Schweiz ist bei Digitalisierung im Gesundheitswesen im Rückstand

Die Schweiz ist bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen laut einer Studie im Hintertreffen. Die technischen und politischen Voraussetzungen in der Schweiz sind aber laut Gesundheitsminister Alain Berset grundsätzlich gut für die digitale Transformation.

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Die Einführung des elektronischen Patientendossiers muss nach den Worten von Gesundheitsminister Alain Beset gelingen. (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Die Einführung des elektronischen Patientendossiers muss nach den Worten von Gesundheitsminister Alain Beset gelingen. (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

(sda)

Die Bertelsmann Stiftung habe die Schweiz in ihrem Digital-Health-Rating vor Kurzem den Spiegel vorgehalten, sagte Berset laut Redetext an der nationalen Konferenz Gesundheit 2020 vom Donnerstag in Bern. Die Schweiz liege auf dem 14. und damit viertletzten Platz und habe gemäss der Studie «den Anschluss an andere digitalisierte Länder noch nicht gefunden».

Darauf, dass die technischen und politischen Voraussetzungen in der Schweiz gut und das Vertrauen ins Gesundheitssystem gross sei, müsse aufgebaut werden. Alle Akteure stünden in der Verantwortung, denn die Einführung des elektronischen Patientendossiers müsse gelingen.

Es werde die Qualität der Behandlungen und die Patientensicherheit verbessern. «Wir sind überzeugt, dass die Abläufe in der Gesundheitsversorgung mit dem elektronischen Patientendosier einfacher und effizienter werden», sagte Berset laut Redetext. Und: «Wir sind hier allerdings langsam unterwegs und der Weg zum funktionierenden, allumfassenden elektronischen Dossier ist noch weit.»

Die Digitalisierung sei weit mehr als das elektronische Patientendossier, aber es sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine erfolgreiche Digitalisierung im Gesundheitswesen.

350'000 Gesundheits-Apps

Berset wies auch darauf hin, dass es derzeit rund 350'000 Gesundheits-Apps für Smartphones gebe und jeden Tag kämen 200 neue hinzu. Die neuen technischen Möglichkeiten weckten grosse Hoffnungen, würfen aber auch neue Fragen auf, so etwa die Wirksamkeit und die Sicherheit.

Eine Herausforderung sei es, aus dem Hype der Wellness-Apps herauszufinden, wo tatsächlich ein Potenzial und ein Mehrwert für das Individuum und das Gemeinwohl liege. Zu diskutieren sei etwa eine Zertifizierung von Anwendungen oder ein Gütesiegel oder die Empfehlung verbindlicher Standards, damit die Vernetzung von Anwendungen und Daten funktioniere.

«Wir müssen uns auch fragen, ob es neue rechtliche Grundlagen zur Nutzung von Gesundheits-Apps im medizinischen Umfeld und mehr Datenschutz braucht», sagte Berset gemäss Redetext weiter.

Selbstverantwortung sei in der Digitalisierung wichtig und nötig. Das Solidaritätsprinzip dürfe nicht darunter leiden. Berset warf auch die Frage auf, wie sich der Druck zur Selbstoptimierung auf diejenigen Menschen auswirke, die nicht täglich 10'000 Schritte machen könnten: Es dürfe nicht diskriminiert werden, wer sich nicht selbst optimiere.