Tessin: Schulen öffnen am 11. Mai

Auch im Tessin nehmen am 11. Mai die Schulen ihren regulären Betrieb wieder auf. Ein strenges Sicherheitskonzept soll verhindern, dass sich dadurch das Virus wieder stärker verbreitet. Gegen den Entscheid der Regierung stellt sich die Stadt Lugano.

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Die Stadt Lugano will die Kinder weiterhin aus der Ferne unterrichten - mit zwei Ausnahmen. Im Bild eine Schüler-Garderobe der Primarschule Besso in Lugano.

Die Stadt Lugano will die Kinder weiterhin aus der Ferne unterrichten - mit zwei Ausnahmen. Im Bild eine Schüler-Garderobe der Primarschule Besso in Lugano.

KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI
(sda)

Die Schule stelle eine wichtige Säule der Gesellschaft dar, sagte Bildungsdirektor Manuele Bertoli zu Beginn der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Nach der Familie sei die Schule der zweite wichtige Bezugspunkt der Kinder.

«Wir öffnen die Schulen wieder - aber mit Vorsicht», hielt Bertoli fest. Die Regierung habe einen strengen Sicherheitsplan verabschiedet - «wohl den sichersten der ganzen Schweiz», wie Bertoli anmerkte. Das sei richtig so, denn das Tessin sei von der Pandemie stärker getroffen worden als die übrige Schweiz.

Dieser speziellen Situation trägt die Regierung Rechnung. Sie lässt den Gemeinden genügend Zeit, um die Wiederaufnahme des Normalbetriebs vorzubereiten und erlaubt auch eine um sieben Tage nach hinten geschobene Öffnung der Schulen am 18. Mai. Zudem ist der Besuch des Kindergartens freiwillig.

Mittelschule baut weiterhin auf Fernunterricht

Die Regierung begleitet die Wiedereröffnung der Schulen mit zahlreichen detaillierten Massnahmen. Unter anderem sind für die Primarschule maximal halbe Klassen vorgesehen - dies erlaube die nötige physische Distanz, erklärte Bertoli. Die einzelnen Primarschulen sind angehalten, den Ein- und Austritt aus dem Schulhaus gut zu organisieren, um unnötige Kontakte zwischen Schülern und Lehrer sowie zwischen Schülern und Eltern zu vermeiden.

Für den Unterricht an den Mittelschulen bleibt der Fernunterricht die Basis, wie Bertoli erklärte. Für einzelne Module ist eine Präsenzzeit vorgesehen. Diese soll jedoch maximal zweieinhalb Tage pro Woche einnehmen. Pausen sollten unbedingt in kleinen Gruppen verbracht werden, hält die Regierung in ihrem ausführlichen Dekret fest.

Um zu verdeutlichen, dass Kinder entgegen früherer Ideen keine Treiber der Pandemie seien, präsentierte Kantonsarzt Giorgio Merlani einige Zahlen: Von 3210 positiv Getesteten im Tessin waren 62 zwischen 10 und 19 Jahre alt. Nur 0,3 Prozent der bisher positiv Getesteten seien Kinder bis 9 Jahre gewesen, hielt Merlani fest.

Lugano sperrt sich gegen Schulöffnung

Am Rande der Medienkonferenz wurde publik, dass sich die Stadt Lugano gegen die Öffnung der Schulen stellt. Sie schlägt vor, die Schülerinnen und Schüler weiterhin aus der Ferne zu unterrichten und ausschliesslich die Kinder des zweiten Kindergartenjahres sowie der fünften Primarschule wieder in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule kommen zu lassen. Dies, um den Übergang zur nächsten Stufe sicherzustellen, wie es in der Mitteilung heisst.

Die Stadt Lugano hält in einer Medienmitteilung fest, dass nur auf diese Weise die Distanz- und Hygienemassnahmen umsetzbar seien. Zudem könnten arbeitstätige Eltern einem komplizierten Stundenplan mit halben Klassen und neuen Abhol- und Bringzeiten kaum Folge leisten.

Bertoli reagierte auf die Frage der Medienschaffenden, was die Regierung mit der Opposition Luganos zu tun gedenke, kühl. Ein Unterrichtsmodell, das die Schule als Institution negiere, könne er nicht akzeptieren, sagte der Bildungsdirektor. Die Schulen verfügten über zahlreiche organisatorische Freiheiten, aber dass sie wieder öffnen werden, stehe fest.

Letztendlich sei es eine Haltungsfrage, resümierte Bertoli. Jede Gemeinde habe ihre eigenen Schwierigkeiten, denen sie Rechnung tragen müsse. Wenn sie kommuniziere, dass sie nach Lösungen suche, sei das eines - zu sagen «wir machen es nicht», etwas anderes. «Diese Haltung ist nicht vereinbar mit der Funktion der Schule in einer Demokratie.»