Sunrise nutzt vorerst Teil der ersteigerten Frequenzen nicht für 5G

Sunrise verzichtet vorerst auf die Nutzung eines Teils der neu ersteigerten Frequenzen für die neue Mobiltechnik 5G.

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Sunrise nutzt nicht alle ersteigerten Frequenzen. (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

Sunrise nutzt nicht alle ersteigerten Frequenzen. (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

(sda/awp)

Grund dafür ist einerseits, dass die Geschwindigkeiten auf diesen Frequenzen mit 5G nicht wesentlich grösser seien als das Tempo auf der bisherigen Spitzentechnik 4G+.

Zudem seien kaum kompatible Handys verfügbar, schrieb Sunrise am Freitag in einem Communiqué. Dabei geht es um die Frequenzen 700 bis 2600 Megahertz (MHz), die Anfang Jahr vom Bund versteigert worden waren.

Gerade die 700 MHz-Frequenzen, die früher für die TV-Übertragung via Zimmerantenne verwendet worden waren, haben eine grosse Reichweite und decken auch das Innere von Gebäuden sehr gut ab. Das würde den Vorteil bringen, dass man eine breitflächige 5G-Abdeckung erreichen würde, erklärte Sunrise.

Aber die Geschwindigkeit beim Surfen und die Reaktionszeiten (sog. Latenz) würden sich nicht wesentlich von der schnellsten 4G-Variante unterscheiden. Es könnte sogar sein, dass diese bei schlechtem Empfang unter jenen von 4G liegen würden.

«Der Endnutzer bekommt vielleicht ein paar hundert Megabit pro Sekunde (Mbit/s), aber sicher nicht über 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s)», sagte Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold auf Anfrage. Deshalb habe man entschieden, den 5G-Ausbau auf den Frequenzen 700 bis 2600 MHz bis auf weiteres aufzuschieben.

Keine Reaktion auf 5G-Gegner

Der Schritt sei keine Reaktion auf den hartnäckigen Widerstand von Teilen der Bevölkerung und der Politik gegen 5G, sagte Ziebold. Im Gegenteil: Denn gerade mit den 700-MHz-Frequenzen würde man deutlich weniger Antennen benötigen als mit höheren Frequenzen.

Grundsätzlich gilt: Je tiefer die Frequenzen, desto höher wird die Reichweite, desto weniger Antennen sind nötig. Allerdings nimmt die Geschwindigkeit ab. Umgekehrt können auf höheren Frequenzbändern mehr Daten übertragen werden als auf tieferen.

Und darauf setzt Sunrise beim Ausbau der Rennstrecke im Mobilfunk. Deshalb verwendet der zweitgrösste Schweizer für 5G lediglich die hohen Frequenzen im Bereich 3500 MHz, um eine Surfgeschwindigkeit von bis zu 2 Gbit/s zu erreichen. Das ist allerdings das Spitzentempo, das im Alltag kaum je erreicht wird. Denn dafür müsste man eine 5G-Antenne praktisch für sich alleine haben.

Aus Speedtests gehe hervor, dass Sunrise-Kunden im Durchschnitt auf Mobilgeräten mit mehreren hundert Mbit/s im Internet surfen würden. Das sei zehnmal schneller als mit 4G im Schnitt, teilte Sunrise mit. Auch die Reaktionszeiten seien 2,5 Mal kürzer. Damit würden sich 5G-Smartphones für ruckelfreies Gaming eignen.

Sunrise vor Swisscom

Sunrise konzentriere sich beim 5G-Ausbau auf die Kantone und Gemeinden, die rasch vom technologischen Fortschritt profitieren wollten. In den Kantonen und Gemeinden, die mit Moratorien, Bewilligungssistierungen und strengeren Verfahrensanforderungen auf eine Verzögerungstaktik gesetzt haben, muss mit einem Abdeckungsrückstand von über 30 Prozent gegenüber den anderen Kantonen und Gemeinden gerechnet werden, hiess es weiter.

Derzeit erreicht Sunrise in 309 Gemeinden eine 5G-Abdeckung von mindestens 80 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: Branchenprimus Swisscom hat mit der neuen Mobilfunktechnik 160 Gemeinden erschlossen.