Regierung spricht Bündner Polizeichef das Vertrauen aus

Die Bündner Regierung hat dem kritisierten Kommandanten der Kantonspolizei das Vertrauen ausgesprochen, obschon bei der Verhaftung eines Whistleblowers im Unterengadin Fehler gemacht worden sind.

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Berichtverfasser Andreas Brunner (links) und der Bündner Regierungsrat Peter Peyer an einer Medienkonferenz zur von der Regierung beauftragten externen Untersuchung des Polizeieinsatzes gegen den Whistleblower Adam Quadroni. (Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Berichtverfasser Andreas Brunner (links) und der Bündner Regierungsrat Peter Peyer an einer Medienkonferenz zur von der Regierung beauftragten externen Untersuchung des Polizeieinsatzes gegen den Whistleblower Adam Quadroni. (Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

(sda)

Regierungsrat Peter Peyer (SP) sagte am Mittwoch vor den Medien in Chur, er wolle weiter mit jenen Personen zusammenarbeiten, die in den Fall des Whistleblowers Adam Quadroni involviert gewesen seien. Und die Regierung habe diesen Personen das Vertrauen ausgesprochen. Quadroni hatte das Bündner Baukartell auffliegen lassen, worauf die Wettbewerbskommission (Weko) mehrere illegale Absprachen ermittelte und Bussen aussprach.

Die Bündner Kantonsregierung stärkte am Mittwoch vor allem Walter Schlegel den Rücken, dem Kommandanten der Kantonspolizei. Schlegel war tags zuvor von einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) deutlich kritisiert worden.

Ein weiterer Bericht

Der Kommandant soll bei der Verhaftung Quadronis am 15. Juni 2017 die Gesamtführungsverantwortung zu wenig wahrgenommen haben. Der Whistleblower wurde damals von Polizeigrenadieren überwältigt, gefesselt nach Chur gefahren und dort vier Tage in eine psychiatrische Klinik gesteckt.

Nach dem Bericht der PUK wurde am Mittwoch jener des von der Regierung eingesetzten externen Fachmanns Andreas Brunner veröffentlicht. Brunner ist ehemaliger Leitender Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich. In der Administrativuntersuchung beleuchtete er die Rolle sämtlicher Beteiligter des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit bei den Polizeieinsätzen am Wohnort des Whistleblowers.

Whistleblower völlig ungefährlich

Als Quintessenz gibt Brunner total 19 Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Arbeit der Bündner Behörden ab, darunter die Sensibilisierung und Schulung von Polizeioffizieren in Kontroll- und Führungsaufgaben. Der Verfasser betonte am Mittwoch, Graubünden brauche dringend ein Bedrohungsmanagement. Die Regierung hat diese Empfehlung bereits in das nächste Regierungsprogramm aufgenommen.

Brunners Bericht schildert die drei Polizeieinsätze am Wohnort des Whistleblowers weitgehend identisch wie das die PUK machte. Der externe Fachmann handelte im Auftrag der Regierung, die Einsetzung einer Untersuchungskommission beschloss das Kantonsparlament später von sich aus. Überschneidungen in den Schlussbericht wurden dadurch unvermeidlich.

Brunner äusserte sich ebenfalls dazu, ob von Whistleblower Quadroni wegen angeblich ausgestossener Drohungen eine Gefahr ausging oder im Juni 2017, vor dessen Verhaftung, die Möglichkeit eines Suizides oder eines erweiterten Suizides bestand. Beides verneinte der Fachmann kategorisch. Das Telefon von der Ehefrau Quadronis an den Postenchef der Kantonspolizei sei ausschlaggebend gewesen für die Festnahme.

Im Weiteren fand auch Brunner keine Anhaltspunkte dafür, dass Mitglieder des Baukartells die Behörden im Vorgehen gegen Quadroni instrumentalisiert hätten. Die drei Polizeieinsätze am Wohnort des Whistleblowers waren zurückzuführen auf die angespannte familiäre Situation. Nachdem Quadroni aus dem Baukartell ausgestiegen war, verschlechterten sich die berufliche und familiäre Situation zunehmend, was zu Spannungen in der Ehe führte.