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Unterstützungsdemo für inhaftierten Islamwissenschaftler Ramadan

Rund 60 Menschen haben am Dienstag in Genf ihre Unterstützung für den in Frankreich inhaftierten Islamforscher Tariq Ramadan demonstriert. Sie verurteilten «die ungerechte und unmenschliche Behandlung» des in Paris wegen Vergewaltigung angeklagten Islamologen.
Dutzende Menschen demonstrieren in Genf ihre Unterstützung für den Islamwissenschaftler Tariq Ramadan. (Bild: Keystone/SALVATORE DI NOLFI)

Dutzende Menschen demonstrieren in Genf ihre Unterstützung für den Islamwissenschaftler Tariq Ramadan. (Bild: Keystone/SALVATORE DI NOLFI)

(sda)

Die Kundgebungsteilnehmer protestierten nahe des französischen Konsulats in der Rhone-Stadt. Auf Transparenten war zu lesen: «Für die Achtung der Menschenrechte», «Internationale Forderung nach einem fairen und gerechten Verfahren» und «166 Tage zu viel».

Der 55-Jährige Ramadan sitzt seit Anfang Februar in Untersuchungshaft. Er wird insgesamt von vier Frauen der Vergewaltigung beschuldigt, bestreitet die Vorwürfe jedoch kategorisch. Derzeit wird er wegen seiner Multiplen Sklerose in der Gefängnisklinik im Pariser Vorort Fresnes behandelt.

Die Kundgebung wurde von der Free Tariq Ramadan Campaign organisiert, dies vor dem Hintergrund von Anhörungen mit zwei Klägerinnen am Dienstag und am Mittwoch. Ähnliche Aktionen waren am Dienstag vor dem Gefängnis in Fresnes sowie in Washington, London, Brüssel, Rabat oder Colombo geplant.

«Besorgnis und Empörung»

Ein Demonstrant las den Brief an den französischen Konsuln in Genf vor. Das Schreiben drückt «tiefe Besorgnis und Empörung der Bürger auf der ganzen Welt über die Behandlung dieses Falles» aus. Weiter fordert der Brief Ramadans Freilassung auf Kaution. Damit könne der Islamwissenschaftler angemessen medizinisch behandelt werden und sich mit seiner Familie in Verbindung setzen.

Andernfalls verlören die Bürger das Vertrauen in das französische Rechtssystem, warnt der Brief. «Dies würde den bestehenden Glauben bestätigen, dass die Werte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nicht für Muslime und Farbige in Frankreich gelten.»

«Die Unschuldsvermutung wird nicht respektiert», sagte einer von Tariq Ramadans Söhnen, Moussa Ramadan, der Agentur Keystone-sda während der Demonstration in Genf. «Die Situation ist völlig ungerecht. Meinem Vater wurde die Kaution verweigert, trotz der Garantien, die den Gerichten gegeben wurden», kritisierte er. Ausserdem habe der Islamwissenschaftler keinen Zugriff auf die Akten.

Gesundheitlich angeschlagen

Der Gesundheitszustand seines Vaters habe sich stark verschlechtert, wie kürzlich in einem Pariser Spital durchgeführten medizinische Untersuchungen gezeigt hätten. Er gehe jetzt mit einem Rollator und habe wegen der vielen Medikamente grosse Konzentrationsschwierigkeiten.

Ramadan ist in der Schweiz geboren, seine Vorfahren stammen aus Ägypten. Sein Grossvater war Hassan al-Banna, der Gründer der konservativen Muslimbruderschaft.

Tariq Ramadan unterrichtete zwischen 1984 und 2004 an mehreren Genfer Schulen. Kritiker werfen ihm vor, für eine besonders konservative und politische Auslegung des Islam einzutreten. Er selbst weist aber jede Nähe zu extremistischen Strömungen im Islam zurück.

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