Tausende demonstrieren am Bodensee für oder gegen Corona-Politik

Am Bodensee haben am Wochenende tausende Menschen für oder gegen die Corona-Auflagen demonstriert. An die Kundgebungen in Kreuzlingen und Konstanz kamen allerdings weniger Teilnehmer als erwartet.

Drucken
Teilen
«Querdenker» bilden am Samstag in Konstanz eine Menschenkette.
2 Bilder
Demonstranten der Antifaschistischen Aktion und Corona-Skeptiker werden von der Polizei voneinander abgeschirmt, am Sonntag in Konstanz.

«Querdenker» bilden am Samstag in Konstanz eine Menschenkette.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
(sda/dpa)

Nennenswerte Vorkommnisse gab es laut Polizei nicht. Am Sonntag bewegten sich viele Demonstrierende in kleinen Gruppen entlang der Seepromenade in Kreuzlingen und Konstanz. Mit Kartons, Buttons und auf T-Shirts gaben sie ihren unterschiedlichen Meinungen Ausdruck. Da und dort kam es zu Diskussionen.

Beim Riesenrad in «Klein Venedig» skandierten am Nachmittag Mitglieder der «Antifaschistischen Aktion» ihre Parolen, abgeschirmt von einem grossen Polizeiaufgebot. «Corona ist kein Fake! " oder «Sei kein Trump!» stand auf Transparenten.

Auch eine Gruppe linker Gegendemonstranten aus Kreuzlingen zog am Samstag und Sonntag jeweils an den versammelten Corona-Skeptikern, Impfgegnern und Querdenkern vorüber. «Meinungsfreiheit und Grundrechte ja - Rechtsradikale tolerieren und den Gesundheitsschutz anderer ignorieren nein», hiess es auf einem Transparent.

«Spread Love, not Corona»

Die Corona-Massnahmen dürften durchaus kontrovers diskutiert werden, sagte Organisatorin Charis Kuntzemüller von der SP Kreuzlingen. Man solidarisiere sich auch mit den über 20 Bürgerinitiativen aus Konstanz, die unter dem Motto «Spread Love, not Corona» für Corona-Massnahmen demonstrierten.

Eine von Gegnern der Corona-Politik geplante Menschenkette auf der deutschen Seeseite konnte am Samstag wegen zu niedriger Teilnehmerzahlen nicht geschlossen werden. Zu der Aktion hatten die Veranstalter bis zu 130'000 Menschen erwartet, laut Polizei nahmen entlang der Strecke 10'000 bis 11'000 Menschen teil.

Am Sonntag versammelten sich in Konstanz Kritiker der Corona-Auflagen zu einer weiteren Kundgebung, deren Teilnehmerzahl ein Konstanzer Mitinitiator laut Südwestrundfunk mit rund 3000 bezifferte. Eine Kundgebung beim Kreuzlinger Hafen konnte nur einige Dutzend Leute mobilisieren.

Laut Polizei keine Zwischenfälle

Laut dem Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei, Matthias Graf, war die Lage am Sonntag ruhig, es gab keine Zwischenfälle. Insgesamt waren für das Wochenende rund 30 Versammlungen angemeldet worden. Einige fielen am Samstag mutmasslich wegen Regenwetters aus. Auch am Sonntag wurde ein Demonstrationszug laut Polizei vom Veranstalter abgesagt.

Ein Grossteil der Veranstaltungen war nicht von Kritikern der Gesundheitsmassnahmen angemeldet worden. Nach Angaben der Stadt traten die Versammlungen mehrheitlich für Themen wie Solidarität, Verantwortung in Zeiten der Corona-Krise und den Kampf gegen Antisemitismus ein.

Die Auflagen der Stadt Konstanz für die Versammlungen waren streng. Um Abstandsregeln zu garantieren, mussten die Veranstalter pro 50 Teilnehmer vier Ordner stellen. Zudem waren Reichskriegsflaggen, Kaiserreichsflaggen und Zeichen verboten, die einen deutlichen Bezug zur Zeit oder zu den Verbrechen des Nationalsozialismus haben.