macht einer Karriere auf der Internationalen Raumstation als Hightech-Joystick: Das an der ETH Lausanne entwickelte System soll helfen, Erkundungsroboter fernzusteuern.

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ISS-Astronaut Luca Parmitano steuert von der Raumstation aus einen Rover auf der Erde. Dabei hilft ihm eine Art Hightech-Joystick: ein Steuerungs-Interface mit haptischem Feedback, das an der EPFL entwickelt wurde. (Bild: ESA)

ISS-Astronaut Luca Parmitano steuert von der Raumstation aus einen Rover auf der Erde. Dabei hilft ihm eine Art Hightech-Joystick: ein Steuerungs-Interface mit haptischem Feedback, das an der EPFL entwickelt wurde. (Bild: ESA)

(sda)

Reparaturen an Satelliten oder Erkundungen in lebensfeindlicher Umgebung auf dem Mond oder dem Mars: Die europäische Raumfahrtagentur Esa sucht nach Möglichkeiten, gefährliche Einsätze von ferngesteuerten Robotern ausführen zu lassen.

Erste Tests dazu laufen derzeit an Bord der ISS mit einem von EPFL-Forschenden entwickelten Steuerungs-Interface namens «sigma.7», das den Astronauten beim Fernsteuern auch haptisches Feedback gibt. Sie «spüren», was der ferngesteuerte Roboter tut.

Dieser Hightech-Joystick beruht auf einem sogenannten Delta-Roboter, einem Parallelarmroboter, den der EPFL-Forscher Reymond Clavel vor 34 Jahren erdachte. Delta-Roboter werden in der Industrie beispielsweise zum Verpacken von Pralinen oder Tabletten, aber auch für Montageaufgaben verwendet. Das neue Gerät stammt von einem EPFL-Spin-off namens «Force Dimension», wie die EPFL am Dienstag mitteilte.

Da es derzeit noch keine dafür geeigneten, fernsteuerbaren Roboter auf Mond oder Mars zum Ausprobieren gibt, testen die ISS-Astronauten das Steuerungs-Interface derzeit mit einem speziell dafür entwickelten Rover auf der Erde. Erste Versuche waren bereits erfolgreich, schrieb die EPFL. Der Roboter auf der Erde fuhr - von der ISS aus gesteuert - durch einen Hindernisparcours im Esa-Stützpunkt in Holland und sammelte Steine.

Das haptische Feedback sei so realitätsnah, dass die Astronauten, die den Roboter steuern, zwischen harten, weichen, glatten und rauen Oberflächen unterscheiden können, erklärte François Conti, einer der Mitgründer des Spin-offs. Zudem erreiche das Feedback die Astronauten nahezu in Echtzeit.

Zwischen Mond und Erde gibt es zwar eine Kommunikationsverzögerung von ein paar Sekunden, die Esa arbeite jedoch bereits an neuen Technologien, um diese Verzögerung zu kompensieren. Steuern die Astronauten den jeweiligen Roboter von einer Basis im Orbit oder auf der Mond- oder Marsoberfläche aus, ist die Verzögerung vernachlässigbar.