Regionale Unterschiede: An der Goldküste arbeiten Frauen am meisten

Der Schweizer Kantönligeist ist eine Plattitüde, aber nichtsdestoweniger manchmal wahr. Das zeigt sich an den Karten zu den regionalen Disparitäten, welche das Bundesamt für Statistik in seinem interaktiven Statistischen Atlas frisch nachgeführt hat.

Drucken
Teilen
Die Zürcher Goldküste - hier Erlenbach - ist eine habliche Gegend. Dennoch haben nirgendwo anders in der Schweiz Frauen einen so hohen Anteil an der geleisteten Erwerbsarbeit. Das ist eine der Informationen, die sich aus dem interaktiven Atlas des Bundesamts für Statistik entnehmen lässt.

Die Zürcher Goldküste - hier Erlenbach - ist eine habliche Gegend. Dennoch haben nirgendwo anders in der Schweiz Frauen einen so hohen Anteil an der geleisteten Erwerbsarbeit. Das ist eine der Informationen, die sich aus dem interaktiven Atlas des Bundesamts für Statistik entnehmen lässt.

Keystone/MARTIN RUETSCHI
(sda)

In der Stadt Zürich haben sechs von zehn 25- bis 64-Jährigen eine tertiäre Ausbildung. Im Emmental und im Berner Oberland nehmen dagegen nicht einmal ein Viertel die Mühen einer Hoch- oder Fachhochschulbildung auf sich.

In den Gegenden um Biasca, Zermatt und La Chaux-de-Fonds lassen es fast ein Drittel der Bewohner bei der obligatorischen Schulbildung bewenden, während an der Zürcher Goldküste nicht einmal sieben Prozent auf dieser tiefen Stufe stehen bleiben. Der Gegensatz zwischen gebildeter Urbanität und ungebildeter Provinzialität ist augenfällig und mutet fast altertümlich an.

Mitunter widerlegt die Statistik aber auch Vorurteile: An der «reichen» Goldküste zwischen Küsnacht und Meilen haben die Frauen den schweizweit höchsten Anteil am erbrachten Beschäftigungsvolumen, nämlich 47,5 Prozent. In der klassischen Arbeitergegend Dietikon-Schlieren wird dagegen nur 34,9 Prozent der erbrachten Arbeit von Frauen geleistet.

Unterwallis und Tessin im Aufbruch

Wer einen neuen Job in einem neu gegründeten Unternehmen sucht, sollte Bern meiden: Dort beträgt die Wachstumsrate solcher Arbeitsplätze nur 3,2 Prozent, so wenig wie sonst nirgends in der Schweiz. Am stärksten prosperieren in dieser Hinsicht das Unterwallis und das Tessin, mit der Gegend um Lugano als Spitzenreiter: Die Wachstumsrate der neu entstandenen Arbeitsplätze in neu gegründeten Unternehmen betrug dort 2013 bis 2017 13,7 Prozent, mehr als doppelt so viel wie im Schweizer Durchschnitt.

Die meisten Arbeitslosen auf 100 Erwerbstätige - nämlich 4 - trifft es in Biasca, eine der Gegenden mit den meisten ungebildeten Schulabgängern. Hoch ist die Rate auch in der Genferseeregion und im Jura, wo im Schnitt auf 100 Arbeitende mehr als 3 Erwerbslose kommen. Dieselben Gegenden beherbergen auch die meisten Jugendlichen: mit 30 bis 40 unter 19-Jährigen auf hundert 20- bis 64-Jährige.

Grosse Füsse, Wasserkopf und dünner Torso

Demografisch ist der Mittelbau schwach: Schweizweit beträgt der Anteil der unter 20-Jährigen knapp ein Drittel, nur wenig mehr als die Rentner. Die 20- bis 64-Jährigen sind also mit gut einem Drittel anteilmässig klar unterlegen.

Den höchsten Altersquotienten hat wie zu erwarten das Tessin: In Faido trifft es fast 50 über 65-Jährige auf hundert 20-64-Jährige, in Locarno immerhin 45. Aber auch in Zweisimmen-Lenk, Meiringen, Ilanz und Pruntrut liegt de Anteil der über-65-Jährigen bei über 40, bei einem Gesamtschweizer Schnitt von 30.

«Regionale Disparitäten» ist der letzte von 21 Teilbereichen des Statatlas Schweiz. Er ist - wie die anderen auch - in zahlreiche Unterbereiche aufgeteilt, die ihrerseits in Jahrgänge geordnet sind. Die interaktiven Karten sind kostenlos für die Allgemeinheit zugänglich und leicht zu bedienen - für Wirtschaft und Institutionen ein Arbeitsinstrument, für den Alltag eine Einladung zum Schmökern.

Interaktiver Statistischer Atlas der Schweiz: https://www.atlas.bfs.admin.ch/maps/13/de/7494_7437_7434_7261/24130.html