Universität Freiburg ergreift Massnahmen gegen sexuelle Belästigung

Offenbar werden Medizinstudierende im Praktikum öfter Opfer von sexueller Belästigung. Die Universität Freiburg hat deshalb proaktiv eine mehrspurige Massnahmekampagne zur Prävention erarbeitet.

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Wie das Lausanner Unispital CHUV (Bild: Infobroschüre 2018) führen nun auch die Uni Freiburg und zwei korrespondierende Institutionen eine Kampagne gegen sexuelle Belästigung von Medizinstudierenden durch.

Wie das Lausanner Unispital CHUV (Bild: Infobroschüre 2018) führen nun auch die Uni Freiburg und zwei korrespondierende Institutionen eine Kampagne gegen sexuelle Belästigung von Medizinstudierenden durch.

Keystone/ADRIEN PERRITAZ
(sda)

Umfragen hätten gezeigt, dass sexuelle Belästigung von Studien-Praktikantinnen und -Praktikanten in Spitälern ein bekanntes Problem sei, teilte die Universität am Freitag mit. 92 Prozent der befragten Medizinstudierenden der Uni bestätigten, schon davon gehört zu haben. 54 Prozent entwickelten sogar Ängste, in ihren künftigen Praktika selber belästigt zu werden. Bevor etwas passiert, haben drei betroffene Institutionen proaktiv Massnahmen ergriffen.

Die Universität Freiburg (Unifr), das freiburger spital (HFR) und das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit (RFSM) haben ein Pilotprogramm mit drei Schwerpunkten ins Leben gerufen: Ausbildung, Information und Begleitung.

Ein Ausbildungskurs soll Studienanfänger für das Thema sensibilisieren. In Form eines Theater-Forums sollen Studierende befähigt werden, als Zeugen oder Opfer damit umgehen zu können.

Was darf man, was nicht? Und wo gibt's Hilfe?

Eine Informationskampagne wird in den Gebäuden aller drei Partnerinstitutionen des Masters in Medizin (HFR, RFSM, Unifr) sowie in den Arztpraxen durchgeführt, um die inner- und ausserinstitutionellen Strukturen sichtbar zu machen, die den Studierenden helfen können.

Diese Kampagne informiert auch die Dozierenden, das Ausbildungspersonal in den Spitälern und jenes in den Arztpraxen über die Gesetze und Richtlinien betreffend den Masterstudiengang. Über den QR-Code auf den Plakaten ist zudem eine Website verfügbar, die alle notwendigen Informationen über das Pilotprogramm sowie über sexuelle Belästigung und Sexismus während der Praktika enthält (www.unifr.ch/go/imf-respect).

Ombudsstelle vor zwei Jahren gegründet

Da Studierende im Verlauf des Studiums verschiedenen Behörden unterstellt sind, ist die juristische Situation im Falle von sexueller Belästigung etwas disparat. Um Bedürfnisse zusammenzuführen, wurde der Verein CLASH-Freiburg gegründet (Collectif de lutte contre les attitudes sexistes en milieu hospitalier, dt. Kollektiv zur Bekämpfung sexistischer Haltungen in Krankenhäusern.) dieser betreibt eine Anlaufstelle mit Hotline.

«Als ausserinstitutionelle Struktur hat CLASH-Freiburg den Auftrag, betroffene Personen an die entsprechenden Fachstellen weiterzuleiten», präzisiert die Mitteilung. Über ein Online-Formular sammelt CLASH-Freiburg auch anonyme Erfahrungsberichte. Dieses Formular ist über den QR-Code auf den Kampagnenposter zugänglich.

Es gilt Nulltoleranz

Dieses dreistufige Programm sollte alle an der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten Beteiligten erreichen. Da aber auch andere Fakultäten je eigene Varianten der Belästigungsproblematik vergegenwärtigen, hat das Rektorat der Universität Freiburg eine eigene Kampagne lanciert.

Diese soll bekräftigen, dass die Uni Studierende, Doktorierende, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Dozierende sowie technisches und administratives Personal vor Belästigung schützt und Nulltoleranz gilt. Als Anlaufstelle für Opfer und Zeugen sexueller Belästigung dient eine extra zu diesem Zweck 2018 gegründete Ombudsstelle.

Als Reminder gleichsam fungieren diesen Herbst drei Plakate, welche die Botschaft vermitteln «Gemeinsam gegen sexuelle Belästigung und Sexismus». Zudem wird am 20. Oktober eine Veranstaltung (Living Library) stattfinden, wo engagierte Personen von ihren Erfahrungen berichten.