Start des europäisch-russischen Mars-Rovers auf 2022 verschoben

Eigentlich wollten die Raumfahrtagenturen Esa und Roskosmos dieses Jahr einen Rover zum Roten Planeten schicken. Nun haben sie den Start auf 2022 verschoben. Teilweise sind Schwierigkeiten aufgrund der Coronavirus-Pandemie dafür verantwortlich.

Hören
Drucken
Teilen
Der ExoMars-Rover Rosalind Franklin, hier als Modell im Marslabor der Uni Basel in Witterswil, muss noch eine Weile auf seine Reise zum Mars warten.

Der ExoMars-Rover Rosalind Franklin, hier als Modell im Marslabor der Uni Basel in Witterswil, muss noch eine Weile auf seine Reise zum Mars warten.

KEYSTONE/PATRICK STRAUB
(sda)

Befürchtet hatten es einige bereits, nachdem es zu Problemen bei den Tests der Fallschirme für die Landung auf dem Mars kam. Dann kam noch die Coronavirus-Epidemie hinzu. Nun herrscht Gewissheit: Die europäisch-russische ExoMars-Mission mit einer Landeplattform und einem Rover für den Mars wird dieses Jahr nicht mehr starten, wie Esa und Roskosmos am Donnerstag mitteilten. Es brauche mehr Zeit, um alle Tests abzuschliessen. Erst zwischen August und Oktober 2022 soll die Mission nun zum Roten Planeten aufbrechen.

Man wolle auf Nummer sicher gehen, betonte Esa-Generaldirektor Jan Wörner. Weitere Aktivitäten seien nötig, um eine sichere Reise und die besten wissenschaftlichen Ergebnisse auf dem Mars zu gewährleisten. Ausserdem behindern die derzeitige Coronavirus-Pandemie und die damit einhergehenden Reisebeschränkungen die Vorbereitungen für den Start. «Wir haben eine schwierige, aber gut abgewogene Entscheidung getroffen, den Start auf 2022 zu verschieben», sagte Roskosmos-Generaldirektor Dmitry Rogozin gemäss der Mitteilung.

Dass der Start um zwei Jahre verschoben werden musste, hängt mit den Positionen von Erde und Mars zueinander zusammen. Nur alle zwei Jahre gibt es geeignete Zeitfenster für den Start, die auch jeweils nur zehn Tage dauern.

Suche nach Lebenszeichen

Die Mission ExoMars (für «Exobiologie auf dem Mars») hat zum Ziel, nach Spuren von gegenwärtigem oder vergangenem Leben auf dem Mars zu suchen. Der Rover mit dem Namen «Rosalind Franklin» soll mehrere Instrumente tragen, an denen auch Schweizer Forschende beteiligt sind.

Insbesondere wurde ein Kamerasystem namens «Clupi» (Close-Up Imager) vom Swiss Space Office finanziert und unter der Leitung des Space Exploration Institute in Neuenburg entwickelt. Beteiligt ist auch das Naturhistorische Museum Bern, sowie die Universität Basel.

Der Rover trägt ausserdem einen Bohrer, um Proben aus dem Untergrund zu entnehmen und in einem eingebauten Minilabor auf Spuren von Leben zu untersuchen.

Zeit für zusätzliche Tests

Die Verschiebung des Starts auf 2022 sei zwar schade, erklärte Jean-Luc Josset vom Space Exploration Institute im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Aber es gibt uns zusätzliche Zeit, Messungen durchzuführen, um CLUPI zu kalibrieren und alle Parameter des Betriebs auszutesten», so der Leiter des Wissenschaftsteams für das Instrument.

Die ExoMars-Mission ist zweigeteilt: Bereits 2016 erreichte ein Orbiter den Roten Planeten. An Bord liefert eine an der Universität Bern entwickelte hochauflösende Stereo-Farbkamera namens «Cassis» regelmässig beeindruckende Bilder der Marsoberfläche. Der ExoMars-Lander «Schiaparelli», der 2016 auf dem Roten Planeten aufsetzen sollte, stürzte allerdings beim Landeversuch aufgrund eines Computerfehlers ab.