Tiere lernen durch Beobachtung und aus Erfahrung

Um zu Überleben, müssen Tierkinder viel lernen. Dabei sind manche praktisch auf sich allein gestellt und müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Andere können sich wichtige Verhaltensweisen von ihren Müttern und Artgenossen abschauen.

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Junge Orang-Utans lernen komplexe Verhaltensweisen, indem sie ihre Mütter genau beobachten.

Junge Orang-Utans lernen komplexe Verhaltensweisen, indem sie ihre Mütter genau beobachten.

KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER
(sda)

Passend zum Schulanfang hat der Zoo Zürich am Mittwoch über das Thema Lernen und Lehren im Tierreich informiert. So müssen sich etwa kleine Schildkröten alles selbst beibringen. Mutter und Vater spielen keine Rolle, wie Zookurator Pascal Marty erklärte.

Versuch und Irrtum

Wo es beispielsweise gutes Futter gibt, lernt eine Schildkröte durch Instinkt und aus Erfahrung. Dabei spielt auch der Zufall eine Rolle, also Lernen durch Versuch und Irrtum.

Doch auch Schildkröten können nicht nur individuell lernen sondern auch von Artgenossen. Wenn sie beispielsweise eine andere Schildkröte dabei beobachten, wie diese einem Hindernis ausweicht, so sei es wahrscheinlicher, dass sie danach auch den richtigen Weg nehmen, sagte Marty.

Lebenslanges Lernen

Ganz anders ist dies bei Tieren, die in sozialen Strukturen leben und sich etwa auch handwerkliche Fähigkeiten aneignen müssen. Bestes Beispiel für das Erlernen komplexer Zusammenhänge sind Orang-Utans. Bei diesen dauert es jahrelang bis sie sich die zum Überleben notwendigen Fähigkeiten angeeignet haben.

So lernt ein junger Orang-Utan die ersten acht Jahre alles von seiner Mutter, etwa welche Früchte geniessbar sind. Dabei seien die Tiere äusserst konservativ, sagte Marty. So essen die Jungen praktisch zu 100 Prozent das, was ihre Mütter zu sich nehmen. Unbekanntes lassen sie liegen.

Doch nicht nur die Wahl der richtigen Futterpflanzen muss ein kleiner Orang-Utan lernen. Er muss auch üben, wie man ein stabiles Schlafnest baut. Dazu beobachten er interessiert, wie die Mutter dabei vorgeht. Die Konstruktion ist äusserst anspruchsvoll und es dauert Jahre, bis die Jungen zum ersten Mal im selbstgebauten Nest schlafen können. Damit es irgendwann klappt, trainieren sie täglich mehrmals, Stöcke zu biegen und diese ineinander zu stecken.

Mit fortschreitendem Alter interessieren sich Orang-Utans für das Verhalten anderer Artgenossen und lernen durch Beobachtung auch Verhaltensweisen, die die eigene Mutter nicht zeigt. Dadurch können sich beispielsweise neue Techniken, um an Nahrung zu gelangen, innerhalb einer Population verbreiten.

Werden solche Verhaltensweisen über soziales Lernen von Generation zu Generation weitergegeben, spricht man von Kultur.