Tanzfilm «720°» als Hommage an das St. Galler Theatergebäude

Das Theater St.Gallen wird renoviert. Die Tänzerinnen und Tänzer haben sich mit einem Tanzfilm vom Grossen Haus verabschiedet. «720°» ist eine Hommage an den Theaterbau, bei der Tanzchef Kinsun Chan auch sein Talent als Regisseur unter Beweis stellt.

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Ungewöhnlichen Ansichten: Szene aus dem Tanzfilm «720°» des Tanzensembles des Theater St. Gallen.
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Das St. Galler Tanzensemble nutzte die «Zwischenzeit» während des Corona Lockdowns für den Dreh eines Tanzfilms. «720°» ist eine Hommage an die Architektur des Theatergebäudes.
Der St. Galler Tanzchef Kinsun Chan ist nicht nur für die Choreografie des Tanzfilms «720°» verantwortlich, er führte auch Regie. Der Film wird auch an Tanzfilmfestivals zu sehen sein.
Spiel mit Licht und Schatten: Der Tanzfilm «720°» des St. Galler Tanzensembles ist eine Hommage an das über 50-jährige Theatergebäude, das nun renoviert wird.

Ungewöhnlichen Ansichten: Szene aus dem Tanzfilm «720°» des Tanzensembles des Theater St. Gallen.

Theater St. Gallen
(sda)

Das Grosse Haus ist das Herzstück des Theaters St. Gallen. Über 400 Mal hebt sich jährlich der Vorhang in dem Bau von Claude Paillard im St. Galler Museumsviertel, in dem rund 700 Zuschauer Platz finden. Am 15. März 1968 wurde das Gebäude mit Ludwig van Beethovens «Fidelio» eröffnet. Nach über 50 Jahren ist es technisch und räumlich an seine Grenzen gestossen. Vom Sommer 2020 bis zum Herbst 2022 wird das Haus einer Totalsanierung unterzogen.

Bevor die Renovierungsarbeiten beginnen, hat Tanzchef Kinsun Chan einen Tanzfilm als vorläufigen Abschied vom Gebäude gedreht. «Wir waren die erste Sparte, die nach dem Lockdown wieder mit den Proben begonnen hat», sagt der Choreograf, der die Idee für den Film schon zu Beginn seiner ersten Spielzeit in St. Gallen hatte. Die Zeit, als das Gebäude leer stand, nutzten Chan und sein Team für den Dreh des Films.

Schwarz-Weiss

Mit dem Tanzfilm «720°» würdigt der Choreograf und Designer den Theaterbau. Die Architektur des Gebäudes basiert auf dem Hexagon, das als gleichseitiges Sechseck 720 Grad ergibt. Chan, der auch Regie führte, orientierte sich bewusst an den Linien des Gebäudes.

Die 16 Tänzerinnen und Tänzer erforschen in dem knapp achtminütigen Schwarz-Weiss-Film verschiedene Orte des Theaters und enthüllen überraschende Perspektiven und Ansichten: Das Theaterfoyer wird genauso zum Tanzplatz wie die Toiletten oder die Rückseite des Gebäudes.

Das Theater lebt von Empfindungen wie Liebe und Hass, der Tanzfilm «720°» von seiner starken visuellen Kraft: Düstere Treppenschluchten, mysteriöse Schattenspiele und spinnenartige Bewegungen erinnern an den «Film Noir». Hinter der Kamera stand Reto Müller von der Videoabteilung des Theaters St. Gallen.

Theater als Klanghaus

Auch die Musik zum Film hat ihren Ursprung im Theater. «Wir wollten die Klänge des Gebäudes wiedergeben», sagte Kinsun Chan. Maximilian Näscher, Musiker des Sinfonieorchesters, wurde dabei von den Materialien, aus denen das Theater erbaut wurde, inspiriert.

Das aus Beton gebaute Theater wurde 1968 eingeweiht, erntete Kritik und Lob der Öffentlichkeit, behauptete sich über die Jahre hinweg und ist nun ein denkmalgeschütztes Wahrzeichen der Stadt St. Gallen.

Etwas Bleibendes wollte auch der Tanzchef erschaffen: «Ein Film ist im Gegensatz zu den Auftritten im Theater etwas, das Bestand hat.» Das grosse Publikum hat «720°» noch nicht erreicht. Das könnte sich bald ändern: Der Tanzchef will den Film im kommenden Herbst bei internationalen Tanzfilmfestivals einreichen.

www.theatersg.ch